Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer (links) zu Besuch in Berlin bei dem deutschen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Das Bild stammt von April 2022. Damals floss noch jeden Monat mehr Strom von Deutschland in die Alpenrepublik als umgekehrt.

Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer (links) zu Besuch in Berlin bei dem deutschen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Das Bild stammt von April 2022. Damals floss noch jeden Monat mehr Strom von Deutschland in die Alpenrepublik als umgekehrt.

Bild: © Dragan Tatic/Bundeskanzleramt Österreich

Da mochte es in der Vergangenheit noch so rütteln und wackeln auf dem deutschen Strommarkt. Eines schien sicher: Am Ende des Monats floss mehr Strom ins südöstliche Nachbarland Österreich als andersherum. Das hat sich geändert.

Wie frische Zahlen der Fraunhofer-Plattform Energy-Charts zeigen, exportierte Österreich an drei der vergangenen vier Monate mehr Strom nach Deutschland als andersherum. Demnach wurden im August netto 0,3 TWh an die Bundesrepublik geliefert. Bereits im Mai (0,1 TWh) und Juni (0,2 TWh) war das Saldo aus österreichischer Sicht positiv. Nur im Juli exportierte Deutschland insgesamt mehr Strom in die Alpenrepublik  – nämlich 0,3 TWh.

Österreich: Im Winter mehr Stromimporte aus Deutschland

Zuvor war das österreichische Saldo laut Energy-Charts zumindest seit 2015 durchgehend negativ gewesen. Frühere Daten sind auf der Plattform nicht erfasst. Im Januar 2016 importierte Österreich sogar 4,4 TWh Strom aus Deutschland. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 16 TWh gewesen.

Generell nehmen im Winter die österreichischen Importe aus Deutschland stark zu, während sie in den Sommermonaten abklingen, auch weil die Differenz zwischen Netzlast und Stromerzeugung sinkt. Die Alpenrepublik produziert ihren Strom vor allem aus Wasserkraft. Im vergangenen Jahr steuerten Lauf- und Speicherwasserkraftwerke mehr als die Hälfte zum österreichischen Stromerzeugungsmix bei.

Große süddeutsche Kernkraftwerke abgeschaltet

Immerhin noch 20 Prozent wurden aus Erdgas gewonnen. Die Windkraft trug 14 Prozent bei und die Biomasse fünf Prozent. Die Solarenergie spielte mit einem Anteil von zwei Prozent nur eine Nebenrolle.

Die deutschen Stromexporte nach Österreich nahmen bereits in den vergangenen Jahren ab. Mitte April ging dann mit Isar 2 das letzte große Kernkraftwerk Bayerns mit einer Nettoleistung von 2,1 Gigawatt vom Netz. Noch im vergangenen Jahr hatte der Block 11,5 TWh Strom produziert. Im Vorjahr war bereits der letzte Atommeiler im bayerisch-schwäbischen Gundremmingen abgeschaltet worden. Er hatte 2021 insgesamt 10,7 TWh Strom erzeugt.

Deutscher Strommix zu 61 Prozent erneuerbar

Insgesamt importierte Deutschland im August von fast allen Ländern netto Strom. Die meisten Mengen kamen aus Dänemark (1,4 TWh), gefolgt von der Schweiz (1,0 TWh) und den Niederlanden (0,9 TWh). Von der Atommacht Frankreich wurden 0,6 TWh Strom netto eingeführt.

Der deutsche Stromerzeugungsmix war im August laut Energy-Charts zu 61 Prozent erneuerbar. Der Windanteil betrug 22, der Solaranteil 21 Prozent. Braunkohlekraftwerke erreichten für den Monat August einen Tiefstwert, während Gaskraftwerke vergleichsweise viel Strom produzierten.

Deutsche Stromerzeugung bricht ein

Insgesamt brach die deutsche Stromerzeugung im August regelrecht ein. Lediglich 32 TWh wurden hierzulande produziert. Das ist der mit Abstand niedrigste Wert seit 2015. Frühere Daten sind auf der Fraunhofer-Plattform nicht erfasst.

Einer der Hintergründe des Abwärtstrends dürften hohe CO2-, Kohle- und Gaspreise sein, die die Stromproduktion in deutschen fossilen Kraftwerken gegenüber der erneuerbaren Konkurrenz zunehmend unwirtschaftlich macht. Zudem schwächelt die Konjunktur in Deutschland. Nach Daten des Statistischen Bundesamts ist die Wirtschaft hierzulande seit drei Quartalen nicht mehr gewachsen. Als einer der Hauptgründe hat die Industrie auch hohe Strompreise ausgemacht.

Day-Ahead-Preis bei 94 Euro pro MWh

Der durchschnittliche Day-Ahead-Preis lag laut Energy-Charts im August bei 94 Euro pro MWh. Das ist der historisch zweithöchste Wert für diesen Monat. Nur im August 2022 mussten Stromhändler für das gleiche Produkt noch mehr bezahlen. Damals waren es durchschnittlich 465 Euro pro MWh. (aba)

Hinweis: Die genannten Zahlen wurden der Plattform Energy-Charts, einem Angebot des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme, entnommen. Die Zahlen fußen auf Werten von Entso-E und EEX. Die Daten sind vorläufig. Sie können sich nach Zugang weiterer Datenquellen leicht ändern.

Mehr zum Thema aus dem ZfK-Archiv:

Nach AKW-Aus: Stromimporte im Mai auf ungewöhnlich hohem Niveau

Fernwärmepreise: Habeck-Ministerium liefert Prognosen bis 2035

Strompreise: Habeck-Ministerium legt Prognose bis 2042 vor

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper