Als grüne Wärmequelle könnten sich der Branche bald neue Möglichkeiten bieten.

Als grüne Wärmequelle könnten sich der Branche bald neue Möglichkeiten bieten.

Bild: ©  snapshotfreddy/Adobe Stock

Die Bioenergiebranche wertet das neue Heizungsgesetz als "grundsätzlich positives Signal für die Bioenergie". Es sei sinnvoll, einen steigenden Anteil grüner Brennstoffe in neuen Heizungen und eine übergreifende Grüngasquote für Inverkehrbringer zu kombinieren, sagte Sandra Rostek, Leiterin Hauptstadtbüro Bioenergie (HBB).

Die Eckpunkte zum Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG), ehemals Gebäudeenergiegesetz, von Union und SPD sehen unter anderem vor, dass künftig neben der Wärmepumpe, Fernwärme, hybriden Heizungsmodellen und Biomasseheizung weiterhin auch Gas- und Ölheizungen eingebaut werden dürfen.

Schrittweise grüner mit der "Biotreppe"

Vorausgesetzt, diese nutzen einen zunehmenden Anteil "CO2-neutraler Brennstoffe", die Bundesregierung selbst spricht von der "Biotreppe". Dieser Anteil soll im Jahr 2029 bei zehn Prozent starten. Den weiteren Anstieg bis 2040 werde das Gesetz in drei Schritten festlegen, heißt es in dem Eckpunktepapier.

Es sieht zudem eine "allgemeine" Quote für klimafreundliche Brennstoffe in der Gebäudewärme vor – jedoch nicht in den Sektoren Industrie und Gewerbe. "Wir wollen den Hochlauf von Biomethan und Wasserstoff ab 2028 durch eine moderate Grüngasquote unterstützen", schreiben Union und SPD.

Grünsgasquote von "bis zu einem Prozent"

Zum Start im Jahr 2028 sollen Öl- und Gashändler ihren Produkten "bis zu einem Prozent" klimafreundliche Brennstoffe beimischen. Die Details zur Quotenregelung soll das Bundeswirtschaftsministerium "in diesem Sommer" vorlegen.

Mineralöl- und Immobilienverbände hatten vor kurzem eine solche Quote gefordert – anstelle der 65-Prozent-Regel. Tatsächlich brauchen neue Heizungen den Eckpunkten zufolge in Zukunft nicht mehr zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden.

Die Potenziale sind vorhanden und wir stehen als Bioenergie bereit.

"Die Potenziale sind vorhanden und wir stehen als Bioenergie bereit", betont die HBB-Leiterin. In puncto 65-Prozent-Regel fordert Rostek aber eine "effektive und unbürokratische Nachfolgeregelung". Denn unklar sei, wie die Klimaschutzpotenziale insbesondere von ländlichen Wärmenetzen und Gebäudenetzen auf Basis von Holz und Biogas ohne eine Vorgabe gehoben werden können.

Das Potenzial von Bioenergie ist laut einer Studie im Auftrag des Fachverbands Biogas vom September 2025 erheblich größer, als es in vielen politischen Szenarien bislang angenommen wird. Demnach könnten bis zum Jahr 2035 zwischen 50 und 177 Terawattstunden (TWh) Biomethan pro Jahr zusätzlich verfügbar sein.

Ausgestaltung des GMG entscheidend

Gerade für Bestandsgebäude, Wärmenetze und schwer sanierbare Immobilien ist Biomethan damit eine kurzfristig verfügbare Alternative. Entscheidend sind der Studie zufolge vor allem verlässliche Investitionssignale, wie eben eine Grüngasquote. Ob dieses Potenzial tatsächlich gehoben werden kann, hänge stark vom politischen Rahmen ab, also auch von der weiteren Ausgestaltung des GMG.

In einem gemeinsamen Positionspapier hatten die im HBB organisierten Verbände – der Bundesverband Bioenergie, der Deutsche Bauernverband und die Fachverbände Biogas sowie Holzenergie im vergangenen Jahr – Potenziale und bestehende Hürden hervorgehoben.

Verbände nicht einer Meinung

Äußerungen weiterer Branchenverbände zeigen, dass die Pläne nicht nur auf Zustimmung stoßen. Als "ein gemischtes, insgesamt aber konstruktives Signal an die Fernwärmebranche" wertet etwa der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK, AGFW, die Eckpunkte. Einerseits werde ein erster Rahmen für die künftige Wärmeversorgung gesetzt, was dem Markt neue Planungssicherheit geben könne. "Andererseits bleiben wesentliche Fragen offen, die für Investitionsentscheidungen, Planungssicherheit und das Gelingen der Wärmewende von zentraler Bedeutung sind", so der Verband. Er drängt insbesondere auf eine stärkere Förderung, beispielsweise effizienter Wärmenetze.

Deneff: Nachbesserungen nötig

Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) wiederum hält Nachbesserungen bei Anreizen für notwendig: "Die Bezahlbarkeit von Wärme und das Lösen aus dem Klammergriff unserer massiven Energieimportabhängigkeit wird maßgeblich davon abhängen, wie stark Effizienzpotenziale und der Austausch fossiler Heizungen im Bestand tatsächlich aktiviert werden", meint die Deneff.

Der Deutsche Energieholz- und Pelletverband (DEPV) ist pessimistisch. Die für die Klimaziele notwendigen Austauschraten erreiche der Wärmemarkt immer noch nicht. Das GMG scheine "kein deutlicher Impulsgeber für den erneuerbaren Heizungsmarkt zu sein", so der DEPV. Der Verband rechne für 2026 nur mit einem niedrigen Zubau von Pelletheizungen.

Gesetz soll bis Juli in Kraft treten

Das Gebäudemodernisierungsgesetz soll Stand jetzt bis Anfang April stehen und dann im Bundestag beraten werden. Nach dem Willen von Union und SPD soll es noch vor dem 1. Juli in Kraft treten.

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