Die Stadtwerke Stuttgart liefern der Stadt Stuttgart erstmals auch einen Anteil an Biogas. (Symbolbild)

Die Stadtwerke Stuttgart liefern der Stadt Stuttgart erstmals auch einen Anteil an Biogas. (Symbolbild)

Bild: © Jürgen Fälchle/AdobeStock

Die aktuelle Situation könnte auf dem niedersächsischen Energie- und Wärmesektor kaum widersprüchlicher sein: Während mit erheblichem finanziellen Aufwand der Import von fossilem Erdgas betrieben wird, um die Wärmeversorgung sicherzustellen, werden Biogasanlagen, die umliegende Ortschaften mit aus erneuerbaren Energiequellen gewonnener Wärme versorgen, vom Netz genommen. Das bemängelt der LEE.

Dies tritt häufig dann auf, wenn eine hohe Einspeisung aus Windenergie in Norddeutschland auf zu geringe Leitungs- und Speicherkapazitäten stößt. In diesen Zeiten werden, trotz eines Einspeisevorrangs, insbesondere Erneuerbare Anlagen abgeregelt, also Windräder aus dem Wind gedreht oder die Motoren von Biogasanlagen abgeschaltet.

Abregelung von Biogasanlagen kritisch

Seit Sonntagabend sind wiederholt eine Vielzahl an Erneuerbaren-Energien-Anlagen in Niedersachsen aufgrund von Netzengpässen abgeregelt und produzieren keinen Strom, obwohl sie es könnten. Mit Stand 31. Januar 2023, 12:30 Uhr, waren mehr als 5.500 EE-Anlagen in Niedersachsen vom „Redispatch“ genannten Prozess betroffen.

Joost Kuhlenkamp, LEE-Referent für Bioenergie und Wärme, sieht die aktuellen Redispatchmaßnahmen kritisch: „Aus der Abregelung von Biogasanlagen ergibt sich ein besonderes Problem. Diese Anlagen können zwar für eine gewisse Zeit das produzierte Gas speichern. Viele Biogasanlagen versorgen allerdings Wärmenetze und heizen damit im Winter die angeschlossenen Häuser. Wenn nun eine unangekündigte, sofortige Abregelung erfolgt, muss die Wärme-versorgung der Häuser weiterhin gesichert werden.“

LEE: Abregelungen erfolgen ohne Ankündigungen

„Biogasanlagen mit Wärmenetzen haben eine Sonderstellung inne und sollten erst nachrangig oder nur bis zu einem gesicherten Anteil abgeregelt werden. Dies fordern wir als Verband seit vielen Jahren,“ so Kuhlenkamp weiter.

Zumeist sind es ihm zufolge vor allem Erneuerbare Energien-Anlagen, die sich im Vergleich zu konventionellen Großkraftwerken schnell regeln lassen und somit zeitnah zu einer Entlastung des Netzes beitragen können. Diese Abregelungen erfolgen ohne Ankündigungen und häufig über mehrere Tage. In dieser Zeit wird also aufgrund des mangelnden Netzausbaus in Richtung der südlichen Bundesländer in großen Mengen grüner Strom eben nicht produziert. Im ganzen Jahr 2021 belief sich diese „verlorene“ Menge nachhaltiger Stromerzeugung demnach auf 2.643 Gigawattstunden.(sg)

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