Kernfusion gilt als vielversprechende, da besonders ergiebige Energiequelle (Symbolbild).

Kernfusion gilt als vielversprechende, da besonders ergiebige Energiequelle (Symbolbild).

Bild: © Adobe Stock/phonlamaiphoto

Die Bundesregierung möchte die Entwicklung der Fusionsenergie deutlich beschleunigen. Dafür hat sie jetzt Fördermittel in Milliardenhöhe bereitgestellt. Das Geld soll unter anderem in die Forschung, industrielle Kooperationen sowie den Aufbau eines Ökosystems fließen.

Ziel sei es, Deutschland zu einem führenden Standort für diese Technologie zu machen und den Weg hin zu einem ersten Fusionskraftwerk zu ebnen, kündigte das Bundesforschungsministerium (BMFTR) an. "Wir wollen, dass das erste Fusionskraftwerk der Welt in Deutschland steht", unterstrich Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) auf einem Kongress des BMFTR am 24. März in Berlin. Die Veranstaltung sollte insbesondere Forschende mit Akteuren aus der Industrie zusammenbringen.

Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen

Dazu hat ihr Ministerium einen "Aktionsplan Fusion" vorgestellt. Demnach sollen drei sogenannte Hubs geschaffen werden: für Magnetfusion, für Laserfusion und zu Brennstoffkreislauf sowie Materialentwicklung. Darin sollen Kompetenzen gebündelt, wichtige Forschungs- und Entwicklungsfragen adressiert und ein "leistungsfähiges Innovationsökosystem" geschaffen werden, so das BMFTR weiter.

Wenn wir bei der Fusion jetzt vorangehen, dann können wir eine Industrie aufbauen, die uns unabhängiger von fossilen Rohstoffen macht [...].

Es gehe darum, wissenschaftliche Erkenntnisse schnell in marktreife Technologien zu überführen. "Wenn wir bei der Fusion jetzt vorangehen, dann können wir eine Industrie aufbauen, die uns unabhängiger von fossilen Rohstoffen macht, unabhängiger von Energieimporten und unabhängiger von den Wirren der Weltpolitik", betonte Bär.

In der laufenden Legislaturperiode sind dafür nun insgesamt 2,4 Milliarden Euro eingeplant. Die Ministerin warb außerdem für langfristige Investitionen über die laufende Legislaturperiode hinaus. "Deutschland glaubt an die Fusion", so Bär.

Konkrete Pläne für erstes Fusionskraftwerk

Während der Bund seine Strategie vorstellt, planen etwa in Bayern Unternehmen und Forschungseinrichtungen bereits ein erstes kommerzielles Fusionskraftwerk. In Garching bei München soll zunächst ein Demonstrationsreaktor entstehen. Darauf aufbauend ist ein kommerzielles Kraftwerk am Standort des ehemaligen Kernkraftwerks Gundremmingen vorgesehen.

Das Projekt wird von einem Konsortium aus Industrie und Forschung getragen, darunter das Start-up Proxima Fusion, die Max-Planck-Gesellschaft und der Energiekonzern RWE. Die Finanzierung ist als Public-Private-Modell angelegt; bereits der Demonstrator dürfte rund zwei Milliarden Euro kosten.

Der Freistaat Bayern hat eine Kofinanzierung von bis zu 400 Millionen Euro in Aussicht gestellt, allerdings unter dem Vorbehalt zusätzlicher Bundesmittel. Ob und wann tatsächlich Strom ins Netz eingespeist wird, bleibt jedoch offen, da sich die Technologie weltweit weiterhin im Entwicklungsstadium befindet.

Was Fusionsenergie leisten kann – und was nicht

Fusionsenergie basiert auf dem Prinzip der Sonne: Leichte Atomkerne verschmelzen zu schwereren und setzen dabei große Energiemengen frei. Am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik zum Beispiel geschieht dies in einem heißen Plasma mit Temperaturen von mehr als 100 Millionen Grad Celsius, das mithilfe starker Magnetfelder eingeschlossen wird.

Als Energiequelle gilt die Kernfusion als vielversprechend, da sie perspektivisch eine CO₂-arme Stromerzeugung ermöglichen könnte und dabei deutlich geringere Mengen langlebiger radioaktiver Abfälle verursacht als die Kernspaltung.

Gleichzeitig ist der Brennstoff – insbesondere Deuterium – laut dem Bund in großen Mengen verfügbar, was langfristig eine hohe Versorgungssicherheit in Aussicht stellt. Deuterium ist ein natürlich vorkommendes schweres Wasserstoffisotop, das beispielsweise aus Wasser gewonnen werden kann.

Wohl erst ab den 2030ern

Den Vorteilen stehen jedoch erhebliche technische Hürden gegenüber. Die Stabilisierung des Plasmas über längere Zeiträume, die Entwicklung widerstandsfähiger Materialien sowie die wirtschaftliche Skalierung der Anlagen gelten weiterhin als ungelöste Schlüsselprobleme.

Auch die zeitliche Perspektive bleibt unsicher. Selbst optimistische Szenarien gehen davon aus, dass kommerzielle Anlagen frühestens in den 2030er- bis 2040er-Jahren verfügbar sein könnten, während konservativere Einschätzungen deutlich längere Entwicklungszeiten erwarten.

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