Die Stadt Leuna in Sachsen-Anhalt könnte zum weltweiten Zentrum für strombasierte Kraftstoffe werden. Dort entsteht gerade eine mit hunderten Millionen Euro geförderte Technologieplattform. Laut Bundesverkehrsministerium handelt es sich dabei um die derzeit größte Forschungsanlage ihrer Art auf der Welt.
Strombasierte im Power-to-Liquid (PtL)-Verfahren hergestellte Kraftstoffe sollen künftig insbesondere den hohen Energiebedarf in der Luft- und Schifffahrt, aber auch im Schwerlastverkehr, klimafreundlicher decken. Das Bundesverkehrsministerium hat kürzlich weitere 157 Millionen Euro für das Projekt im Chemiepark Leuna bereitgestellt.
Problemlöser für Industrialisierung
Federführend ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Eine DLR-Sprecherin erklärte auf Nachfrage, die Technologieplattform Power-to-Liquid-Kraftstoffe (TPP) solle helfen, "all die Probleme zu lösen, die sich bei der Hochskalierung der Technik vom Labormaßstab in die industrielle Produktion ergeben". Die Sprecherin ist überzeugt: "Das kann sie, weil sie eben nicht für den Markt produziert."
Bis zu 3000 Tonnen im Jahr
Die laut DLR "First-of-its-kind-Anlage" soll dem Ministerium zufolge jährlich 2000 bis 3000 Tonnen PtL-Kraftstoff produzieren. Aktuell laufe sie im sogenannten Kampagnenbetrieb. Das heißt, einzelne Prozessschritte würden unter realen industriellen Bedingungen getestet, wissenschaftlich ausgewertet und weiter optimiert. Sowohl der verwendete Strom als auch der genutzte Wasserstoff sollen aus erneuerbaren Quellen kommen.
Bis 2027 soll die Anlage finalisiert werden und 2028 schließlich den Forschungsbetrieb aufnehmen. "Jeder einzelne Prozessschritt ist zwar gut erforscht, aber alle in eine Prozesskette zu integrieren, und das noch dazu so, dass der Prozess ökonomisch ist, das ist eine große Herausforderung“, führte die DLR-Sprecherin aus.
"Wesentliche Fortschritte" erwartet
Die laufende Förderung ist zunächst bis zum Jahr 2035 ausgelegt. Bis dahin rechnet das DLR mit "wesentlichen Fortschritten", verweist aber zugleich auf die sich verändernden Randbedingungen. "Deshalb wird es notwendig sein, ein Review durchzuführen, die Aufgaben für die TPP neu zu formulieren und dann in Abstimmung mit allen Partnern ein neues Projekt aufzusetzen."
Das Bundesverkehrsministerium förderte 2023 bereits die Planung der TPP mit rund 5,5 Millionen Euro, ein Jahr darauf dann den Bau mit 130 Millionen Euro. Die Anlage solle "den entscheidenden Schritt zwischen Labor und Praxis" gehen, so die Hoffnung.
Wettbewerbsfähigkeit ungewiss
Auf die Frage, wann strombasierte Kraftstoffe im Vergleich zu fossilen wettbewerbsfähig sein könnten, zeigte sich das DLR zurückhaltend: "Hier bräuchte man jetzt wirklich eine Kristallkugel. "Entscheidende Einflussgrößen seien Regulatorik, Quoten und der technologische Reifegrad – insbesondere der Übergang von einer ersten Anlage ihrer Art hin zu einer etablierten wirke sich langfristig auf die Kosten aus.
Zwar habe Deutschland das Know-how für die Produktion von Power-to-Liquid, so die DLR-Sprecherin weiter, "aber es gibt viele offene Fragen zur technischen Umsetzung". Grundsätzlich ließen sich "20 bis 30 Prozent" des heimischen Kraftstoffbedarfs nachhaltig und klimaneutral aus eigener Kraft decken. Darüber hinausgehende Mengen müssten durch Importe bereitgestellt werden.



