Es braucht Lösungen für den "Engpass" Stromnetz – da sind sich Energiebranche und Wirtschaft offenbar einig. (Symbolbild)

Es braucht Lösungen für den "Engpass" Stromnetz – da sind sich Energiebranche und Wirtschaft offenbar einig. (Symbolbild)

Bild: © zwiboe/Pixelio

Der Druck auf die Netzanschlussverfahren wächst. Mehr als 700 Gigawatt an Anschlussanfragen für Erzeugungsanlagen, Speicher und neue Großverbraucher stehen bundesweit in den Warteschlangen der Netzbetreiber.

Während die Netze vielerorts an ihre Grenzen stoßen, blockieren frühe und teils spekulative Anträge die Pipeline für Projekte, die kurzfristig realisiert werden könnten. Zwei aktuelle Papiere aus unterschiedlichen Richtungen fordern eine grundlegende Reform des bisherigen Windhundprinzips. Damit steigen auch die Erwartungen an das Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche (CDU), deren geleaktes "Netzanschlusspaket" für Aufsehen sorgt.

Große Beteiligung an Diskussionspapier

Ausgangspunkt ist ein Diskussionspapier des Kooperationsforums Großbatteriespeicher. In dem von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft moderierten Prozess haben mehr als 50 Akteure aus Speicherbranche, Netzbetrieb und Beratung gemeinsam Vorschläge erarbeitet, wie sich Anschlussverfahren effizienter gestalten lassen.

Beteiligt waren unter anderem Vertreter der Übertragungsnetzbetreiber Tennet, 50Hertz, Amprion und Transnet BW, aber auch Stadtwerke und kommunale Netzbetreiber. Der Befund ist eindeutig: Die rein chronologische Bearbeitung nach Eingangsdatum gewährleistet zwar formale Gleichbehandlung, führt in der Praxis jedoch zu erheblichen Fehlanreizen. Projekte ohne gesicherte Finanzierung oder ohne konkrete Bauplanung sichern sich frühzeitig Netzkapazitäten, während realistische Vorhaben warten müssen.

In dem Papier schlagen die Unternehmen daher vor, die Priorisierung künftig stärker am Reifegrad eines Projekts auszurichten. Nachweisbare Meilensteine wie gesicherte Flächen, Finanzierungszusagen oder konkrete Bauzeitenpläne sollen darüber entscheiden, wie weit ein Antrag im Verfahren nach vorne rückt.

Kernvorschläge des Diskussionspapiers

  • Reifegradprüfung der Projekte
    • Nur Projekte mit nachweisbaren Bau- und Finanzierungsmeilensteinen sollen bevorzugt bearbeitet werden
  • Finanzielle Ernsthaftigkeitsnachweise
    • Ein Deposit oder anteilige Zahlungen sichern, dass nur ernsthafte Projekte den Anschlussprozess beanspruchen
  • Cluster-Bewertungen
    • Anträge werden periodisch zusammengefasst und systematisch priorisiert, um Effizienz und Planbarkeit zu erhöhen
  • Transparente Kapazitätsdarstellung
    • Eine öffentliche Karte zeigt freie Netzkapazitäten und erleichtert Projektierung und Planung

Flickenteppich an Verfahrensweisen

Parallel dazu hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mit einem Impulspapier unter dem Titel "Zukunftssichere Netzanschlüsse" die Debatte auf eine breitere wirtschaftspolitische Ebene gehoben. Der DIHK kritisiert ebenfalls die Engpässe und den Flickenteppich unterschiedlicher Verfahrensweisen in den Netzgebieten.

Gefordert wird ein bundesweit einheitlicher Rechtsrahmen, der eine Priorisierung nach Reifegrad und Verbindlichkeit ausdrücklich ermöglicht und klare Kriterien vorgibt. Aus Sicht der Wirtschaft sind die langen und intransparenten Anschlussverfahren nicht nur ein Problem für Speicherprojekte, sondern zunehmend auch ein Standorthemmnis für Industrie, Rechenzentren und Elektrifizierungsprojekte.

Mehr Transparenz für Kapazitäten

Inhaltlich überschneiden sich die Forderungen des Kooperationsforums und des Wirtschaftsverbandes DIHK in zentralen Punkten. Beide plädieren für eine Abkehr vom starren Windhundprinzip, für mehr Transparenz über verfügbare Kapazitäten und verbindlichere Anträge.

Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie viel Steuerung und Priorisierung das Netzanschlussrecht künftig zulassen soll. Netzbetreiber sehen sich mit einer Flut von Anfragen konfrontiert, die sie nach geltendem Recht diskriminierungsfrei und transparent abarbeiten müssen.

Gleichzeitig wächst der politische Druck, Projekte mit hoher Systemrelevanz oder klarer Realisierungswahrscheinlichkeit schneller ans Netz zu bringen. Fest steht: Das Thema Netzanschluss hat die Ebene einzelner Projektkonflikte längst verlassen. Wenn Branche und Wirtschaft gleichermaßen eine Reform fordern, dürfte der Handlungsdruck auf den Gesetzgeber weiter steigen.

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