Unter Blindleistung versteht man die zusätzlich zur Wirkleistung, also dem tatsächlichen Verbrauch, bestehende Netzleistung.

Unter Blindleistung versteht man die zusätzlich zur Wirkleistung, also dem tatsächlichen Verbrauch, bestehende Netzleistung.

Bild: © Maciej Bledowski/AdobeStock

Herr Egger, es sind nur noch weniger als acht Monate, dann geht es los mit dem Redispatch 2.0. Wo sehen Sie hier die größten Herausforderungen für Netzbetreiber?
Es werden völlig neue Prozesse von den Verteilnetzbetreibern gefordert. Das hat große Rückwirkungen auf die Systemlandschaft und Organisation des jeweiligen Verteilnetzbetreibers, betroffen sind große Teile des Unternehmens wie beispielsweise Netzführung, Netzwirtschaft, Erzeugung und IT.

Redispatch 2.0 hat auch Auswirkungen auf das organisatorische Umfeld des Verteilnetzbetreibers, wie Fremdeigentümer von Erzeugungsanlagen, Bilanzkreisverantwortliche und Übertragungsnetzbetreiber. Auch hier müssen Prozesse und Schnittstellen vorhanden sein. Auch die Einbindung von externen Akteuren wie Hersteller von energietechnischen IT-Komponenten muss koordiniert werden.

Vor diesem Hintergrund müssen geeignete Systeme und Schnittstellen nachgerüstet, weiterentwickelt oder gegebenenfalls neu beschafft werden. Das Know-how für die geänderten Prozesse muss vorhanden sein und somit auch die geeigneten Ressourcen und Qualifikationen.
 

Hermann Egger, Leiter Digital Grids und Project Manager bei Fichtner GmbH & Co. KG

Fichtner GmbH & Co. KG

Das Ingenieurbüro Fichtner weist darauf hin, dass ein großer Teil des Unternehmens in die Umsetzung von Redispatch 2.0 eingebunden sind. Das klingt so, als wäre da nicht mehr viel Raum für zusätzliche Aufgaben?
Wie unsere praktische Erfahrungen in Redispatch-2.0 Projekten zeigen, kommt es in Abhängigkeit von der jeweiligen Organisation und Größe des Verteilnetzbetreibers tatsächlich zu starken Ressourcenbindungen, in vielen Fällen ist dies aber die Spitze des Eisberges. Oftmals haben wir in unseren zahlreichen Gesprächen festgestellt, dass die zur Schaffung und Betrieb von derart komplexen Prozessen, Systeme und Schnittstellen notwendigen Mitarbeiter nicht verfügbar sind.
 

Für Verteilnetzbetreiber bedeutet dies, dass eine hohe Konzentration auf Redispatch 2.0 notwendig ist, um die Aufgabe zu bewältigen. Dabei müssen sie bei der Einführung gegebenenfalls auf externe Unterstützung zurückgreifen, gleichzeitig aber auch bereits an einer geeigneten Organisation für den späteren Betrieb arbeiten.
 

Welche Chancen bringt Redispatch 2.0 neben den Herausforderungen mit sich?
Die weitere Optimierung des Einsatzes von Erzeugungsanlagen auf der Verteilnetzebene bewirkt einen positiven Effekt auf den notwendigen Netzausbau bei weiter fortschreitender Integration von erneuerbaren Energien. Weiterhin zeigt sich bei der verbesserten Bewirtschaftung von Erzeugungsanlagen am Markt Potenzial. Diese Potentiale werden unter anderem dem verstärkten Einsatz von Einspeiseprognosen bewirkt.

Das Ingenieurbüro Fichtner hat mit der Fichtner IT Consulting ein stufenweises Lösungsmodell entwickelt, das Netzbetreiber unterstützen soll. Was bieten Sie hier an und wie können Sie den Versorgern konkret helfen?
Grundsätzlich steht bei uns die gesamtheitliche Betrachtung von Redispatch 2.0 über alle betroffenen Systeme und Prozesse im jeweiligen Unternehmen im Fokus. Ein stufenweises und individuell einsetzbares Lösungsmodell zur Umsetzung deckt alle Anforderungen von Redispatch 2.0 ab. In einzelnen Workshops im Rahmen einer Grob- und Feinplanung werden die Systeme betrachtet und Vorschläge für die Ertüchtigung der vorhandenen Systeme erarbeitet. Hierzu wird auf ein individuell an die jeweiligen Anforderungen anpassbares Lösungsportfolio zurückgegriffen und gegebenenfalls auch bei der Ausschreibung und Leitung der Projektumsetzung unterstützt. Parallel hierzu erfolgt die Prozesskoordination bei beauftragenden Energieversorgungsunternehmen mit Schulung der Mitarbeiter.
 

Die Fragen stellte Stephanie Gust

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