Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

An den europäischen LNG-Terminals wurden im ersten Halbjahr 2025 insgesamt 796 LNG-Tankerlieferungen importiert. Dies entsprach einem Importvolumen von 75 Milliarden Kubikmeter Erdgas und waren 185 LNG-Schiffslieferungen (22 Milliarden Kubikmeter) mehr als noch im zweiten Halbjahr 2024.

Einerseits stieg im ersten Halbjahr der Gasverbrauch wegen der höheren Gasnachfrage im Stromsektor (Dunkelflauten). Andererseits gingen die Pipeline-Lieferungen wegen des Wegfalls des russischen Ukraine-Transits und auch umfangreicher Wartungsarbeiten in Norwegen zurück.

Die EU-Länder exportierten deutlich mehr Erdgas in die Ukraine als in den Vorperioden; das Land muss seine historisch niedrigen Speicherstände auffüllen. Dazu ist die Speichernachfrage auch in den EU-Ländern deutlich angestiegen, im zweiten Quartal 2025 wurden rund 55 Terawattstunden (TWh) Erdgas mehr eingespeichert als noch in der Vorjahresperiode.

Profiteur USA

Die USA sind der große Profiteur des Strukturwandels des europäischen Gasmarkts. Das LNG-Importwachstum im ersten Halbjahr wurde praktisch zu 90 Prozent durch die USA abgefedert, deren Gesamtanteil auf dem europäischen LNG-Markt bei rund 55 Prozent lag.

Das 2024 in Betrieb genommene Plaquemines LNG Terminal mit einer Gesamtkapazität von über 13 Mio. Tonnen LNG pro Jahr produzierte rund 30 Prozent der zusätzlichen LNG-Importe Europas. Ohne dieses neue Terminal wäre der europäische Gasmarkt wohl deutlich angespannter.

TTF mit globaler Exposition

Der globale LNG-Handel hat sich in den letzten zehn Jahren um rund 70 Prozent erhöht. Zunächst durch die schnell wachsenden asiatischen Märkte und seit der Energiekrise durch den sprunghaft gestiegenen LNG-Importbedarf Europas.

Damit hat sich die Korrelation des niederländischen TTF und dem asiatischen JKM deutlich gefestigt. Der TTF ist zum Leitmarkt Europas geworden, an dem europäische wie globale Akteure ihre Absicherungsgeschäfte tätigen und ihre Positionen handeln. Diese strukturelle Veränderung sollte sich mit dem steigenden globalen LNG-Angebot in den nächsten Jahren weiter manifestieren.

Damit steigt auch die Anfälligkeit und Volatilität des TTF bei globalen Krisen, was zuletzt auf dem Höhepunkt des israelisch-iranischen Krieges eindrücklich demonstriert wurde. Die Preise stiegen am TTF auf über 45 Euro pro Megawattstunde (MWh) und sind seitdem wieder um mehr als 20 Prozent eingebrochen. Eine ähnliche Preisreaktion lief am asiatischen JKM ab.

Rehden nur zu 2 Prozent gefüllt

Die Branche ist weiterhin besorgt über den niedrigen Füllstand des mit einer Kapazität von rund vier Milliarden Kubikmeter zweitgrößten Gasspeichers Europas. Der Speicher sollte eigentlich eine Schlüsselrolle für die Gasversorgungssicherheit in Nordwesteuropa spielen.

Gründe für den niedrigen Füllstand könnten einerseits die niedrigen saisonalen Spreads sein. Mit der neuen Speicherverordnung fehlen dazu regulatorische Anreize und finanzielle Unterstützung, was insbesondere bei niedrigen Spreads eine Hilfe sein würde. Andere Marktteilnehme erwähnten auch den Mangel an langfristigen Verträgen seit dem Wegfall der langfristigen Lieferverträge mit Gazprom.

Der Speicher sollte gemäß der neuen Speicherverordnung zu Beginn des Winters zu 45 Prozent gefüllt sein, ob das Ziel erreicht wird, ist wohl eher fraglich. Zu Beginn der letzten Heizperiode war der Speicher zu 98 Prozent gefüllt. Wenn es im nächsten Winter frühzeitig kalt wird, könnte der niedrige Füllstand zu einem großen Problem werden.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.

Der Titel seiner letzten Analyse lautet: "Einspeicherungen nehmen Tempo auf".

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