Die breit angelegte Befüllung des größten Gasspeichers Deutschlands im niedersächsischen Rehden kann offiziell beginnen. Dazu erließ Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck eine Verordnung, die am Donnerstag in Kraft treten soll.
Der Grünenpolitiker sprach von einem weiteren wichtigen Schritt, um die Versorgungssicherheit und Vorsorge in Deutschland zu stärken und für den nächsten Winter gerüstet zu sein. Die Verordnung basiert auf dem Gasspeichergesetz, das seit Mai in Kraft ist.
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Rehden unter Kontrolle der Bundesnetzagentur
Der Gasspeicher Rehden hat ein Speichervolumen von 43,7 TWh, was knapp einem Fünftel aller in Deutschland vorhandenen Speicherkapazitäten entspricht. Er wird von dem Kasseler Unternehmen Astora betrieben, das bis vor Kurzem zum russischen Gazprom-Konzern gehörte, nun aber samt seiner Muttergesellschaft Gazprom Germania unter Treuhänderschaft der Bundesnetzagentur steht.
In den vergangenen Wochen hatte bereits die Gazprom-Germania-Tochter Wingas auf unterbrechbarer Basis Gas eingelagert. Allerdings beschränkte sich dies auf kleine Mengen. Faktischer Speichernutzer soll die Gazprom-Handelstochter Gazprom Export gewesen sein.
Gasspeicher Rehden zu zwei Prozent voll
Die Verantwortlichen betrachteten die Verträge mit dem Unternehmen allerdings seit russischen Sanktionen gegen Gazprom Germania als nichtig. Die von Gazprom Export vermarkteten Speicherkapazitäten seien gekündigt worden, teilte das Wirtschaftsministerium nun mit.
Derzeit ist Rehden zu gerade einmal zwei Prozent gefüllt. Von Montagmorgen bis Mittwochmorgen wurde sogar ausgespeichert. (Die ZfK berichtete.) Selbst bei vollständiger Ausnutzung der technisch möglichen Kapazitäten bräuchten die Verantwortlichen mindestens knapp 100 Tage, um bis zum 1. Oktober die im Gasspeichergesetz vorgeschriebene 80-Prozent-Füllstandsvorgabe zu erreichen.
Füllstand deutscher Gasspeicher
"Da die Speicherstände von Deutschlands größtem Gasspeicher in Rehden seit Monaten auf historischem Tief liegen, ist es notwendig hier schnell zu handeln", teilte Habeck mit. Mit der Ministerverordnung werde die Voraussetzung geschaffen, damit der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe mit der Einspeicherung in Rehden schnellstmöglich beginnen könne.
Mit Blick auf alle deutschen Gasspeicher betrug der Füllstand zuletzt 48,6 Prozent, wie Daten des Branchendienstes AGSI+ zeigen. Das waren 0,2 Prozent mehr als am Vortag.
Deutliche Unterschiede
Dabei sind die Unterschiede teils frappierend. War der vergleichsweise kleine Speicher des norwegischen Gaskonzerns Equinor im niedersächsischen Etzel zuletzt zu 99 Prozent gefüllt, weist der Speicher im bayerischen Wolfersberg lediglich einen Füllstand von neun Prozent auf. (aba/dpa)



