Sie gilt als klimafreundliche Wärmegewinnung: Die beiden Energieversorger dürfen das geothermische Potenzial ausloten. (Symbolbild)

Sie gilt als klimafreundliche Wärmegewinnung: Die beiden Energieversorger dürfen das geothermische Potenzial ausloten. (Symbolbild)

Bild: © visdia/AdobeStock

Von Daniel Zugehör

Mit dem Kohleausstieg stehen Kommunen und Industrie vor der Herausforderung, neue Wärmequellen zu erschließen. Eine vielversprechende Lösung bietet die Tiefengeothermie – die Nutzung heißer Thermalwasserschichten zur nachhaltigen Energiegewinnung. Das Fraunhofer IEG baut nun mit 52 Millionen Euro das "Fraunhofer Reallabor für Geothermie, Geotechnologien und Georessourcen – Geo³" in der Städteregion Aachen. Das Projekt soll das geothermische Potenzial Nordrhein-Westfalens erforschen und innovative Energietechnologien für die Wärmewende entwickeln.

Nachhaltige Wärme aus der Tiefe

Tiefengeothermie kann eine Vielzahl von Anwendungen mit klimafreundlicher Wärme versorgen, darunter kommunale Fernwärmenetze, Industrieanlagen oder Gewächshäuser. "Erdwärme ist eine unerschöpfliche klimafreundliche Wärmequelle, die das ganze Jahr zuverlässig liefert", betont NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne). In Städten wie München und Paris ist die Geothermie bereits ein fester Bestandteil der Wärmeversorgung. Nun soll sie auch in NRW eine zentrale Rolle im Masterplan Geothermie spielen.

Geophysikalische Untersuchungen und Bohrungen geplant

Mit der nun gestarteten Umsetzungsphase beginnt eine umfassende Erkundung des Untergrunds. Mithilfe seismischer Messungen – vergleichbar mit Ultraschalluntersuchungen in der Medizin – will das Fraunhofer IEG die geologischen Gegebenheiten über mehrere Kilometer Tiefe kartieren. Zwei Forschungsbohrungen sollen zusätzliche Erkenntnisse über wasserführende Gesteinsschichten liefern. "Die gewonnenen Daten sind essenziell für zukünftige Projekte von Wärmeversorgern und Kommunen", erklärt Professor Rolf Bracke, Leiter des Fraunhofer IEG.

Technologie-Entwicklung für die Industrie

Neben den geologischen Untersuchungen entsteht am Standort des Braunkohlekraftwerks Weisweiler ein Technikum für Georessourcen und Dekarbonisierung. Hier sollen neue Geotechnologien für die klimafreundliche Energieversorgung entwickelt werden – von geothermischen Heizkraftwerken über Energiespeicher im Untergrund bis hin zu CO₂-armen Betriebsstrategien für Industrie und Kommunen.

Ein wichtiger Baustein für den Strukturwandel

Das Projekt wird maßgeblich vom Bund und dem Land NRW finanziert. "Für eine klimaneutrale Wärmeversorgung auf kommunaler Ebene ist Erdwärme von großer Bedeutung", so Stefan Wenzel, Wirtschaftsstaatssekretär. "Das Fraunhofer Reallabor kann entscheidend zum Hochlauf der Geothermie in NRW beitragen." Die Forschungsergebnisse werden öffentlich zugänglich gemacht und sollen Kommunen helfen, Erdwärme als kostengünstige und regionale Wärmequelle zu erschließen.

Mit dem "Fraunhofer Reallabor" wird ein wichtiger Schritt für den Strukturwandel im Rheinischen Revier getan. Die Region, die jahrzehntelang auf fossile Brennstoffe setzte, könnte mit Geothermie das nächste Kapitel ihrer Energiegeschichte aufschlagen – hin zu einer nachhaltigen, sicheren und regionalen Wärmeversorgung.

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