Einfach zur PV-Anlage auf dem Dach: Hausbesitzer senden Fotos vom Dach an den Kundenberater. In wenigen Minuten wird per KI die passende Solaranlage geplant. Anschließend kommt es zum Beratungsgespräch über ein Videotelefonat. Im dritten Schritt überprüft ein Monteur vor Ort, ob alle Maße stimmen.

Einfach zur PV-Anlage auf dem Dach: Hausbesitzer senden Fotos vom Dach an den Kundenberater. In wenigen Minuten wird per KI die passende Solaranlage geplant. Anschließend kommt es zum Beratungsgespräch über ein Videotelefonat. Im dritten Schritt überprüft ein Monteur vor Ort, ob alle Maße stimmen.

Bild: © tl6781/AdobeStock

Seit 13 Jahren gibt es die MaBiS: Eingeführt wurden die Marktregeln für die Bilanzkreisabrechnung Strom (MaBiS) im Juni 2011. Hintergrund war, dass zur Marktliberalisierung eine Regelung benötigt wurde, wie Abweichungen des vom Lieferanten durch ein fremdes Netz durchgeleiteten Stroms abgerechnet werden sollte.  

Die MaBiS regelt sowohl den Austausch bilanzierungsrelevanter Stamm- und Bewegungsdaten als auch die gesamte Abwicklung der Bilanzkreisabrechnung.

Das Beratungsunternehmen BET hat seitdem in unregelmäßigen Abständen einen MaBiS-Benchmark erhoben. Die jüngste Erhebung mit fast 30 Teilnehmern zeigt für die Jahre 2020 bis 2023 eine durchschnittliche Verschlechterung der Bilanzierungsqualität um fast 20 Prozent. Bei den Teilnehmern handelte es sich um unterschiedliche Energieversorger – von ganz großen bis hin zu ganz kleinen.

Gründe für die Verschlechterung der Bilanzierungsqualität

„In den letzten Jahren fand ein massiver Zubau von Photovoltaikanlagen mit oder ohne Batteriespeicher, ein vermehrtes Laden von E-Autos und ein Umstieg auf Wärmepumpen gerade im privaten Bereich statt – das sind nur einige Faktoren, die Differenzmengen im Bilanzierungsprozess entstehen lassen können“, erklärt Ulrich Rosen, Partner bei BET.

So habe sich das Verbrauchsverhalten aufgrund der Herausforderungen der letzten Jahre, wie die Corona-Krise, die Energie-Krise, die steigende Inflation verändert. Vor allem der starke Zubau von PV-Anlagen und die hohen Energiepreise hätten einerseits zu einem sinkenden Netzbezug im Bereich der Privatkunden geführt, so der BET-Experte.

Hohes Kostenrisiko

Andererseits habe der Umstieg von Verbrennern auf Elektroautos und die Ablösung von Erdgasheizungen durch Wärmepumpen den Verbrauch ansteigen lassen. „Beide Effekte werden offensichtlich nicht automatisch bzw. nicht schnell genug im SLP-Bilanzierungsprozess berücksichtigt, da weder Lieferanten noch Netzbetreiber die relevanten Stammdaten – wie Jahresverbrauchsprognose und gegebenenfalls Profilzuordnung – unterjährig anpassen“, sagt Simon Kutzner, der bei BET seit Jahren den MaBiS-Benchmark durchführt.

Solche Abweichungen im Differenzbilanzkreis stellen ein hohes Kostenrisiko dar und werden in der Regel mit der Mehr-/ Mindermengenabrechnung finanziell nicht vollständig ausgeglichen. „Hinzu kommt, dass Unvorhersehbarkeiten wie die extremen Preisspitzen für Ausgleichsenergie oder die Leistungsspitzen weitere Risiken enthalten, denen nur durch gezielte Maßnahmen zur Profiloptimierung begegnet werden kann. Entsprechende Kosten werden durch die Regulierungsbehörden im Rahmen der Netzentgeltgenehmigung schon länger nicht mehr anerkannt“, verdeutlicht Kutzner.

Die Lösung: netzindividuelle Standardlastprofile

Das Problem: „Das VDEW-Profil für Haushalte ist immer weniger repräsentativ und vor allem die Prosumer-Haushalte weichen stark davon ab.“ Als einen Lösungsweg nennt der BET-Experte netzindividuelle Standardlastprofile. Denn bisher werden Haushalte, die sich beispielsweise 2023 eine PV-Anlage installiert haben lassen, oft weiterhin mit Standardlastprofilen bilanziert und deren Einspeisung ignoriert. Jetzt kommen auch noch Wallboxen und Wärmepumpen hinzu, die das Verbrauchsverhalten stark ändern und nicht mehr im Standardlastprofil widergespiegelt werden.

Durch netzspezifische Lastprofile lasse sich der Trend brechen und die Differenzmengen im Mittel um fast 40 Prozent gegenüber 2023 verringern, so das Ergebnis des BET-Benchmarkings.

Prosumer-Verhalten muss besser abgebildet werden

Helfen würde es auch, wenn Prosumer-Profile entwickelt würden, die den Eigenverbrauch besser abbilden oder wenn die Jahresverbrauchsprognosen schneller angepasst würden. „Wir sehen viele Potenziale, mit der sich die Kostenrisiken für Lieferanten und Netzbetreiber verringern lassen“, so Rosen. Ebenso sei ein kontinuierliches Monitoring der Datenqualität und der Bilanzierungsprozesse erforderlich.

Es gebe also durchaus Wege und Mittel den Trend zu wachsenden Differenzmengen durch gezielte Maßnahmen umzukehren und dadurch auch die Kostenrisiken zu minimieren, hebt der BET-Experte nochmals hervor. Ebenso werde der Rollout intelligenter Messsysteme durch die dann viertelstündlich vorliegenden Messwerte die Qualität der verbleibenden Standardlastprofile verändern.

Energieversorger, die ebenfalls Interesse an einer nachträglichen Teilnahme am Benchmarking haben, können sich außerdem bei BET melden. (sg)

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