Um auch in der Zukunft Durchblick zu haben, setzt das Haus von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bei Strom-, Erdgas- und Fernwärmepreisen auf Langfristszenarien.

Um auch in der Zukunft Durchblick zu haben, setzt das Haus von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bei Strom-, Erdgas- und Fernwärmepreisen auf Langfristszenarien.

Bild: © Henning Kaiser/dpa

Durchschnittliche Fernwärmepreise in Deutschland zu berechnen, ist keine leichte Übung. Immerhin können sich die Kosten je nach Energieträger, Netz und Standort stark unterscheiden.

Wer beispielsweise Fernwärmenetze in Ballungsgebieten mit vielen Kunden betreibt, kann in der Regel günstigere Preise anbieten als Versorger im ländlichen Raum.

Langfristszenarien für neue Gesetze

Dass Fernwärmepreisprognosen mit großer Unsicherheit behaftet sind, weiß auch das Bundeswirtschaftsministerium. Um dennoch nicht im Dunkeln zu tappen, wenn es um die Energiewelt der Zukunft geht, arbeitet das von Grünen-Politiker Robert Habeck geführte Haus mit Annahmen aus sogenannten Langfristszenarien. Diese nutzt es für Wirtschaftlichkeitsberechnungen und für die Darstellung des Erfüllungsaufwands von neuen Gesetzen.

Die Langfristszenarien beruhen auf umfangreichen Modellierungen des Energiesystems und beziehen mögliche Entwicklungen bei CO2-Preisen, Netzentgelten sowie sonstigen Abgaben und Umlagen ein, erläutert das Ministerium auf Anfrage der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. (Mehr dazu weiter unten.) Und mit welchen Fernwärmepreisprognosen rechnet das Ministerium genau? Auch darauf hat das Habeck-Haus geantwortet.

Fernwärmepreis-Prognose für 2035: 15,46 Cent pro kWh

Laut Projektion sinkt der Preis im kommenden Jahr spürbar auf glatt 15 Cent pro kWh. Im Jahr darauf geht es um einen weiteren Cent nach unten. Doch dann steigt der Preis wieder schrittweise – bis 2035 auf 15,46 Cent pro kWh.

Wichtig zur Einordnung: In den Preisen ist zusätzlich zum Arbeitspreis der Grundpreis, ein jährlicher Fixpreis, anteilig enthalten. Nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW lag ein durchschnittlicher Fernwärmepreis im Juni bei etwa 16 Cent pro kWh.

Auch Strom- und Gaspreisprognose

In einer früheren Antwort auf eine Anfrage des CSU-Abgeordneten Stefan Müller hatte das Bundeswirtschaftsministerium bereits eine Tabelle mit Langfristprognosen für Strom- und Gaspreise integriert. Genauso wie die Fernwärmepreisprognosen sind sie einer vom Ministerium beauftragten Analyse entnommen.

Diese wurde im Zeitraum Februar 2022 bis März 2023 erstellt und ist hier einsehbar. Die Projektleitung hatte das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg inne.

Prognose: Gaspreise steigen bereits 2025 wieder

Der Strompreis für Normaltarifkunden sinkt demnach im kommenden Jahr auf glatt 37 Cent pro kWh und verharrt auch 2025 auf diesem Niveau. Danach geht es Schritt für Schritt nach oben – bis 2035 auf 38,89 Cent pro kWh.

Ein ähnliches Bild bei Gas. Hier geht das Bundeswirtschaftsministerium für 2024 von einem durchschnittlichen Preis von 12,07 Cent pro kWh aus. Im Folgejahr steigt der Preis schon wieder leicht – um 0,04 Cent pro kWh. Bis zum Jahr 2025 geht es bis zu 14,40 Cent pro kWh nach oben.

Vergleich mit Ist-Preisen in diesem Jahr

Auch hier wichtig zur Einordnung: Sowohl bei Gas als auch bei Strom wurden Mischpreise aus Arbeits- und Grundpreis berechnet. Laut Energiebranchenverband BDEW betrug der durchschnittliche Strompreis für Haushalte im bisherigen Mittel dieses Jahres 46,27 Cent pro kWh.

Bei Gas waren es demnach 14,81 Cent pro kWh. Beide Werte spiegeln den Stand Ende Juli wieder. Insgesamt handelt es sich dabei um historisch hohe Werte.

Heizsysteme in Deutschland

Während jeder deutsche Haushalt Strom verbrauchen dürfte, gibt es beim Heizen verschiedene Möglichkeiten. Nach BDEW-Angaben wurde im vergangenen Jahr knapp die Hälfte der Wohnungen in Deutschland mit Gas beheizt. Fast ein Viertel hielt seine Wohnungen mit Ölheizungen warm. Der Fernwärmeanteil betrug 14 Prozent.

Ganz anders sieht es bei den Neubauten aus. Hier dominieren von Januar bis Juni 2023 elektrische Wärmepumpen mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent. Mehr als ein Viertel der Neuanschlüsse war auf Fernwärme zurückzuführen. Erdgas machte etwas mehr als zehn Prozent aus. (aba)

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