Von Daniel Zugehör
Batteriespeicher gelten als unverzichtbarer Baustein zum Gelingen der Energiewende. Allerdings bereiten sogenannte Phantomprojekte den Netzbetreibern zunehmend Kopfzerbrechen. Denn trotz vieler Anfragen für Netzanschlüsse werden die meisten Batteriespeicher gar nicht gebaut.
Große Batterien sollen die wachsenden Schwankungen im Stromnetz durch Windkraft und Photovoltaik ausgleichen. Zwar wurden, laut Bundesnetzagentur, allein im abgelaufenen Jahr fast 10.000 Anschlussfragen gestellt. Eine Zusage erhielten jedoch weniger als 4000 – wobei unklar ist, wie viele davon jemals ans Netz gehen.
Da die Anschlusszusagen nur den Netzbetreiber verpflichten, folge daraus nicht zwingend, dass sämtliche Projekte tatsächlich umgesetzt würden, räumte die Behörde mit Präsident Klaus Müller kürzlich ein. Ein offenbar veritables Problem, wie auch Amprion-CEO Christoph Müller erst vor kurzem betonte.
Zwei Drittel versanden
"Rund 65 Prozent der an uns herangetragenen Projekte werden nicht weiterverfolgt!", schrieb der Chef einer der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber am 19. November bei "LinkedIn". Hochgerechnet auf ganz Deutschland "waren Ende 2024 'nur' belastbare 140 Gigawatt Batterieprojekte unterwegs", so Müller.
Wesentlich mehr als die von der obersten Netzagentur "etwa 25 Gigawatt", die im vergangenen Jahr eine Zusage erhielten. Demnach wurden insgesamt 9710 Anfragen mit rund 400 Gigawatt Leistung ab der Mittelspannungsebene gestellt. Circa 3800 erteilten die Netzbetreiber 2024 grünes Licht, teils aus den Vorjahren.
Zum ersten Mal überhaupt veröffentlichte die Bonner Behörde am 12. November konkrete Zahlen zu Anschlussanfragen und -zusagen für Batteriespeicher. "Der Markt für Batteriespeicher befindet sich derzeit in einer dynamischen Entwicklungsphase – zahlreiche Projekte werden geplant, gebaut oder erweitert", heißt es zur Begründung.
Verdopplung 2025 möglich
Und es könnten dem Amprion-CEO zufolge noch deutlich mehr werden. "Aus meinen Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen in der Branche nehme ich zwei Eindrücke mit: Erstens, dass die Zahl für 2025 gut doppelt so hoch liegen könnte. Zweitens, dass wir alle von vielen 'Phantomprojekten' ausgehen."
Solche Phantome entstünden zum Beispiel, wenn ein Projektierer zwar lediglich einen Batteriespeicher plant, diesen jedoch für mehrere mögliche Errichtungsorte anmeldet. Oder "im grellen Licht der Realität" die finanziellen oder technischen Möglichkeiten für das Projekt fehlen, dieses beim Netzbetreiber aber noch nicht abgemeldet hat.
Das dürfte bei Amprion in Zukunft teuer werden: Der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) erhebt seit "ein paar Monaten" eine Gebühr von 50.000 Euro pro Netzanschlussantrag – und ist damit nicht allein. Die Prüfpauschale sei in der Höhe abgestimmt, erklärte eine 50-Hertz-Sprecherin auf Nachfrage. "Sie wird von allen ÜNB erhoben."
"Seriöse und unseriöse" Anfragen
Neben Amprion und 50 Hertz sind das Tennet Deutschland und Transnet BW. Letzterer erhebe "seit jeher" eine Bearbeitungsgebühr von 50.000 Euro. Diese diene dazu, "seriöse von unseriösen Anfragen" zu unterscheiden, betonte eine Unternehmenssprecherin. Neben Batteriespeichern und Kraftwerken betreffe das alle Lastkunden.
Doch der Schritt von Amprion und die neue Statistik der Bundesnetzagentur belegen: Die aktuelle Entwicklung erzeugt Druck. "Wir sehen eine riesige Welle an Speicheranfragen", bestätigte jüngst Peter Wolffram, Technischer Geschäftsführer der Hamburger Energienetze. Viele davon würden jedoch nicht realisiert werden.
Was also tun? "Der fehlende Realitätscheck für das einzelne Batterieprojekt ist für uns als Netzbetreiber ein schwieriges Feld", gibt Amprion-Chef Müller zu. "Wie unterscheide ich ambitionierte und insofern ernsthafte Start-ups von Glücksrittern?" Die – tatsächliche – "Batterie-Welle" sei zwar kleiner, "aber immer noch unglaublich groß".
Neues Konzept soll her
Die ÜNB haben angekündigt, gemeinsam mit der obersten Netzagentur und dem Bundeswirtschaftsministerium bis Jahresende ein neues Konzept zu entwickeln. Künftig sollen Projektreife, Netzdienlichkeit und Systemsicherheitsaspekte über die Reihenfolge der Anschlüsse entscheiden.
Die Bonner Behörde signalisierte allerdings bereits Abwehr: "Wenn wir die Projektreife entscheiden, müssen wir sehr in die Tiefe einsteigen", sagte Barbie Haller, Vizepräsidentin der Behörde. "Das machen die Betreiber, nicht wir in Bonn. Das halte ich rechtlich für ganz schwierig", so Haller.
Stand heute sind laut Bundesnetzagentur 921 Batteriespeicher mit einem Anschluss ab der Mittelspannungsebene in Betrieb. Zusammengenommen verfügen diese Anlagen über eine Leistung von rund 2,3 Gigawatt. Die Bundesnetzagentur kündigte an, die Zahlen zu Anschlussanfragen und -zusagen für Batteriespeicher für das Jahr 2025 "zu gegebener Zeit" zu veröffentlichen.



