Die LNG-Importe der fünf Länder mit der größten LNG-Nachfrage in Asien (China, Japan, Südkorea, Taiwan, Indien) stieg im August auf den höchsten Stand seit Dezember 2023. Insgesamt wurden 295 LNG-Lieferungen importiert, im Vormonat Juli lag die Anzahl der Lieferungen noch bei 244. Südkorea verzeichnete den höchsten Anstieg mit insgesamt 85 LNG-Lieferungen, gefolgt von China mit 78 Lieferungen und Japan mit 76 Lieferungen.
Leicht schwächer gegenüber den Vormonaten zeigten sich die Importe in Taiwan (29) und Indien (27). Die LNG-Exporte Australiens in die "Asien Top 5" verzeichneten dabei den größten Zuwachs, stiegen auf 101 LNG-Lieferungen und machten damit rund ein Drittel deren gesamter LNG-Importe aus.
LNG-Importe aus Russland und Katar auf Tiefstand
Die Zuwächse der australischen Lieferungen auf dem asiatischen Markt wirkten sich nur mittelbar auf die Verfügbarkeit von Spot-LNG auf dem europäischen Markt aus. Eine unmittelbare Auswirkung ergab sich jedoch aus der Entwicklung der katarischen und russischen LNG-Lieferungen. Russland exportierte im August in die "Asien Top 5" insgesamt 23 LNG-Lieferungen (Juli: 16 Lieferungen), nach Europa jedoch nur 9 Lieferungen. Katar lieferte in diese asiatischen Länder 46 LNG-Lieferungen (Juli: 36 Lieferungen) und nach Europa nur 5 Lieferungen.
Damit fielen die europäischen LNG-Importe aus Russland und Katar auf den tiefsten Stand seit mindestens Januar 2023 (Beginn unserer Datenerfassung). Die Zuwächse in Asien gingen also direkt zu Lasten der europäischen Terminals.
Europäische LNG-Importe deutlich unter Zielmarke
Insgesamt wurden damit in Europa im August nur 107 LNG-Lieferungen importiert. Seit dem Jahreshöchstwert im März mit 148 LNG-Lieferungen sind die Monatswerte kontinuierlich gesunken. Das bisherige Jahrestief vom Vormonat Juli in Höhe von 115 Lieferungen wurde deutlich unterschritten. Zu Beginn der Sommersaison hatten wir eine Zielmarke von monatlich rund 130 LNG-Lieferungen ausgegeben, um die Speicherziele zu erfüllen. Auch wenn zwischenzeitlich die Speicherziele aufgeweicht wurden, bleiben wir damit dennoch deutlich unter der Zielmarke.
Verwundbarkeit des europäischen LNG-Marktes
Gleichermaßen rückläufig zeigten sich im August die US-amerikanischen LNG-Importe, mit insgesamt nur 61 Lieferungen der niedrigste Wert seit Januar 2025. Die Dominanz von US-LNG auf dem europäischen Markt ist dennoch erdrückend; im laufenden Jahr stammen 55 Prozent aller LNG-Importe aus den USA.
Ohne US-LNG-Importe wäre beim derzeitigen globalen LNG-Angebot die Sicherheit der europäischen Gasversorgung nur schwerlich oder nur zu deutlich höheren Gaspreisen möglich. Die LNG-Importe hätten im Jahr 2025 monatlich rund 40 bis 60 Tanker betragen, würde man dann die russischen Lieferungen noch abziehen, so wären monatlich nur rund 30 bis 40 Lieferungen verblieben.
Die hohe Abhängigkeit von den USA vor allem angesichts der dortigen politischen Entwicklung stimmt bedenklich. Die Lehre aus der russischen Importabhängigkeit war eigentlich ein Ausbau der Diversifizierung. Stattdessen wurde die Abhängigkeit nur zum anderen globalen Player verschoben. Das macht den europäischen Gasmarkt verwundbar.
Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.
Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Gelassener Gashandel im bullishen Umfeld



