Schlechte Nachrichten für Stromverbraucher: Die durchschnittlichen Übertragungsnetzentgelte steigen auf hohem Niveau wohl weiter. Das gaben die vier Übertragungsnetzbetreiber Tennet, Amprion, 50Hertz und Transnet BW am Dienstag bekannt.
Demnach soll das durchschnittliche Netzentgelt der Höchst- und Umspannungsebene 6,65 Cent pro Kilowattstunde (kWh) betragen. Dies entspricht einem Plus von gut drei Prozent gegenüber diesem Jahr.
Wegfall von milliardenschwerem Zuschuss
Zu Jahresbeginn waren die durchschnittlichen Übertragungsnetzentgelte sprunghaft auf 6,43 Cent pro kWh gestiegen, nachdem der Bund aufgrund von Budgetzwängen einen Zuschuss in Höhe von 5,5 Milliarden Euro fallen gelassen hatte.
Bei den Werten für 2025 handelt es sich um vorläufige Zahlen. Die endgültigen Netzentgelte werden bis zum Jahresende veröffentlicht.
Netzentgelte von 12 Cent pro kWh
Die Übertragungsnetzentgelte schlagen auf Verbraucher, die auf Verteilnetzebene angeschlossen sind, nicht eins zu eins durch. Je nach angeschlossener Ebene und Benutzungsstundendauer kann die Änderung unterschiedlich hoch ausfallen. Die Übertragungsnetzentgelte sind Teil der Netzentgelte, die Verteilnetzbetreiber ausrechnen und an Stromversorger weitergeben.
Laut BDEW-Strompreisanalyse machen die durchschnittlichen Netzentgelte für Haushalte in diesem Jahr 11,53 Cent pro kWh aus. Im Vorjahr waren sie bei 9,52 Cent pro kWh gelegen.
Netzentgelte auf Höchstspannungsebene sinken
Die prognostizierten Entnahmemengen in den verschiedenen Spannungsebenen hätten sich geändert, argumentieren die Übertragungsnetzbetreiber mit Blick auf das kommende Jahr. In der Höchstspannungsebene seien die Entnahmemengen gestiegen.
Gleichzeitig hätten sich die Entnahmemengen in der Umspannungsebene verringert. Zugleich habe es methodische Anpassungen bei der Zuteilung der Kosten auf die Spannungsebenen gegeben. "Aufgrund dieser Veränderungen sinken die durchschnittlichen Netzentgelte 2025 in der Höchstspannungsebene um 12 Prozent, während sie in der Umspannungsebene um 20 Prozent ansteigen."
Weniger Netzengpassmanagement-Kosten prognistiziert
Die Netzkosten werden durch zwei wesentliche Faktoren bestimmt. Erstens sind das Netzengpassmanagement-Kosten. Gemeint ist etwa die Bereitstellung von Kraftwerken für Netzreserven sowie sogenannte Redispatch-Maßnahmen, also Eingriffe in den marktbasierten Fahrplan von Kraftwerken, um Überlastungen der Transportleitungen vorzubeugen oder zu beheben.
Nach Angaben der Übertragungsnetzbetreiber macht dieser Kostenblock inzwischen mehr als 50 Prozent aus. Allerdings korrigierten die Netzbetreiber die prognostizierten Netzengpassmanagement-Kosten für das kommende Jahr erst nach unten.
Mehr dazu: Redispatch-Prognose: Kosten um neun Milliarden Euro nach unten korrigiert
328 Milliarden Euro für Netzausbau
Der zweite Faktor sind Investitionen in die zukünftige Netzinfrastruktur. Bis 2045 erwarten die Übertragungsnetzbetreiber hier Investitionskosten in Höhe von 328 Milliarden Euro.
Die Übertragungsnetzbetreiber gehen davon aus, dass sich die Kosten für Netzreserve und Engpassmanagement perspektivisch vermindern. Akut fordern sie von der Bundespolitik eine Stabilisierung der Netzentgelte. "Eine Möglichkeit ist, die in der Transformationsphase entstehenden Kosten etwa für Netzreserve und Engpassmanagement von den Netzentgelten zu trennen und stattdessen durch Mittel aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren."
SPD für Übernahme von Transformationskosten
Die Kanzlerpartei SPD kann sich eine Neustrukturierung der reinen Netzausbaukosten vorstellen. "Diese sollten aus den Netznutzungsentgelten herausgenommen werden", schreibt Nina Scheer, energiepolitische Sprecherin der größten Bundestagsfraktion, auf ZfK-Nachfrage. Die FDP dagegen lehnt einen Bundeszuschuss aus Budgetgründen ab.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) setzt sich für eine generationengerechte Streckung der Netzentgelte ein. Die Idee ist, Teile der Netzkosten in den nächsten Jahren auf einem Sonderkonto als Fehlbetrag zu verbuchen und später, wenn das Netz ausgebaut ist, auf die dann niedrigeren Netzentgelte zu verteilen. Auch diese Idee fand bislang nicht die Zustimmung der FDP.
CDU setzt auf "absolute Kosteneffizienz"
Aus Sicht der Liberalen liegt vielmehr ein wichtiger Hebel im Ausbau von Flexibilitäten, sowohl auf Erzeuger- als auch auf Abnehmerseite, wie Fraktionsvize Lukas Köhler auf ZfK-Anfrage erklärte. "Durch kurzfristige Maßnahmen, wie die Versteigerung von Offshore-Flächen, konnten wir bereits eine Senkung der Netzentgelte erreichen."
Auf "absolute Kosteneffizienz" beim Netzausbau pocht der CDU-Bundestagsabgeordnete Mark Helfrich. "Wir setzen daher auf netzdienliche Anreize für bestehende und neue Verbraucher, Freileitungen statt Erdkabel bei neuen HGÜ-Leitungen sowie eine realistische Dimensionierung des Zielnetzes."
Netzentgelte treiben Wirtschaft um
Die hohen Netzentgelte treiben die deutsche Wirtschaft seit Monaten um. Dort glaube keiner daran, dass die Netzentgelte nicht steigen würden, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks im August bei Vorstellung des Energiewende-Barometers.
Die hohen Strompreise werden auch als wesentlicher Grund dafür genannt, warum die Deindustrialisierung in Deutschland aus DIHK-Sicht bereits begonnen hat. Laut Energiewende-Barometer denkt inzwischen mehr als jedes zweite Industrieunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern über Produktionseinschränkungen in Deutschland und eine Abwanderung ins Ausland nach. Das sind acht Prozentpunkte mehr als im Vorjahr und 14 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2022. (aba)
Mehr dazu: "In der Wirtschaft glaubt niemand, dass die Netzentgelte nicht weiter steigen"



