2021 gab es erstmals seit vielen Jahren keine neuen Windenergieanlagen auf See. (Symbolbild)

2021 gab es erstmals seit vielen Jahren keine neuen Windenergieanlagen auf See. (Symbolbild)

Bild: © halberg/AdobeStock

Von Julian Korb

Die Stromerzeugung auf See (Offshore) ist schon lange kein Geschäft mehr für kleine Energieversorger. Allein der Trianel-Windpark Borkum hält seit zehn Jahren munter die Stellung für die Kommunalwirtschaft. In den jüngsten Ausschreibungen für neue Offshore-Windflächen hat sich ein Trend eingeschlichen, der Stadtwerke ausschließt.

Weil sich mehr Unternehmen bewerben, als es Flächen gibt, ist die Bundesnetzagentur dazu übergegangen, diese zu versteigern. Die Sieger dieser Ausschreibungen bislang: große, international tätige Ölkonzerne. Doch daran könnte sich etwas ändern, denn die Gebote sinken.

90 Prozent niedrigere Gebote

Mit der jüngsten Auktion für die 146 Quadratkilometer große Fläche mit dem Namen "N-9.4" hat sich die Entwicklung noch weiter verstärkt. Ausschlaggebend war allein die höchste Geldzahlung. Am Ende setzte sich der französische Ölmulti Total Energies mit 180 Millionen Euro durch. Das sind 180.000 Euro pro Megawatt.

Allerdings sind das signifikant weniger als im Vorjahr, sagt Stefan Timm, Geschäftsführer des Bundesverbands der Windparkbetreiber Offshore (BWO). "Wir haben in diesem Jahr um 90 Prozent niedrigere Gebote." Aus Sicht des Branchenvertreters liegt das vor allem an gestiegenen Kosten und strengen Vorgaben wie dem sogenannten Overplanting.

Dabei müssen mehr Windanlangen, als eigentlich ans anliegende Stromnetz angeschlossen werden können, geplant werden. Im konkreten Fall wird Total Energies die Fläche mit 10 bis 20 Prozent mehr installierter Leistung ausstatten müssen als über die 1 GW große Netzanbindung eingespeist werden kann. Das steigert zwar die Effizienz der Netzanbindung, erhöht aber die Investitionen auf Windparkseite deutlich, so Thimm.

Niedrigere Strompreise durch CfDs

"Diese Risiken haben zu geringeren Auktionserlösen geführt", so der Verbandschef weiter. Langfristig brauche es zweiseitige Contracts for Difference (CfD), um die Attraktivität des deutschen Marktes zu sichern. Also eine Förderung, die Mindesteinnahmen absichert und Gewinne nach oben hin begrenzt.

Langfristige Strompreisprognosen sind laut dem Verband kaum verlässlich zu machen. "CfDs könnten die Stromgestehungskosten um bis zu 30 Prozent senken", meint Thimm. Das könnte auch zu insgesamt niedrigeren Strompreisen führen.

Qualitative Kriterien spielten hingegen auch bei der neuerlichen Ausschreibung keine Rolle. Dies führt faktisch dazu, dass nur große Konzerne mit enormer Finanzkraft eine Chance haben, sich bei neuen Projekten durchzusetzen. "Ja, wir haben ein Klumpenrisiko", sagte Thimm.

Netzausbau bleibt Ärgernis

Ein Ärgernis in der Branche sind weiterhin die Risiken für einen verzögerten Netzausbau. "Wenn der Netzausbau nicht schnell genug erfolgt, erhalten Windparkbetreiber keine ausreichende Entschädigung", bemängelt BWO-Geschäftsführer Thimm. "Das macht den Standort zunehmend unattraktiver."

Die Bundesnetzagentur wird ab nächsten Herbst eine Fläche mit zwei Gigawatt ausschreiben. Auktionsgewinner Total Energies ist mit einem Entwicklungsportfolio von 7,5 Gigawatt der größte Entwickler von Offshore-Windparks in Deutschland.

Total hatte bereits zuvor Auktionen gewonnen, dabei teilweise aber Milliardenbeträge gezahlt. Das Unternehmen hat sich bislang nicht geäußert, ob diese vergleichsweise teuren Projekte nun überhaupt umgesetzt werden.
 

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