Von Boris Schlizio
Die aktuelle Studie "Frauen in Top-Managementorganen öffentlicher Unternehmen" (FIT) der Zeppelin-Universität (ZU) in Friedrichshafen zeigt, dass weibliche Führungskräfte in kommunalen Unternehmen nach wie vor unterrepräsentiert sind. Dabei entwickelt sich ihr Anteil je nach Region sehr unterschiedlich. Untersucht wurden 2019 öffentliche Unternehmen in 69 Städten sowie auf Bundes- und Landesebene – darunter Stadtwerke, Verkehrsbetriebe, Krankenhäuser, Messen, Sozialeinrichtungen sowie IT- und Digitalisierungsunternehmen.
Insgesamt flossen Daten von 2126 Führungspositionen in Geschäftsführung, Leitung und Vorstand in die Analyse ein. Die als Langzeitprojekt angelegte FIT-Public-Management-Studie knüpft an die Vorjahreserhebungen an und betrachtet auf Basis der Daten vom April 2025 die Entwicklung der Frauenrepräsentanz im Top-Management öffentlicher Unternehmen.
Regionale Unterschiede
Der durchschnittliche Frauenanteil in den Führungsetagen kommunaler Unternehmen liegt bei 23,0 Prozent – ein leichter Zuwachs um 0,9 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch bleibt der Wert deutlich hinter den politischen Zielvorgaben und dem Durchschnitt der DAX-40-Unternehmen zurück.
Die regionale Kluft zwischen Ost- und Westdeutschland hat sich weiter vergrößert: In ostdeutschen Städten beträgt der Frauenanteil 24,7 Prozent, in westdeutschen lediglich 19,1 Prozent.
Auch bei Neubesetzungen gibt es markante Unterschiede: Bundesweit wurden 30,7 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt – ein Anstieg um 2,8 Prozentpunkte. In Ostdeutschland liegt dieser Wert bei 37,8 Prozent, in Westdeutschland bei 25,8 Prozent.
Die Branchenanalyse zeigt: Überdurchschnittlich vertreten sind weibliche Führungskräfte im Gesundheits- und Sozialwesen (38,4 Prozent) sowie in Krankenhäusern (33,9 Prozent). In technischen Bereichen wie IT und Digitalisierung (14,1 Prozent) oder der Energie- und Wasserversorgung (12,5 Prozent) sind Frauen hingegen weniger vertreten.
Verbindliche Vorgaben nötig
Ulf Papenfuß, Inhaber des Lehrstuhls für Public Management & Public Policy an der ZU, sowie die Mitautoren Christian Arno Schmidt und Katharina Zettl sehen die Zeit für konkrete Maßnahmen gekommen.
Neben einer vielfältigen Organisationskultur und nachhaltigen Personalentwicklung brauche jede Gebietskörperschaft klare Regelungen in Form eines guten Public-Corporate-Governance-Kodex. Integrierte Führungskräfteentwicklung und regelmäßige Vergleichsanalysen seien entscheidend, um qualifizierte Talente für kommunale Spitzenpositionen zu gewinnen.
VKU begrüßt den Trend
Neben der AKDB, der Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung, und dem zfm, dem Zentrum für Management und Personalberatung, unterstützt auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) als Co-Förderer die FIT-Public-Management-Studie 2025.
Karin Pfäffle, Vorsitzende des VKU-Personalausschusses und Arbeitsdirektorin der Hamburger Energienetze, zeigt sich optimistisch:
"Die FIT-Studie macht deutlich, dass sich ein langfristiger positiver Trend abzeichnet. Immer mehr Spitzenpositionen werden mit Frauen besetzt. Das sollten wir sichtbar machen und aktiv kommunizieren – auch wenn wir noch längst nicht am Ziel sind. Erfolgreiche Beispiele können als Best Practices innerhalb der Unternehmen und der kommunalen Verwaltungen dienen. Nur so lassen sich nachhaltige Veränderungen erreichen."
Auch Papenfuß betont: Gerade dem öffentlichen Sektor komme bei der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen in Führungspositionen eine besondere Vorbildfunktion zu. Die chancengerechte Besetzung von Spitzenpositionen mit fachlich und persönlich geeigneten Persönlichkeiten sei ein Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit des öffentlichen Sektors – und ein zentrales Anliegen nachhaltiger Public Corporate Governance.




