Immer mehr Energieversorger verbinden Solaranlagen mit Speichern, wie hier die EnBW. In den neuesten Szenarien der Bundesnetzagentur spielt die Technologie dennoch kaum eine Rolle. (Symbolbild)

Immer mehr Energieversorger verbinden Solaranlagen mit Speichern, wie hier die EnBW. In den neuesten Szenarien der Bundesnetzagentur spielt die Technologie dennoch kaum eine Rolle. (Symbolbild)

Bild: © Uli Deck/dpa

Von Julian Korb

Kaum eine Frage wurde in den vergangenen Monaten so hitzig diskutiert: Entlasten große Batteriespeicher das Stromnetz oder belasten sie es sogar zusätzlich? Durch Anschlussbegehren im dreistelligen Gigawatt-Bereich hatte die Debatte zuletzt an Schärfe gewonnen. Nun will eine neue Studie des Beratungshauses Neon, im Auftrag des Speicherunternehmens Eco Stor, die Antwort gefunden haben.

Speicher entlasten bereits das Stromnetz, schreibt Studienautor und Hochschulprofessor Lion Hirth darin, allerdings eher als Nebenprodukt. Grund sind Einsparungen beim sogenannten Redispatch. Also bei Kosten, die dadurch entstehen, dass die Übertragungsnetzbetreiber Kraftwerke an- und ausschalten, um die Stabilität der Stromversorgung zu gewährleisten.

Mehr dazu auch auf unserer Grafik-Seite: Wie Speicher das Stromnetz entlasten und wieso der Standort entscheidet

Einsparungen regional unterschiedlich

Nach den Berechnungen von Neon sparen sich die Netzbetreiber Redispatch-Kosten in Höhe von drei bis sechs Euro im Jahr für jedes Kilowatt (kW) an Batterieleistung. "Großbatterien sind also in diesem Sinne keinesfalls grundsätzlich als belastend für das Netz einzustufen, auch wenn dies in der energiepolitischen Debatte manchmal suggeriert wird", sagt Studienleiter Hirth.

Die Einsparungen fallen jedoch eher gering aus und sind bislang Zufall, weil es im deutschen Energiesystem bislang keine regionalen Preissignale gibt. Den 3 bis 6 Euro Einsparungen beim Redispatch steht zudem ein Markt-Mehrwert des Betreibers von knapp 200 Euro pro kW jährlich gegenüber.

Zudem gibt es regionale Unterschiede. Während Großbatteriespeicher im Übertragungsnetz im Nordwesten entlastend wirken, steigen die Redispatch-Kosten durch sie im Süden leicht. Auf Ebene des Verteilnetzes ist die Tendenz genau andersherum. Speicher führen im Süden zu deutlich geringeren Redispatch-Kosten, erhöhen diese aber im Nordwesten.

Speicher könnten Stromnetz noch stärker entlasten

Laut den Studienautoren könnten Speicher das Energiesystem aber deutlich stärker entlasten, ohne dass die Speicherbetreiber übermäßige Einnahmen zu verlieren. Dafür wurden drei Ansätze untersucht: ein statisches Netzentgelt, eine dynamische Leitplanke und ein Redispatch-Preissignal. Aus Sicht der Autoren eignet sich das Redispatch-Preissginal, das für jede Viertelstunde die Netzsituation widerspiegelt, dabei am besten.

Das Instrument schaffe den größten Mehrwert fürs Netz, während es gleichzeitig zu den geringsten Einbußen für den Speicherbetreiber führe. Die Redispatch-Kosten könnten so jährlich um rund 50 Euro pro installiertes kW sinken.

Als Definition für den umstrittenen Begriff "Netzdienlichkeit" schlagen die Studienautoren auch deshalb folgende vor: "Ein Netznutzer ist netzdienlich, wenn er die Netzkosten reduziert." Diese sei nicht nur auf Speicher, sondern auch auf Erzeuger und Verbraucher anwendbar. Die Speicherbranche fordert seit langem eine rechtsgültige Definition des Begriffs. Im bisherigen Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums zur Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) fehlt eine solche Definition allerdings bislang.

Bericht sieht kaum Rolle für Großspeicher

Für Verwunderung sorgte deshalb am Donnerstag auch, dass im Versorgungssicherheitsbericht Strom 2025 der Bundesnetzagentur die Rolle der Großbatteriespeicher gering ausfällt. Zum einen rechnete die Behörde mit einer installierten Leistung von 1,6 Gigawatt (GW), obwohl derzeit bereits knapp 2,2 GW an Großbatteriespeichern in Deutschland installiert sind.

Zudem geht die Behörde offenbar davon aus, dass die installierte Leistung bei den Großbatterien in den kommenden Jahren und über 2030 hinaus konstant bleibt – oder sogar zurückgeht. Dem Bericht ist zu entnehmen, dass die Bonner Behörde im Zielszenario für das Jahr 2035 mit einer Großspeicher-Leistung von nur 0,8 GW rechnet. Und das, obwohl bereits deutlich mehr Projekte konkret geplant sind.

Aus der Erneuerbaren-Branche folgte prompt Kritik. "Während Netzbetreiber bereits heute Zusagen, für viele Gigawatt an Speicherkapazitäten erteilt haben und bundesweit Anschlussanfragen in dreistelliger Gigawatt-Höhe vorliegen, bleibt der Bericht bei den Zahlen von gestern stehen und geht sogar realitätsfern von einem Rückbau stationärer Batteriespeicher aus", sagt etwa Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar). Ein Versorgungssicherheitsbericht, der die Großspeicher systematisch unterschlage, liefere kein tragfähiges Fundament für politische Entscheidungen über Kraftwerkszubau oder Kapazitätsmärkte.

Carsten Pfeiffer, Cheflobbyist des Erneuerbaren-Verbandes BNE wurde auf LinkedIn noch deutlicher. "Der Versorgungssicherheitsbericht der Bundesnetzagentur lässt mich fassungslos zurück." Die Bundesnetzagentur habe darauf verzichtet, Batteriegroßspeicher zu modellieren. "Was ist aber ein Versorgungssicherheitsbericht wert, der ohne die großen Batteriespeicher auskommt?" Allein der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz habe bereits 12 GW an Speicheranschlüssen zugesagt.

Im Bericht heißt es zu Großbatteriespeichern: "Es zeigt sich, dass der Anfangsbestand an Batterieleistung, der in die Modellierung eingegangen ist, bei der kostenoptimalen Betrachtung nicht benötigt wird und auf 0,8 GW absinkt." Grund sei der "deutliche Leistungszuwachs" bei den "Nachfrageflexibilitäten" und bidirektionalem Laden, sodass keine zusätzlichen stationären Batteriespeichersysteme benötigt würden.

Mittlerweile hat sich auch die Bundesnetzagentur zu Wort gemeldet. Mehr dazu lesen Sie hier: Kaum große Speicher nötig: Bundesnetzagentur erklärt ihre Berechnungen

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper