Auch wenn die französischen Stromexporte nach Deutschland zurückgingen, blieb Frankreich im ersten Quartal Europas größter Netto-Stromexporteur. Das Bild zeigt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Auch wenn die französischen Stromexporte nach Deutschland zurückgingen, blieb Frankreich im ersten Quartal Europas größter Netto-Stromexporteur. Das Bild zeigt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Bild: © Ludovic Marin/AFP Pool via AP/dpa

Von Andreas Baumer

Die Zeiten, in denen Deutschland zumindest noch im Winter mehr Strom exportiert als importiert, scheinen vorbei zu sein. Auch im März überwogen die Stromimporte um zwei Terawattstunden (TWh). Damit wurden insgesamt im ersten Quartal dieses Jahres fast 4 TWh netto importiert – ein neuer Rekordwert seit mindestens 2015.

Interessant dabei: Bei den Hauptstromlieferanten gab es Verschiebungen. Anders als im Vorjahreszeitraum belegte Dänemark (4,5 TWh Stromexportüberschuss) den ersten Rang. Die Kernkraftbastion Frankreich (1,4 TWh) rutschte auf Platz vier ab. Auf das Podium schafften es die Niederlande (2,3 TWh) und Norwegen (2,0 TWh).

Schweden und Norwegen exportieren viel Strom

Im ersten Quartal 2024 hatte Dänemark (2,0 TWh) noch hinter Frankreich (2,1 TWh) gelegen. Auch damals kam Norwegen auf Platz drei (0,9 TWh).

Dabei ist Dänemark ein spannender Fall. Denn grundsätzlich gehört das Land nicht zu den großen Stromexporteuren in Europa. Alles in allem importierte auch Dänemark in den ersten drei Monaten dieses Jahres mehr Strom, als es exportierte.

So wurden Netto-Exporte nach Deutschland locker ausgeglichen durch massive Netto-Importe aus Schweden (3,5 TWh) und Norwegen (2,6 TWh). Anders als Dänemark zählen die beiden skandinavischen Nachbarn auch zu den großen Netto-Stromexporteuren in Europa.

Ein Hauptgrund dafür mag sein, dass sowohl Schweden als auch Norwegen stark auf Wasserkraft setzen können, das als stetigerer Stromproduzent gilt als etwa Wind- oder Solarenergie. In Schweden sind zudem drei Kernkraftwerke in Betrieb, die im ersten Quartal 29 Prozent zum schwedischen Strommix beisteuerten.

Unmut über deutsche Stromimporte

Dass das norwegische und das schwedische Stromnetz nicht nur über Dänemark mit dem europäischen Festland verbunden sind und so beispielsweise am deutschen Strommarkt teilnehmen können, führte in beiden Ländern zuletzt auch zu Unmut. 

Als eine ausgeprägte Dunkelflaute in Deutschland die Stromgroßhandelspreise in Zentral- und Nordeuropa kräftig nach oben zog, ließ die schwedische Energieministerin Ebba Busch über heimische Medien ausrichten, dass sie "wütend auf die Deutschen" sei. Laut "Financial Times" nannte der norwegische Energieminister Terje Aasland das deutsche Strompreishoch, das auch in seinem Land die Preise steigen ließ, "eine absolut beschissene Situation".

Kerstin Andreae, Chefin des Energieverbands BDEW, hielt dagegen. "Insbesondere Schweden hat über lange Zeiträume sehr viel Strom auch von Deutschland importiert", sagte sie.

Stromimporte nicht gleich Stromknappheit

Ob Deutschland Strom im- oder exportiert, entscheidet der Markt. Importe sind dabei nicht automatisch gleichzusetzen mit Angebotsknappheiten in der Bundesrepublik. Im Normalfall heißt das, dass etwa ausländische Windkraft-, Wasserkraft- oder Kernkraftbetreiber Strom günstiger anbieten als heimische Kohle- oder Gaskraftwerksbetreiber und sich deshalb bei Ausschreibungen durchsetzen.

Allerdings gab es im vergangenen Winter auch Stunden, in denen martkbasierte heimische Kraftwerkskapazitäten die Stromnachfrage in Deutschland nicht schließen konnten. Für den Fall, dass der Markt diese Lücke nicht füllt, gibt es Kraftwerke, die nicht mehr am Markt teilnehmen und von den Übertragungsnetzbetreibern aus der Reserve geholt werden können.

Hinweis:  Quelle für alle genannten Daten ist die Fraunhofer-Plattform Energy-Charts. Ausgewertet wurde der grenzüberschreitende Stromhandel.

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