Von Julian Korb
Das Jahr 2025 war bislang ein teures am Strommarkt. Rund 120 Euro kostete die Megawattstunde (MWh) im Schnitt auf dem Day-Ahead, wie aus Daten der europäischen Strombörse Epex Spot hervorgeht. Im Februar waren es sogar fast 130 Euro.
Zum Vergleich: Im Februar 2024 kostete die Megawattstunde gerade einmal gut 60 Euro. Das Preisniveau hat sich also mehr als verdoppelt. Lediglich im Energiekrisenjahr 2022 waren die Preise am Jahresanfang noch höher als bislang im laufenden Jahr.
Windstromanteil geht zurück
Damit setzt sich der Trend vom Jahresende 2024 fort – beziehungsweise verschärfte sich sogar noch einmal. Im November hatten die Preise erstmals die Schwelle von 100 Euro überschritten. Vor der Energiepreiskrise waren zum Jahresanfang Börsenstrompreise von 40 Euro je MWh oder weniger üblich.
Vor allem zwei Faktoren dürften für das Preishoch verantwortlich sein. Der erste ist der niedrige Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung: Im Februar leisteten die Erneuerbaren nochmal weniger, ihr Anteil schrumpfte von im Januar 51 Prozent auf nun 44 Prozent.
Vor allem die Windenergie schwächelte erneut. Bereits im November und Dezember hatten windschwache Tage zu zwei sogenannten Dunkelflauten geführt. Das sind Zeiten, in denen die Sonneneinstrahlung gering ist und wenig Wind weht. Vor allem in den Morgen- und Abendstunden, in denen der Verbrauch am höchsten ist, hatte dies zu Spitzenpreisen von fast 1000 pro MWh geführt.
Mehr Anlagen, weniger Erzeugung
Für gewöhnlich erzeugen Windkraftanlagen im Herbst und Winter mehr Strom, weil dann auch am meisten Wind weht. Windenergie gleicht somit jahreszeitbedingte Schwächephasen von Sonnenergie aus. In diesem Winter gelingt dies jedoch nur unzureichend.
Rund 20.000 Gigawattstunden (GWh) Strom erzeugten Windkraftanlagen an Land (Onshore) im Januar und Februar 2025 – im gleichen Vorjahreszeitraum waren es dagegen 29.000 GWh. Tatsächlich war dies bislang die niedrigste Windstromproduktion seit 2021 – und das bei stetigem Zubau von Windanlagen.
2021 waren Onshore-Windanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 56 Gigawatt (GW) installiert. Zum Jahresanfang 2025 waren es hingegen bereits knapp 64 GW. Das ist ein Zuwachs von 14 Prozent.
Viel Kohle und Gas
Etwas mehr Strom erzeugten hingegen Solaranlagen. Knapp 3000 GWh Solarstrom waren der höchste Wert jemals in einem Februar. Dennoch kam die Solarenergie nur auf einen Anteil von knapp 8 Prozent der gesamten öffentlichen Nettostromerzeugung in Deutschland. Im Januar fiel der Anteil mit 4 Prozent sogar noch geringer aus.
Wichtigste Stromerzeugungsquelle ist im laufenden Jahr dennoch die Windkraft mit 31 Prozent. Erst dann folgen Kohle mit 27 und Gas mit einem Anteil von 20 Prozent. Und damit wären wir beim zweiten Faktor, warum die Börsenstrompreise so hoch sind: die Gasverstromung.
Denn Strompreise und Gaspreise sind eng miteinander verknüpft: Durch das Merit-Order-Prinzip wirkt das letzte zugeschaltete Kraftwerk preissetzend. Erneuerbare Energien haben die geringsten Betriebskosten. Das teuerste Kraftwerk ist in der Regel ein Gaskraftwerk. Und gerade im Februar mussten Gaskraftwerke oft einspringen, um den fehlenden Windstrom zu ersetzen.
Gestiegener CO2-Preis
Die Gaspreise befinden sich allerdings seit Monaten auf einem Höhenflug. Mitte Februar stieg der Day-Ahead-Preis am Handelspunkt THE auf fast 60 Euro pro Megawattstunde (MWh). Seitdem haben sich die Großhandelspreise wieder leicht entspannt – liegen aber immer noch fast doppelt so hoch wie im gleichen Vorjahreszeitraum. Niedrige Füllstände bei den Gasspeichern sorgen hier zusätzlich für Nervosität.
So lange die Gaspreise nicht weiter sinken oder die Windstromproduktion deutlich steigt, ist am Strommarkt keine Entspannung zu erwarten. Hinzu kommt, dass die seit Jahresbeginn gestiegene CO2-Bepreisung Gas und Kohle weiter verteuern. Günstigere Strompreise dürften sich erst wieder mit steigender Stromerzeugung aus Solaranlagen einstellen.
Ein eher geringer Kostenfaktor am Strommarkt sind bislang übrigens Importe. Im Januar lag der Anteil von Stromimporten an der gesamten Erzeugung bei gut einem Prozent, im Februar waren es etwas weniger vier Prozent. Knapp 2000 GWh Strom flossen aus dem europäischen Ausland nach Deutschland – der Großteil davon aus Dänemark, Frankreich und den Niederlanden, wie Daten des europäischen Netzbetreiberverbandes ENTSO-E zeigen.
Hinweis: Die genannten historischen Strommengen und Strompreise stammen von der Fraunhofer-Plattform Energy-Charts. Bei den Strompreisen handelt es sich um Day-Ahead-Preise an der Strombörse Epex Spot.
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