Solarwatt will künftig stärker auf den Direktvertrieb von PV-Anlagen und Wärmepumpen setzen.

Solarwatt will künftig stärker auf den Direktvertrieb von PV-Anlagen und Wärmepumpen setzen.

Bild: © Solarwatt

Bereits im Februar hatte Detlef Neuhaus, CEO des Dresdner Energiedienstleisters Solarwatt, im ZfK-Interview einen möglichen Ausstieg aus der Solarpduktion angekündigt. Nun lässt das Unternehmen Taten folgen. Ab Ende August setzt Solarwatt die Fertigung in Dresden mit einer Kapazität von 300 Megawatt (MW) vorerst aus.

Damit reagiert das Unternehmen auf weltweite Überkapazitäten in der Solarindustrie, stark fallende Modulpreise und den verschärften Wettbewerb mit der hochsubventionierten chinesischen Konkurrenz. "Der aggressive Verdrängungswettbewerb in der Solarbranche lässt uns keine andere Wahl", sagt Neuhaus und behält sich vor, die deutsche Produktion rasch wieder hochzufahren, sollten "sich die Marktbedingungen bessern".

80 Prozent der Module

Nach dem schweizerischen Unternehmen Meyer Burger gibt damit ein weiterer großer Solarproduzent in Deutschland auf. Bis zuletzt war die Hoffnung in der Branche groß, die Politik würde mit Subventionen eingreifen. Das nun verabschiedete Solarpaket I enthält jedoch entgegen der Forderungen der Solarwirtschaft keine Resilienzmaßnahmen. Vor allem die FDP, aber auch Teile der SPD, hatten sich zuvor bereits gegen Boni zur Unterstützung der Solarwirtschaft ausgesprochen.

Künftig lässt Solarwatt seine Module nun von Auftragsfertigern in Asien herstellen. Bereits seit 2017 bezieht das Unternehmen seine Glas-Folie-Module von Fremdfirmen. Insgesamt 80 Prozent der von Solarwatt verkauften Module stammen von dort. Nun soll jedoch auch die Produktion der hochwertigeren Glas-Glas-Module in Fernost stattfinden. Die Module sollen allerdings dabei von einem Forschungs- und Entwicklungsteam in Dresden konzipiert und dann anschließend nach festen Vorgaben gefertigt werden.

Nutzung smarter Tarife

Um den Wegfall der Produktion zu kompensieren, will Solarwatt zudem die Entwicklung zum Lösungsanbieter für Strom, Wärme und Mobilität beschleunigen. Im Mittelpunkt soll dabei die intelligente Vernetzung sowie die Planung und Installation von ganzheitlichen PV-Systemen mit Modulen, Speichern und Energiemanagement stehen. Hinzu kommen auch Lösungen für Elektromobilität sowie Wärmepumpen.

"Unser Energiemanager ermöglicht zehntausenden Nutzern nicht nur die effiziente Nutzung des selbst erzeugten Solarstroms in Kombination mit einer Wärmepumpe und einem Elektroauto. Die intelligente Steuerungseinheit ist die Basis für innovative Anwendungen wie beispielsweise für bidirektionales Laden oder die Nutzung smarter Tarife", betont Neuhaus, der Solarwatt als Vorreiter im Markt sieht.

Verstärkter Direktvertrieb

Neben der Fokussierung auf die intelligente Vernetzung verstärkt Solarwatt auch auch die Aktivitäten im Direktvertrieb. Dafür will das Unternehmen in den kommenden Jahren mehrere neue Standorte eröffnen. Im Februar hat Solarwatt bereits einen großen Solar- und Dachdeckerbetrieb in Niedersachsen übernommen, im März ist der Energiedienstleister mit einer eigenen Niederlassung im Raum Frankfurt am Main gestartet.

"Hausbesitzer und Gewerbetreibende wollen einen regionalen Partner, der ihnen ein effizientes Energiesystem anbietet, mit dem auch die Vorteile des kommenden dynamischen Energiemarkts optimal ausgenutzt werden", betont Neuhaus. "Dies bieten wir unseren Kunden mit unserem flächendeckenden Vertriebsnetzwerk." Neben den eigenen Niederlassungen arbeiten die Dresdener dazu mit über 8500 Handwerkern zusammen und unterstützen diese bei der Kombination von Strom und Wärme.

Mögliche Umschulungen

Solarwatt beschäftigt europaweit 750 Mitarbeiter, davon 650 in Deutschland. Von der Aussetzung der deutschen Produktion sind rund 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Möglichst viele von ihnen sollen nach Mitteilung des Unternehmens umgeschult werden.

Unternehmen in Deutschland klagen schon länger über die Konkurrenz durch billige Module aus China. So hatte etwa Meyer Burger Ende März das endgültige Aus für seinen Standort im sächsischen Freiberg besiegelt. Die rund 500 Mitarbeiter erhielten ihre Kündigung. Anders als Solarwatt hat Meyer Burger neben der Produktion und dem Vertrieb von Solarmodulen jedoch keine weiteren Geschäftssparten. (jk mit dpa)

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