Harald Jahnke leitet die Stadtwerke Prenzlau im Nordosten Brandenburgs.

Harald Jahnke leitet die Stadtwerke Prenzlau im Nordosten Brandenburgs.

Bild: © Stadtwerke Prenzlau

Wer ein Erzeugungsportfolio insbesondere im Erneuerbaren-Bereich habe, gehöre zu den großen Krisengewinnern, prophezeite PwC-Energieexperte Henry Otto schon im Sommer. Denn wer hier investiert habe, dürfe angesichts hoher Strompreise Gewinne einfahren, von denen man früher nicht einmal zu träumen gewagt habe.

Doch wie ist das bisherige Jahr für kommunale Versorger mit Eigenerzeugung tatsächlich gelaufen? Und welche Folgen hat die Einführung einer Erlösabschöpfung? Das wollen wir in einer Mini-Serie herausfinden. Für den dritten Teil sprachen wir mit Harald Jahnke, Geschäftsführer der Stadtwerke Prenzlau (Brandenburg) sowie des Erneuerbaren-Projektierers Kommunalwind Nord.

Als die Strompreise im Großhandel Ende August auf bis zu 1000 Euro pro MWh hochgaloppierten, erzielten auch die Windkraftanlagen im Besitz der Kommunalwind Nord üppige Erlöse. Wirklich Freude hatte Geschäftsführer Harald Jahnke damit aber nicht.

"Das sind Preise, die wir weder eingeplant noch dauerhaft haben möchten", sagt er im Gespräch mit der ZfK. "Solch extreme Preisspitzen bringen den ganzen Erneuerbaren-Markt durcheinander."

Stromerzeugung nur kleiner Teil des Geschäfts

Jahnke ist hauptberuflich Geschäftsführer der Stadtwerke Prenzlau in Brandenburg, einem Kommunalunternehmen mit über 100 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von mehr als 50 Mio. Euro

Dabei umfasst die Stromerzeugung nur einen kleinen Teil des Geschäfts. Sein Geld verdiente der Kommunalversorger im Energiebereich bislang vor allem mit dem Verkauf von Strom und Gas und dem Netzbetrieb.

Bis eine Million Euro Gewinn

Zusammen mit den benachbarten Stadtwerken Waren gründete sein Unternehmen 2013 die Kommunalwind Nord. Sie sollte sich um die Projektierung, Entwicklung und den Betrieb von Windkraftanlagen und anderen erneuerbaren Energien kümmern und damit auch den Erneuerbaren-Ausbau im windreichen Brandenburg vorantreiben.

In den Anfangsjahren wechselten sich positive und negative Ergebnisse ab. 2021 habe der Gewinn dann bereits 326.000 Euro betragen, sagt Jahnke. "Und dieses Jahr könnte es eine Million Euro werden."

"Stadtwerke als Leidtragende"

Auf dauerhafte Strompreise von 400 Euro pro MWh und mehr, wie sie zurzeit wieder abgerufen werden, hofft der Stadtwerkechef allerdings nicht. "Das würde bedeuten, dass alle in der Kette Beteiligten mehr vom Kuchen haben wollen, vom Flächenverpächter über den Anlagenhersteller bis hin zum Projektierer", erklärt Jahnke.

"Die Leidtragenden wären letztendlich die Stadtwerke und deren Kunden, die den teuren Strom kaufen müssen."

Änderung im Strommarktdesign bessere Lösung

Zur Eindämmung der Stromgroßhandelspreise fordert Jahnke keine zeitlich befristete Erlösabschöpfung, wie sie heute der Bundestag beschlossen hat, sondern eine grundlegende Änderung des Strommarktdesigns. "Das hätte schon Ende 2021 geschehen müssen“, sagt er. "60 bis 100 Euro pro MWh für Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energie waren damals als Erlös vollkommen ausreichend."

Nun aber stehe zu befürchten, dass Strom auch nach Ablauf der Erlösabschöpfung mehr als 200 Euro pro MWh kosten würde. "Das würde auch den Erneuerbaren-Ausbau insgesamt deutlich teurer machen als bisher." (aba)

Mini-Serie "Krisengewinner Stromerzeuger" im Überblick

Teil eins:

Wemag-Vertriebsvorstand: "Die Erlösabschöpfung hat Nebeneffekte, die so nicht gewollt sein können"

Teil zwei:

Modell Gengenbach: Dieses kleine Stadtwerk setzte früh auf eigene Windenergie – das zahlt sich jetzt aus

Teil drei:

Prenzlauer Stadtwerkechef: "Hohe Strompreise bringen den ganzen Erneuerbaren-Markt durcheinander"

Teil vier:

Tübinger Stadtwerkechef: ""Bei Zufallsgewinnen wird eingegriffen, bei Zufallsverlusten nicht""

Hinweis: Auch die aktuelle ZfK-Printausgabe behandelt auf Seite 21 das Thema "Krisengewinner Stromerzeuger". Zum Abo geht's hier und zum E-Paper hier.

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