Von Andreas Baumer
Fürs Baden war es am Wochenende in Deutschland trotz praller Sonne fast noch zu kalt. Auf dem Strommarkt gingen die Preise dagegen auf Tauchkurs. Am Sonntag blinkten auf dem Intraday-Markt der Kurzfristbörse Epex Spot für eine Viertelstunde sogar minus 249 Euro pro Megawattstunde (MWh) auf. Konkret handelte es sich um das Zeitfenster 12.45 Uhr bis 13 Uhr. Das führte in sozialen Netzwerken zu lebhaften Debatten.
Das Handelsvolumen betrug für diesen Zeitraum allerdings nur 300 MWh. Zum Vergleich: Zwischen 12 und 13 Uhr lag das Handelsvolumen im Day-Ahead bei 48.000 MWh. Das hängt damit zusammen, dass im Intraday-Handel normalerweise nur noch Prognosefehler oder Kraftwerksausfälle ausgeglichen werden.
Bereits um 10.30 Uhr fing es am Sonntag im Intraday-Handel mit Negativpreisen an. Sie zogen sich dann mit einer Ausnahme bis 17.30 Uhr durch.
Intraday-Handel: Belgien bei minus 330 Euro pro MWh
Die Richtung hatte die Day-Ahead-Auktion vorgegeben, wo wesentlich mehr Strom gehandelt wird. Ab 10 Uhr sank hier der Megawattstundenpreis unter die Null-Euro-Grenze. Erst ab 17 Uhr tauchte er wieder auf, nachdem er zwischen 13 und 14 Uhr bei minus 130 Euro pro MWh zum Liegen gekommen war.
Hauptgrund war die satte Einspeisung von Solaranlagen, die in der Spitze mehr als 40 Gigawatt (GW) ins Netz schoben. Zugleich blieben mehrere Gigawatt an Braunkohle- und Gaskraftwerken sowie Biomasse-Anlagen am Netz, obwohl schon absehbar war, dass die Nachfrage das nicht hergeben würde.
Dabei war Deutschland keine Ausnahme. In Belgien betrug der tiefste Day-Ahead-Stundenwert minus 266 Euro pro MWh. Im Intraday-Handel ging es sogar bis auf 330 Euro pro MWh ins Minus.
In den Niederlanden waren es im Day-Ahead auf dem Tiefpunkt minus 190 Euro pro MWh, in Polen minus 150 Euro pro MWh und in Frankreich immerhin noch minus 58 Euro pro MWh. Damit setzte sich dieses Wochenende auch vom Osterwochenende ab, als der große Preissturz ausblieb. Der Tiefstwert lag am Ostersonntag in Deutschland bei minus 54 Euro pro MWh. Ab 16 Uhr wurde wieder positives Terrain erreicht. Am Ostermontag fielen die Day-Ahead-Preise dann kein einziges Mal unter null Euro. Das blieb so bis zum vergangenen Samstag.
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