Bis 2028 soll es auch in Deutschland einen Kapazitätsmechanismus geben. Wie genau dieser ausfallen soll, wird derzeit leidenschaftlich debattiert.

Bis 2028 soll es auch in Deutschland einen Kapazitätsmechanismus geben. Wie genau dieser ausfallen soll, wird derzeit leidenschaftlich debattiert.

Bild: © Julian Stratenschulte/dpa

Von Lucas Maier

Noch im vergangenen Jahr war Frankreich Hauptlieferant des deutschen Strommarktes. Nach den ersten sechs Monaten im Jahr 2025 sieht es allerdings ganz danach aus, als würde Dänemark Frankreich in diesem Jahr von seinem Posten als Top-Strom-Lieferant verdrängen: Bereits im zweiten Halbjahr 2024 wurden aus dem Königreich 7,4 Terawattstunden (TWh) mehr Strom im- als exportiert.

Im ersten Quartal 2025 lieferte Dänemark mit Abstand am meisten Strom nach Deutschland – ganze 4,4 TWh nach Abzug der deutschen Stromexporte nach Dänemark. Dahinter folgten die Niederlande und Norwegen mit 2,3 beziehungsweise 2 TWh. Aus Frankreich wurden netto nur etwa 1,4 TWh bezogen. Im zweiten Quartal zog Frankreich dann deutlich nach und lieferte mit 2,3 TWh netto den meisten Strom. Im ersten Halbjahr liegt Frankreich auf dem dritten Platz hinter Dänemark (6,3 TWh) und den Niederlanden (4,0 TWh).

Haupt-Nettostromexporteure im ersten Halbjahr 2025: 

  1. Dänemark: 6,3 TWh
  2. Niederlande: 4,0 TWh 
  3. Frankreich: 3,7 TWh 
  4. Norwegen: 3,1 TWh
  5. Schweden: 1,4 TWh 
  6. Belgien: 0,6 TWh
  7. Schweiz: 0,59 TWh

Österreich weiterhin Top-Abnehmer deutscher Stromexporte

Bei den Netto-Abnehmern des deutschen Stroms lag Österreich ein weiteres Mal ganz vorn. Der deutsche Stromhandelsüberschuss betrug hier 5,9 TWh. Dahinter folgen Tschechien und Polen mit jeweils 1,5 und 0,8 TWh.

Insgesamt betrug die Stromlast in Deutschland im ersten Halbjahr 246,5 TWh. Davon kamen 48,8 TWh von Windkraftanlagen auf dem Land und 45,0 TWh von Solaranlagen. Der drittgrößte Stromlieferant waren die Gaskraftwerke mit 40,8 TWh, gefolgt von den Braunkohlekraftwerken mit 35,2 TWh. Im Vergleich dazu ist der Stromanteil, der aus grenzüberschreitendem Handel stammt, mit 9,6 TWh eher gering.

Wie grün ist der importierte Strom?

Aus welcher Erzeugerquelle der nach Deutschland importierte Strom stammt, ist nicht konkret nachvollziehbar, da dieser direkt aus dem Strommix des jeweiligen Landes kommt. Wirft man jedoch einen Blick auf die Zusammensetzung der Stromerzeugung im jeweiligen Importland, ist eine ungefähre Tendenz erkennbar. So gewinnt der Hauptlieferant Dänemark den Großteil seines Stroms aus Windkraft. Nimmt man die Windparks an Land und auf See zusammen, hat Dänemark im ersten Halbjahr 2025 9,2 TWh aus Wind gewonnen, gefolgt von der Stromerzeugung durch Solar. Hierdurch wurden 2,28 TWh in den Strommix eingespeist. Dänemark selbst ist übrigens ebenfalls ein Netto-Stromimporteur. Importiert wird vor allem aus Norwegen und Schweden, die stark auf Wasserkraft setzen.

Markt regelt Stromimporte

Wie der Strom auf dem europäischen Markt verteilt, also importiert oder exportiert wird, hängt meist vom Preisniveau ab. Zukauf aufgrund von Knappheit ist in Deutschland die Ausnahme. Allerdings gab es im vergangenen Winter mehrere sogenannte Dunkelflauten – also Zeiten, in denen so gut wie kein Strom aus Solar- und Windkraftanlagen gewonnen wurde – wodurch Strom zugekauft werden musste.

Mehr zum Thema: Deutsche Stromimporte: 7 Grafiken geben Aufschluss

Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten 20,6 TWh nach Deutschland mehr im- als exportiert. Im gleichen Zeitraum hat Deutschland 13,9 TWh in andere Länder netto exportiert. Zum Vergleich: Insgesamt wurden 231,5 TWh in Deutschland produziert.

Hinweis:  Quelle für alle genannten Daten ist die Fraunhofer-Plattform Energy-Charts

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