Die ersten Mieterstromprojekte sind bereits in Planung, doch unterschiedlichste Abrechnungsmodelle sorgen für Verunsicherung. Vereinfachte Regularien sollen Abhilfe schaffen.

Die ersten Mieterstromprojekte sind bereits in Planung, doch unterschiedlichste Abrechnungsmodelle sorgen für Verunsicherung. Vereinfachte Regularien sollen Abhilfe schaffen.

Bild: © MyCreative/Shutterstock

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat das Potenzial für Mieterstrom-Projekte in Deutschland neu untersucht. Das Ergebnis: Von den insgesamt 19 Mio. Mieterhaushalten in Mehrfamilienhäusern könnten bis zu 14,3 Mio. in 1,9 Mio. Gebäuden von Mieterstrom profitieren.

Das wären fast zwei Mio. PV-Anlagen. Selbst wenn man Gebäude mit Eigentümergemeinschaften herausrechne, betrage das Potenzial noch etwa 934.000 Gebäude, wie die Forschenden aus Köln mitteilen.

Änderungen am Markt

Das Bundeswirtschafts- und Klimaschutzministerium (BMWK) war 2017 noch von 370.000 für Mieterstrom geeigneten Wohngebäuden ausgegangen. Inzwischen hätten sich aber sowohl am Markt als auch regulatorisch Änderungen ergeben, so die Forschenden des IW.

So sei es aktuell dank einer florierenden Start-up-Szene möglich und lukrativ, den kompletten Bereich der Mehrfamilienhäuser abzudecken.

Potenzial bis 43 TWh

Damit nimmt auch die Bedeutung von Mieterstrom-Projekten für die Stromerzeugung zu. Die BWMK-Studie aus dem Jahr 2017 hatte das Zubaupotenzial noch auf 14 TWh beziffert.

Durch die höhere Anzahl an Gebäuden ist das Potenzial für die Stromerzeugung mit 43 TWh zu veranschlagen, wie nun das IW berechnet hat. Die gesamte PV-Stromerzeugung lag im Jahr 2023 bei 61 TWh.

Befreiung von Umsatzsteuer

In den letzten Jahren hätten zudem einige Verbesserungen den Mieterstrom attraktiver gemacht. So etwa die Befreiung von der Umsatzsteuer auf Montage und Material der Solarpaneele, keine Einkommensteuer auf die Erträge aus der Einspeisevergütung sowie der Wegfall der EEG-Umlage im Jahr 2023.

Ab 2026 gilt zudem eine Pflicht für den Einbau fernablesebarer Stromzähler, was Mieterstrom technisch einfacher macht.

Vertragsfreiheit der Mieter

Aktuell wird nur ein Bruchteil des Mieterstrom-Potenzials genutzt. Auf den Mehrfamilienhäusern in Deutschland befanden sich im Mai 2024 laut Marktstammdatenregister nur 9000 Photovoltaik-Anlagen.

Gerade bei Gebäuden mit wenigen Mietparteien gilt Mieterstrom als nicht wirtschaftlich. Auch, weil die Mieter bei der Wahl zur Abnahme des Mieterstroms nach dem sogenannten Kopplungsverbot Vertragsfreiheit genießen. Sie können sich somit gegen die Abnahme entscheiden.

Wegfall der Lieferantenpflicht

Als größte Herausforderung im Mehrfamilienhaus-Segment nennt das IW deshalb den Entscheidungsprozess. Die Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung sollte laut den Forschenden künftig der Standard werden. Das Modell senke den bürokratischen Aufwand, indem die Lieferantenpflicht wegfalle.

Um die Mitmachquoten der Mieter zu erhöhen, sollte die Vertragsfreiheit zudem künftig anders ausgestaltet werden. Statt einer Zustimmungspflicht soll es eine Widerspruchslösung geben.

Standards gefordert

Auch technische Vereinfachungen könnten den Hochlauf von Mieterstrom beschleunigen: So fehlen derzeit noch bundesweite Standards in der Zählermethode, eine vereinheitlichte Abrechnung und standardisierte Meldeprozesse bei den über 900 verschiedenen Netzbetreibern. Die Planung von Mieterstrom dürfe kein "maßgeschneidertes Projekt" sein, sondern sollte "standardisiert und bundesweit einheitlich" umsetzbar sein, so die Forschenden.

Bei den finanziellen Anreizen besteht ebenfalls Nachbesserungsbedarf. So sollte die Überschussteileinspeisung mindestens gleichwertig vergütet werden wie die Volleinspeisung. Derzeit würden in Mieterstromprojekten kleinere Anlagen als möglich gebaut, um Überschüsse zu vermieden. So werde aber wertvoller Platz auf Dachflächen verschenkt. (jk)

Lesen Sie zum Thema Mieterstrom auch:

"Die Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung ist keine Alternative zum Mieterstrom"

Wann kommen die dringend benötigten Standards im Mieterstrom?

Weitere Erleichterungen für Mieterstrom - Nimmt der Rollout jetzt Fahrt auf?

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper