So kann ökologisches Trassenmanagement aussehen: Möglichst viel Vegetation bleibt erhalten und direkt unter der Stromtrasse ist der Bewuchs niedriger.

So kann ökologisches Trassenmanagement aussehen: Möglichst viel Vegetation bleibt erhalten und direkt unter der Stromtrasse ist der Bewuchs niedriger.

Bild: © Roland Bornemann/Netze BW GmbH

Für den Ausbau der erneuerbaren Energien müssen auch neue Stromleitungen gebaut werden. Überlandleitungen bedeuten aber meistens einen Einschnitt in die Natur. Doch Betriebssicherheit und Umweltschutz müssen sich nicht ausschließen. Um das Trassenmanagement umweltverträglicher zu gestalten, hat das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE FNN) jetzt erstmals eine Umsetzungshilfe zum ökologischen Trassenmanagement erarbeitet.

Als Fachkreise waren auch der NABU und das Bundesamt für Naturschutz beteiligt. Der VDE FNN Hinweis "Ökologisches Trassenmanagement – Rahmenbedingungen, Handlungsfelder, Maßnahmen" dient Netzbetreibern als Informationsgrundlage für die Trassenpflege. Auch Bestandstrassen, die den Großteil der Trassen ausmachen, können mit Hilfe des neuen Hinweises lebenswerter für Tiere und Pflanzen gestaltet werden.

Risiko für Stromversorgung durch zu viel Bewuchs oder umstürzende Bäume

Für eine sichere und zuverlässige Stromversorgung hat die Leitungs- und Betriebssicherheit oberste Priorität. Es gilt, das Risiko von Stromausfällen zum Beispiel durch umstürzende Bäume zu vermeiden. Beim Trassenmanagement kontrollieren Netzbetreiber die Stromleitungstrassen regelmäßig und pflegen den Bewuchs. Maste und Leiterseile müssen zugänglich bleiben, damit Wartungsarbeiten ohne weiteren Aufwand oder sonstige Trassenpflege durchgeführt werden können.

Reptilien und Trockenrasen: Licht und Wärme liebende Arten auf der Stromtrasse

Der neue Hinweis zum ökologischen Trassenmanagement zeigt erstmals auf, wie Betriebssicherheit und Naturschutz Hand in Hand gehen können. Empfohlen werden Maßnahmen für bestehende Trassen sowie Neu- und Ersatzneubauten. Außerdem wird der Begriff „ökologisches Trassenmanagement“ definiert und vom „konventionellen Trassenmanagement“ abgegrenzt.

Fallbeispiele, die bereits bei einigen Netzbetreibern umgesetzt sind, werden aufgelistet und als Übersicht zur Verfügung gestellt. Der Beispielkatalog zeigt, wo artenreiche Trassenbiotope geschaffen werden konnten. Durch gezielte, schonende Gehölzentfernung können Trassen bewusst so gestaltet werden, dass Lebensräume für Licht und Wärme liebende Arten entstehen. Eine weitere Möglichkeit ist, niedrige Sträucher und Bäume so weit wie möglich stehen zu lassen. In einem Beispiel hat auf einer Strecke von rund zwei Kilometern eine Ziegenherde erfolgreich die jährliche Pflege übernommen.

Naturschutzmaßnahmen dürfen künftigen Netzbetrieb nicht erschweren

VDE FNN Geschäftsführerin Heike Kerber erklärte dazu: „Stromtrassen bedeuten immer auch Einschnitte in die Umwelt. Gleichzeitig bieten Trassen Chancen für die Artenvielfalt. Ökologisches Trassenmanagement fördert die Ansiedlung vielfältiger Arten, schützt Boden und Nützlinge und stellt die Betriebssicherheit der Leitungen sicher. Für die breite Akzeptanz und Anwendung des ökologischen Trassenmanagements bei Netzbetreibern kommt es darauf an, dass erfolgreiche Maßnahmen, wie die Ansiedlung seltener Arten, nicht den künftigen Netzbetrieb behindern.“ (sg)

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