Blick auf den EWE-Gasspeicher in Huntorf (Niedersachsen).

Blick auf den EWE-Gasspeicher in Huntorf (Niedersachsen).

Bild: © EWE

Eine neue Heizsaison hat in Deutschland begonnen, und nie seit Aufstockung der Kapazitäten vor acht Jahren waren die heimischen Gasspeicher so leer.

Nach Angaben des Branchendienstes AGSI+ betrug der aggregierte Füllstand aller Speicher hierzulande Ende September 67 Prozent. In den beiden Jahren zuvor waren es zum selben Zeitpunkt noch mehr als 90 Prozent gewesen. Im Jahr 2018, nach einem vergleichbar strengen Winter wie Anfang dieses Jahres, immerhin noch 81 Prozent.

Niedrigere Füllstände als in Vorjahren

Die ZfK hat bei einem Dutzend Speicherbetreiber nachgefragt. Ergebnis: Die Füllstände der einzelnen Speicheranlagen fallen recht unterschiedlich aus. Zumindest ein Speicher ist demnach bereits zu mehr als 90 Prozent gefüllt. Andere Betreiber geben dagegen deutlich niedrigere Füllstände als in den Vorjahren an.

Die Fernleitungsnetzbetreiber überprüfen die Befüllung der Gasspeicher regelmäßig. Nach ihrer Einschätzung sind die meisten Gasspeicher wie für diese Jahreszeit üblich gefüllt. Ungewöhnlich niedrige Füllstände weise jedoch der Speicher Rehden in Niedersachsen auf, heißt es.

Sonderfall Rehden

Rehden ist ein Sonderfall. Er wird von Astora, einer Tochter des russischen Gaskonzerns Gazprom, betrieben. Einspeicherungen nehme faktisch nur Gazprom selbst vor, heißt es in Branchenkreisen. Doch genau das tat der Konzern im Sommer wochenlang nicht.

Stattdessen wurde im August sogar Gas ausgespeist. Inzwischen ist der Speicher nach Astora-Angaben zu sieben Prozent gefüllt – Tendenz steigend.

Gestiegene Großhandelspreise

Rehden ist mit einer Kapazität von 43,7 TWh der größte Gasspeicher in Deutschland. Entsprechend wichtig ist er für die Versorgungssicherheit hierzulande. Rechnet man Kapazität und Füllstand des Speichers heraus, wären deutsche Gasspeicher Ende September nicht mehr nur zu zwei Drittel, sondern zu 80 Prozent gefüllt gewesen.

Astora gab sich auf ZfK-Anfrage bedeckt, was die Gründe für den niedrigen Füllstand in Rehden seien. Andere Betreiber erklären die aktuelle Situation wiederum mit gestiegenen Großhandelspreisen über den Sommer, die die Einspeicherung von Gas zunehmend unattraktiv gemacht hätten.

Sommer-Winter-Spread volatil

Ein Befragter verweist jedoch auch darauf, dass zumindest zu Beginn des aktuellen Speicherjahres der für die Wirtschaftlichkeit von Speichern noch immer maßgebliche Sommer-Winter-Spread durchaus positiv gewesen sei und Betreiber durch frühzeitige Vermarktung ihrer Kapazitäten von dieser Entwicklung profitiert hätten.

Der sogenannte Sommer-Winter-Spread ist der wesentliche Ertragsindikator für Gasspeicher in Deutschland. Hintergrund ist, dass Gasspeicherkunden vor allem aus der Preisdifferenz zwischen Sommer- und Winterverträgen Erlöse erwirtschaften.

Systemwert von Gasspeichern

Mit dem weiteren Anstieg der Gaspreise sanken aber nicht nur die Spreads für das aktuelle Speicherjahr, sondern auch für die folgenden Saisons. "Sollte dies dauerhaft dazu führen, dass die Preise auf einem niedrigen Niveau verharren, kann das für Speicherbetreiber durchaus dazu führen, dass Speicher nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können", warnt ein Akteur.

Ein anderer Befragter kritisiert generell, dass der Fokus einiger Marktteilnehmer auf den aktuellen Sommer-Winter-Spread nicht zu einer "adäquaten Einschätzung des Systemwertes von Gasspeichern" führe. So habe im vergangenen Winter in Asien eine Megawattstunde Gas am Spotmarkt teils mehr als 100 Euro gekostet, auch weil es dort nur wenige Gasspeicher gebe.

Niedrige Gasfüllstände im Mai

Europa dagegen habe seine Speicherkapazitäten ausgeschöpft. Die Preise seien dabei nur leicht gestiegen. Tatsächlich waren die deutschen Gasspeicher zu Ende der Heizsaison 2020/21 nur noch zu knapp einem Viertel gefüllt.

Um die Speicher erneut zu befüllen und neue Vorräte anzulegen, mussten die Händler im Sommer Gas in großen Mengen einkaufen. Das trieb den Preis und schmälerte den Sommer-Winter-Spread.

Gas-Garant Russland

Bei allen wirtschaftlichen Sorgen gehen die Befragten davon aus, dass aus jetziger Sicht zumindest die physische Gasversorgung auch für diesen Winter gesichert sei. "Gerade Gaslieferungen aus Russland haben sich immer als zuverlässig für Deutschland erwiesen", antwortet ein Betreiber. "Denn die Russen wissen besser als wir, was kalte Winter sind und wie wichtig dann eine zuverlässige Versorgung ist." (aba)

Täglich aktualisierte Energiedaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit Energy Brainpool befüllt wird.

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