Die energieintensive Industrie erhält Rabatte auf die Netzentgelte.

Die energieintensive Industrie erhält Rabatte auf die Netzentgelte.

Bild: © DedMityay/Adobe Stock

Der DVGW warnt vor Fehlplanungen beim Wasserstoffnetz und dem Verlust von Arbeitsplätzen. Viel der von der Industrie benötigten Energie werde über die Verteilnetze transportiert. Die Bundesregierung orientiere sich bei ihren Planungen jedoch an den großen Chemiestandorten, die größtenteils über das Erdgas-Fernleitungsnetz versorgt werden.

Das könnte aus Sicht des Verbandes dazu führen, dass Unternehmen künftig weder Gas noch Wasserstoff beziehen. Und dann gezwungen wären, ihre Produktion einzustellen, sagt Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW. "Dies hätte mit Blick auf die Wirtschaftskraft von Industriestandorten erhebliche Auswirkungen", betont Linke.

Bedarf von 200 TWh

Der Verband hat im Rahmen einer Studie erheben lassen, wie viele Industrie- und Gewerbestandorte aktuell an das Gasfernleitungs- oder -verteilnetz angeschlossen sind. Zugleich untersuchten die Forscherinnen und Forscher, ob sich diese Standorte durch das geplante Wasserstoff-Kernnetz versorgen lassen würden.

Dabei lag der Fokus auf der Prozesswärme, also Wärme, die für technische Verfahren und Prozesse zur Herstellung, Weiterverarbeitung oder Veredelung von Produkten genutzt wird. Das beauftragte Gastechnologische Institut Freiberg hat hier mehr als 5.600 Standorte erfasst. Den Gesamtbedarf beziffert es auf "um die 200 Terawattstunden (TWh)" jährlich – das heißt ein Fünftel Deutschlands.

78 Prozent potenziell betroffen

Das Ergebnis: Rund drei Viertel (78 %) der Unternehmen befänden sich mehr als einen Kilometer vom künftigen Wasserstoff-Kernnetz entfernt und würden derzeit über das Verteilnetz versorgt, so der DVGW. Dort seien rund 770.000 Menschen beschäftigt. Das entspreche etwa zehn Prozent der Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe. Der Verband fordert daher ein wasserstofffähiges Verteilnetz.

Die Bundesnetzagentur hat kürzlich das Wasserstoff-Kernnetz genehmigt. Das soll nun aber kleiner ausfallen als ursprünglich geplant. Die achtseitige Kurzstudie "Prozesswärme – woher kommt die Energie?" des DVGW ist online als PDF verfügbar. (dz)

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