Frau Haniel von Haimhausen, die Initiative evu+ im Edna Bundesverband hat einige Fakten zu den Netzbetreibern in Deutschland zusammengetragen. Anlass war, dass immer wieder der Vorwurf auftaucht, vor allem kleine Netzbetreiber seien mit der Aufgabe überfordert und es gäbe zu viele Netzbetreiber. Warum tauchen diese Vorwürfe immer wieder auf und steckt nicht doch ein Körnchen Wahrheit in diesen Thesen?
Andrea Haniel von Haimhausen, Geschäftsführerin der E-Werke Haniel Haimhausen: Natürlich gibt es Netzbetreiber, bei denen nicht immer alles rund läuft und es zum Beispiel manchmal sehr lange dauert, bis eine neue PV-Anlage ans Netz geht. Aber das betrifft große wie kleine Netzbetreiber und ist kein reines KMU-Problem. Es geht vielmehr um die Leistungsfähigkeit des einzelnen Netzbetreibers. Hier wird den kleinen und mittleren EVU gerne unterstellt, sie seien deutlich schlechter aufgestellt als die Großen. Das ist aber nicht richtig. Gerade die kleinen und mittleren Unternehmen sind sehr nah am Kunden: Der weiß, wo seine Ansprechpartner sitzen und kann im Notfall persönlich mit seinem Anliegen vorstellig werden. Dafür müssen auch die kleinen und mittleren Netzbetreiber leistungsfähig und vor allem leistungsbereit sein. Denn diese Kundennähe wird unmittelbar zum wirtschaftlichen Risiko, wenn die Erwartungen der Kunden vor Ort enttäuscht werden. Sie müssen sich also um zeitnahe Problemlösungen kümmern und schaffen das in den allermeisten Fällen auch.
Sie sehen auch die Bundesnetzagentur in der Verantwortung, weil sie die Umsetzungsfristen zu kurz setzt. Ist die Politik nicht daran interessiert, realistische Vorgaben zu machen, oder müssen die IT-Dienstleister einfach schneller werden?
Generell sind die Umsetzungsfristen zu kurz und die Änderungen zu zahlreich. Das hat nicht nur Edna seit Jahren immer wieder thematisiert. Die Softwareanbieter stehen unter immensem Druck, alle Änderungen rechtzeitig umzusetzen und dann auch noch bei den Kunden, also den EVU und Netzbetreibern, auszurollen. Dass dabei nicht immer alles zum Stichtag klappt, darf niemanden verwundern. Der Umbau des Energiesystems ist aber eine Gemeinschaftsaufgabe aller Marktteilnehmer, auch des Gesetzgebers. Statt Schuldzuweisungen plädieren wir dafür, die spezifischen Kompetenzen und Verantwortlichkeiten von Politik, Behörden und Unternehmen auf Augenhöhe zusammenzuführen und die Regulierung effizient und umsetzbar zu gestalten. Dazu sind wir über den edna Bundesverband auch im Dialog, beispielweise mit der Bundesnetzagentur.
Von Resignation kann aber keine Rede sein. Im Gegenteil: Die meisten kleinen und mittleren EVU sehen die Energiewende als zentrale Aufgabe, die sie vor Ort aktiv umsetzen wollen.
Wie kommen solche Vorwürfe bei den Netzbetreibern an? Resigniert man eher oder wünscht man sich mehr Unterstützung - zum Beispiel von der Politik?
Natürlich frustriert das, wenn man ständig und zu Unrecht negativ bewertet wird. Von Resignation kann aber keine Rede sein. Im Gegenteil: Die meisten kleinen und mittleren EVU sehen die Energiewende als zentrale Aufgabe, die sie vor Ort aktiv umsetzen wollen. Die Motivation ist also hoch. Aber auch die Belastungen durch regulatorische Vorgaben. Diese orientieren sich nicht selten an den Strukturen der großen Netzbetreiber. Was dort mit eigenen Abteilungen und vielen Ressourcen gemacht wird, machen wir mit kleinen Teams, die natürlich auch andere Aufgaben haben. Insofern wünschen wir uns von der Politik, dass die überbordende Bürokratie und Komplexität insgesamt reduziert wird. Davon würden alle profitieren, nicht nur die kleinen und mittleren EVU.
Fehlt es in der Bevölkerung generell an Verständnis für den Netzbetrieb? Viele wissen wahrscheinlich gar nicht, was Netzbetreiber machen und dass sie reguliert werden. Was müsste sich hier ändern?
Auch wenn das Bewusstsein für die Notwendigkeit des Umbaus unseres Energiesystems bei vielen Menschen deutlich gestiegen ist, wissen viele nicht im Detail, was alles getan wird, damit der Strom auch in Zukunft zuverlässig aus der Steckdose kommt. Deshalb haben wir ja auch unsere evu+ Charmeoffensive gestartet, mit der wir den Menschen vor Ort durch konkrete Beispiele aus ihrem „täglichen Leben mit dem Strom“ zeigen, dass es uns gibt und was wir für sie tun. Aber daran müssen wir sicherlich kontinuierlich weiterarbeiten. Hier hilft nur ein offener Dialog auf Augenhöhe.
Die Fragen stellte Stephanie Gust



