Viel Bewegung im Wärmemarkt: Während Wärmepumpen weiter an Marktanteilen gewinnen, blieb die Fernwärme zuletzt weitgehend stabil. Doch das könnte sich bald ändern. "Aktuell ist die kommunale Wärmeplanung in vollem Gange, vor allem in mittleren und großen Gemeinden", sagt Christian Stolte, Bereichsleiter Klimaneutrale Gebäude, bei der Energieagentur Dena. Nach Zahlen des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende der Dena erstellen derzeit rund 70 Prozent der großen und mittleren Kommunen ihre Wärmeplanung, ein Drittel hat sie bereits abgeschlossen.
Diese Pläne enthalten meist auch Empfehlungen zum Ausbau bestehender Fern- und Nahwärmenetze. "Mittelfristig ist daher mit einem Zubau von Wärmenetzen in Deutschland zu rechnen", so Stolte. Konkrete Prognosen seien zwar noch schwierig, doch die Richtung sei klar. Für Stadtwerke und Energieversorger eröffnen sich damit neue Geschäftsfelder – vorausgesetzt, Preisgestaltung und Finanzierung stimmen.
Biomasse verliert an Schwung – aber bleibt Teil der Lösung
"Ein zentraler Faktor wird die gesellschaftliche Akzeptanz sein – und die hängt maßgeblich von den erwartbaren Wärmekosten ab", betont Stolte. Um hier mehr Transparenz zu schaffen, hat die Dena im Juli eine Analyse zur Preisregulierung von Fernwärme veröffentlicht. Darin wird unter anderem empfohlen, "die Einführung einer Schlichtungs- und Aufsichtsbehörde zu prüfen, um mehr Transparenz bei der Preisbildung zu schaffen". Gleichzeitig brauche es tragfähige Finanzierungsmodelle und gezielte Förderungen, "um die Transformationskosten zu bewältigen und sozialverträgliche Fernwärmepreise zu gewährleisten".
Der Dena-Gebäudereport zeigt, dass der Absatz von Biomasseheizungen weiter zurückgeht – stärker noch als bei Gasheizungen. "Der Rückgang des Verkaufs von Biomasseanlagen hält schon seit 2022 an", erklärt Stolte. "Ursachen sind veränderte politische Rahmenbedingungen, etwa bei Förderung oder neuen Nachhaltigkeitsanforderungen. Aber auch Unsicherheiten hinsichtlich der Rohstoffverfügbarkeit von Holz oder Energiepflanzen haben zu zurückhaltenden Investitionen geführt."
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Trotzdem hat Biomasse weiter ihren Platz im Energiesystem – allerdings gezielter als bisher. "Die Dena empfiehlt die Nutzung von Biomasse vor allem dort, wo Elektrifizierung schwer möglich ist", so Stolte. "Zum Beispiel für industrielle Prozesswärme, zur netzdienlichen Abdeckung von Spitzenlasten oder als speicherbaren Energieträger bei Dunkelflauten."
Besonders interessant für Energieversorger und Betreiber kommunaler Netze ist die künftige Rolle von Biomethan. Laut einer Dena-Analyse aus dem Jahr 2024 könnte sich der Bedarf an Biomethan zur Wärmeerzeugung – abhängig von der Marktentwicklung – "vor allem auch aufgrund der Nutzung von Abfall- und Reststoffen bei ambitioniertem Ausbau sogar vervierfachen".
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Damit rückt auch die Abfallwirtschaft stärker in den Fokus: Reststoffe, biogene Abfälle oder Klärschlämme könnten künftig eine größere Rolle bei der Wärmebereitstellung spielen – vor allem, wenn sie dezentral in Nahwärmenetze eingespeist werden.
Wärmepumpe dominiert Neubau, aber Sanierungen ziehen nach
Im Neubau hat sich die Wärmepumpe fest etabliert. "Im Neubau ist die Wärmepumpe in Wohngebäuden inzwischen Standard", sagt Stolte. 2024 wurden in über 80 Prozent der genehmigten Wohngebäude Wärmepumpen vorgesehen. Im Bestand ist die Dynamik zwar geringer, aber der Trend zeigt in die gleiche Richtung: "Laut Gebäudereport wurden 71 Prozent der Wärmepumpen 2024 bei Sanierungen eingebaut."
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Viele Vorbehalte gegen Wärmepumpen im Bestand seien unbegründet, betont Stolte: "Dass ein Heizungstausch im Bestand zu teuer oder technisch zu aufwendig sei, erweist sich in der Praxis oft als unbegründet. Betrachtet man die Investition über die gesamte Lebensdauer, ist der Betrieb einer Wärmepumpe in den meisten Fällen günstiger als der einer fossilen Alternative."
Es herrscht starke Verunsicherung, die
eine Entscheidung hin zum Einsatz erneuerbarer Energien bremst.
Für Energieversorger und Contractoren entstehen daraus neue Chancen im Bestandsgeschäft, etwa bei integrierten Sanierungs- und Wärmelösungen. Gleichzeitig bremsen jedoch Unsicherheiten viele Eigentümer aus. "Es herrscht starke Verunsicherung, die eine Entscheidung hin zum Einsatz erneuerbarer Energien bremst", so Stolte. Die Dena setzt hier mit dem "Bündnis Gebäudewende" an, das gemeinsam mit Verbänden und Unternehmen Vorschläge für verlässliche Förder- und Rechtsrahmen erarbeitet.
Als Hebel sieht Stolte eine attraktivere Förderung: "Eine stärkere soziale Staffelung der Förderung sowie perspektivisch ein degressives Abschmelzen könnten wichtige Impulse setzen." Zudem berät die Energieagentur mit einem neuen Praxisguide gezielt Wohneigentumsgemeinschaften, "die beim Heizungstausch immer wieder auf Hemmnisse stoßen".
Marktstimmung: Erste Erholung, aber kein Durchbruch
Nach dem turbulenten Jahr 2024 zeichnet sich allmählich eine Stabilisierung ab. "In einzelnen Segmenten sehen wir eine leichte Erholung", sagt Stolte. "Nach dem Tiefpunkt im ersten Quartal 2024 wächst der Verkauf von Wärmepumpen wieder an." Im zweiten Quartal 2025 habe die Zahl der verkauften Wärmepumpen erstmals die von Gasheizungen übertroffen, während der Absatz fossiler Systeme deutlich rückläufig war.
Der Markt bleibe jedoch schwach. "Im ersten Quartal 2025 lag der Heizungsmarkt insgesamt um 32 Prozent unter dem Vorjahresniveau", so Stolte. Damit sei man "von den notwendigen Zielmarken installierter Wärmepumpen weiterhin ein gutes Stück entfernt".
Für Stadtwerke bedeutet das: Die Weichen für den künftigen Wärmemarkt werden jetzt gestellt – über lokale Wärmepläne, neue Versorgungsmodelle und gezielte Kundenkommunikation. "Es braucht dringend Klarheit und Verlässlichkeit für die Verbraucher, damit sie für ihre Immobilie die passende Entscheidung treffen können", so Stolte abschließend.



