Hohe Redispatch-Kosten treiben die Stromwirtschaft um. Jetzt haben die Übertragungsnetzbetreiber eine gute Nachricht.

Hohe Redispatch-Kosten treiben die Stromwirtschaft um. Jetzt haben die Übertragungsnetzbetreiber eine gute Nachricht.

Bild: © Marijan Murat/dpa

Die Übertragungsnetzbetreiber gehen in ihrer neuen Prognose für die kommenden Jahre von deutlich weniger Netzengpassmanagement-Kosten aus.

Gegenüber der Vorjahresprognose wurden die Werte für die Jahre 2025 bis 2028 um 8,8 Milliarden Euro nach unten korrigiert. Insgesamt fallen laut Prognose Gesamtkosten von 16,3 Milliarden Euro für diesen Zeitraum an.

Hauptkostentreiber Redispatch

Hauptkostentreiber von Netzengpassmanagement-Kosten sind sogenannte Redispatch-Maßnahmen. Gemeint sind vom Netzbetreiber angeordnete Eingriffe in den ursprünglich geplanten Fahrplan von Kraftwerken, um Netzüberlastungen im Stromnetz vorzubeugen oder zu beheben.

Die Zahl solcher Eingriffe hat in den vergangenen Jahren zugenommen und dürfte weiter hoch sein, solange der Netzausbau dem Erneuerbaren-Ausbau hinterherhinkt. Häufig werden an windreichen Tagen Windkraftanlagen in Norddeutschland abgeschaltet und fossile Kraftwerke im Süden zugeschaltet, um Leitungen und Umspannwerke nicht zu überlasten oder die Spannung aufrechtzuerhalten

Kosten zuletzt stark rückläufig

In Zeiten hoher Energiepreise waren solche Eingriffe besonders teuer. Im Energiekrisenjahr 2022 stiegen die Netzengpassmanagement-Kosten auf 4,2 Milliarden Euro.

Trotz häufigerer Eingriffe im Folgejahr gingen die Kosten bereits im Jahr 2023 vor dem Hintergrund fallender Energiepreise wieder nach unten – auf 3,1 Milliarden Euro. Auch in diesem Jahr dürften die Kosten spürbar unter den im Vorjahr prognostizierten 4,9 Milliarden Euro bleiben. Im ersten Quartal waren es lediglich rund 560 Millionen Euro.

2,1 Milliarden weniger im nächsten Jahr

Die Übertragungsnetzbetreiber rechnen nun auch für 2025 nur noch mit Kosten von 3,5 Milliarden Euro. Das sind 2,1 Milliarden Euro weniger, als im Vorjahr prognostiziert wurden. In den beiden Jahren danach gehen die Netzbetreiber von einem Anstieg auf schließlich 4,4 Milliarden Euro pro Jahr aus.

Basis für die Berechnungen sind von den Übertragungsnetzbetreibern zugrundegelegte Energiemengen auf Basis der Terminhandelspreise der Primärenergieträger und CO2-Zertifikate der jeweiligen Jahre. Auf ZfK-Nachfrage konkretisierte eine Sprecherin des Übertragungsnetzbetreibers Amprion, dass die Redispatch-Kosten eine Abhängigkeit vom Gaspreis zeigten. "Wir verwenden für die Prognosen die dann aktuellen Notierungen der jeweiligen Brennstoff-Futures. Neben anderen Faktoren wirken sich also die etwas geringer erwarteten Mengen und die etwas geringer erwarteten Brennstoffkosten aus."

Strompreiszone und Netzentgelte

Der prognostizierte Rückgang der Netzengpassmanagement-Kosten könnte die Debatte um die deutsche Strompreiszone etwas entschärfen. Gegner einer einheitlichen Strompreiszone argumentieren, dass durch eine Teilung Redispatch-Kosten deutlich gesenkt werden könnten.

In jedem Fall dürften geringere Redispatch-Kosten von Verbrauchern positiv aufgenommen werden. Sie müssen die Kosten im Rahmen der Netzentgelte am Ende bezahlen.

Netzausbau: 328 Milliarden Euro bis 2045

Hohe Netzengpassmanagement-Kosten waren zuletzt einer der Hauptgründe dafür, warum die durchschnittlichen Übertragungsnetzentgelte spürbar stiegen – auf 6,43 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Der zweite große Kostenblock sind sogenannte Transformationskosten, um die Stromnetze für eine klimaneutrale Stromversorgung in Deutschland fit zu machen. Hier gehen die Übertragungsnetzbetreiber von Investitionen in Höhe von 328 Milliarden Euro bis 2045 aus. (Die ZfK berichtete.)

Gespannt wartet die Energiebranche nun darauf, wie hoch die Übertragungsnetzentgelte im kommenden Jahre ausfallen werden. Diesen Dienstag werden erste Zahlen veröffentlicht. (aba)

Dieser Artikel wird im Laufe des Abends aktualisiert.

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