74 Prozent aller Beschäftigten hierzulande meinen, ihre aktuelle Position und der Arbeitgeber böten ihnen eine gute Work-Life-Balance. Viele Beschäftigte wollen mehr arbeiten.

74 Prozent aller Beschäftigten hierzulande meinen, ihre aktuelle Position und der Arbeitgeber böten ihnen eine gute Work-Life-Balance. Viele Beschäftigte wollen mehr arbeiten.

Bild: © BallRun/stock.adobe.com

Im Zentrum der Debatte über "Lifestyle-Teilzeit" steht die Frage, ob Teilzeit-Arbeit gesamtwirtschaftlich problematisch ist – und ob manche Ansprüche eher auf Bequemlichkeit als auf Notwendigkeit zurückgehen. Das Randstad Arbeitsbarometer 2026 zeichnet jedoch ein anderes Bild: Teilzeit hat demnach wenig mit einem vermeintlichen "Lifestyle" der Beschäftigten zu tun. Viele Beschäftigte suchen vielmehr nach zusätzlichen Einnahmequellen.

Teilzeit nicht das Ideal

Auf die Frage nach ihrer aktuellen Beschäftigungsform gaben 24 Prozent der deutschen Umfrageteilnehmenden an, in Teilzeit zu arbeiten. Als Idealmodell – also so, wie sie am liebsten arbeiten würden – nennen dies jedoch nur 16 Prozent. Dieses Bild zeigt sich sowohl bei Männern (15 Prozent aktuell gegenüber 10 Prozent ideal) als auch bei Frauen (34 Prozent gegenüber 22 Prozent) und über alle Generationen hinweg. So arbeitet etwa ein Fünftel der Gen Z derzeit in Teilzeit, als bevorzugte Beschäftigungsform nennen dies jedoch nur 13 Prozent.

Unsere Ergebnisse zeigen das Gegenteil dessen, was im Diskurs vermutet wird, und widerlegen die Annahme, dass viele Menschen schlicht weniger arbeiten möchten.

Zusatzverdienst gewinnt an Beliebtheit

Immer beliebter werden dagegen Selbstständigkeit und Vollzeitstellen mit zusätzlicher Nebenbeschäftigung. Aktuell sind zwar nur fünf Prozent der Befragten selbstständig, perspektivisch könnten es jedoch doppelt so viele sein. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Nebenjobs: Derzeit haben nur drei Prozent der Vollzeitbeschäftigten eine zusätzliche Tätigkeit, zwölf Prozent würden dieses Modell jedoch gern nutzen.

"Unsere Ergebnisse zeigen das Gegenteil dessen, was im Diskurs vermutet wird, und widerlegen die Annahme, dass viele Menschen schlicht weniger arbeiten möchten", sagt Verena Menne, Director Group HR bei Randstad Deutschland. "Stattdessen geht der aktuelle Trend am Arbeitsmarkt stärker in Richtung Mehrarbeit – gepaart mit einer Leistungsbereitschaft, die eher selten thematisiert wird."

Beschäftigte wollen Verantwortung übernehmen

Viele Beschäftigte wollen sich im Job aktiv einbringen. Rund die Hälfte der Befragten sieht die Möglichkeit, am Arbeitsplatz einen persönlichen Beitrag zu leisten, als wichtigen oder sehr wichtigen Teil ihres Berufslebens. Für 45 Prozent spielt Innovation eine zentrale Rolle. 43 Prozent messen zudem ihrer Karriereentwicklung und ihren Aufstiegsmöglichkeiten große Bedeutung bei.

"Viele Mitarbeitende möchten sich einbringen, Neues wagen und achten außerdem auf das eigene Vorankommen. Dies ist eine Gelegenheit für Arbeitgeber, die Belegschaft aktiver in die Geschäftsentwicklung einzubeziehen und dadurch auch ihr Innovationspotenzial zu steigern. Doch es muss auch ein Wille da sein, neue Ideen und unerprobte Arbeitsweisen zuzulassen", ergänzt Menne.

Das Arbeitsbarometer

Das Randstad Arbeitsbarometer wurde 2003 eingeführt und deckt 35 Länder weltweit ab. Die Studie erscheint einmal jährlich und macht sowohl nationale als auch globale Trends auf dem Arbeitsmarkt sichtbar. Die Befragung wird online unter Arbeitnehmenden im Alter von 18 bis 67 Jahren durchgeführt, die erwerbstätig oder Einzelunternehmer sind, oder arbeitslos, aber eine künftige Beschäftigung anstreben. Die Mindeststichprobengröße beträgt 500 Interviews pro Land. Für das Arbeitsbarometer 2026 wurden mehr als 27.000 Arbeitskräfte weltweit, davon 1.000 in Deutschland, und erstmals auch über 1.200 Arbeitgeber befragt sowie über 3 Millionen Stellenanzeigen untersucht.

Work-Life-Balance meist gegeben

Außerdem ist in vielen Fällen eine Balance zwischen Privat- und Berufsleben bereits gewährleistet. Die Arbeitnehmenden müssen oft gar keine Abstriche machen, um Privates und Beruf zu vereinen. "Dadurch wird klar, dass vor allem die Politik in der Pflicht ist, für bessere Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt zu sorgen – damit Vollzeit-Arbeit und Leistung für alle Beschäftigten, die sie wünschen, überhaupt möglich ist und es sich für sie lohnt", meint Menne.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper