Die Stadtwerke Völklingen wurden kürzlich für ihren Einsatz zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgezeichnet. "Wir sind überzeugt, dass eine familienfreundliche Unternehmenskultur der Schlüssel zu motivierten und zufriedenen Mitarbeitern ist. Durch flexible Arbeitszeiten und mobiles Arbeiten sowie durch ein auf Familie zugeschnittenes Gesundheitsmanagement unterstützen wir die Mitarbeitenden dabei, Beruf und Familie bestmöglich miteinander zu vereinbaren", betonte Julian Wollscheidt, Konzern-Geschäftsführer der Stadtwerke Völklingen, anlässlich der Auszeichnung im Januar.
Das Zertifikat wird gemeinsam von Saaris – Saarland Innovation & Standort, der Industrie- und Handelskammer Saarland sowie dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit verliehen.
Warum individuelle Lösungen der Schlüssel zum Erfolg sind, warum dazu auch Haustiere gehören können und dass die Angebote selbstverständlich für Männer und Frauen gleichermaßen gelten, erläutert Daniela Jaeckel, Personalreferentin der Stadtwerke Völklingen Holding, im ZfK-Interview.

Desirée Lang aus dem Abrechnungsservice lässt sich auch von ihrer französischen Bulldogge Collin nicht aus dem Konzept bringen.Bild: Stadtwerke Völklingen
Frau Jaeckel, was heißt "Familie" bei den Stadtwerken Völklingen?
Der Begriff "Familie" wird bei uns bewusst weit gefasst. Neben klassischen oder gleichgeschlechtlichen Familien- und Partnerschaftskonstellationen mit einem Kind oder mehreren Kindern zählen dazu auch Mitarbeitende, die Verantwortung für pflegebedürftige Angehörige übernehmen. Familie besteht aus meiner Sicht nicht nur aus Eltern und Kindern. Der Begriff umfasst auch Partnerschaften, die von gegenseitiger Unterstützung und Zusammenhalt geprägt sind.
Woher wissen Sie, was die Beschäftigten sich tatsächlich wünschen, damit die Angebote nicht an ihren Bedürfnissen vorbeigehen?
Wir setzen auf einen kontinuierlichen Austausch mit den Mitarbeitenden. Vorschläge und Ideen können jederzeit aktiv eingebracht werden. Durch regelmäßige Umfragen ermitteln wir gezielt die Bedürfnisse unserer Belegschaft und entwickeln daraus individuelle Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Wie laufen diese Gespräche ab?
In der Praxis können Mitarbeitende ihre Anliegen in Gesprächen mit der Personalabteilung oder durch gezielte Vorschläge gegenüber den direkten Vorgesetzten oder dem Betriebsrat äußern. Zudem besteht die Möglichkeit, sich über innerbetriebliche Kommunikationskanäle aktiv an der Weiterentwicklung der familienfreundlichen Maßnahmen zu beteiligen. Die Geschäftsführung hat für die Belange der Mitarbeitenden ein offenes Ohr.
Wenn ein Anliegen besonders unter den Nägeln brennt, können die Themen selbstverständlich auch bei einem individuellen, persönlichen Termin mit der Geschäftsführung besprochen werden.
Gab es Vorschläge, die für Sie neu waren?
Ja, immer wieder entstehen neue Ideen durch den Dialog mit den Mitarbeitenden. Ein Beispiel dafür ist die Möglichkeit, Kinder oder sogar den Familienhund mit an den Arbeitsplatz zu bringen. Diese Option wird bereits von einigen Mitarbeitenden genutzt und zeigt, wie breit die Definition von Familienfreundlichkeit heute bei uns gefasst wird. Dies schafft in besonders stressigen Phasen auch ein positives Betriebsklima, wenn Hündin Frida, Collin und Co. mit an Bord sind.
Und auch die Pflege von Angehörigen steht heute stärker im Fokus?
Ja, die Unterstützung von Beschäftigten mit Pflegeverantwortung spielt eine wichtige Rolle. Neben flexiblen Arbeitszeiten gibt es individuelle Lösungen für Mitarbeitende. Die Stadtwerke Völklingen berücksichtigen spezielle Lebenslagen und bieten in besonderen familiären Situationen angepasste Arbeitszeitmodelle an. Diese sind Teil unserer Betriebsvereinbarung.
Für Eltern bedeutet der Alltag oft einen Spagat zwischen Kita, Schule und Beruf. Wie wird darauf Rücksicht genommen?
Die Stadtwerke Völklingen setzen auf flexible Arbeitszeiten und mobiles Arbeiten, um Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Mobiles Arbeiten ist für alle Mitarbeitenden möglich, insofern es die Tätigkeit zulässt. Ein Mitarbeiter im Außendienst kann davon natürlich nicht profitieren. Grundsätzlich ist es uns aber wichtig, für alle Mitarbeitenden die gleichen Voraussetzungen zu schaffen.
Flexible Arbeitszeitmodelle und Gleitzeit können individuell mit der Führungskraft abgestimmt werden.
Wie stark werden die Angebote auch von Männern genutzt?
Familienfreundlichkeit ist kein rein feminines Thema. Auch Männer nutzen zunehmend die flexiblen Arbeitsmodelle, um mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Dies entspricht einem gesellschaftlichen Wandel, in dem sich auch Väter stärker in die Familienarbeit einbringen können. Das begrüßen wir ausdrücklich.
Im Moment wird die Elternzeit nach wie vor vorrangig von weiblichen Mitarbeitenden genutzt. Die Stadtwerke Völklingen stehen jedoch für eine moderne und emanzipierte Unternehmenskultur. Auch werdende Väter unterstützen wir aktiv dabei, wenn der Wunsch besteht, den Anspruch auf Elternzeit wahrzunehmen. Vaterschaftsurlaub wird aktuell bereits regelmäßig von Vätern genutzt, vor allem wenn erstmalig Nachwuchs erwartet wird.
Gibt es da direkte Unterstützung bei der Kinderbetreuung selbst?
Leider können wir keine betriebseigene Kinderbetreuung anbieten, aber wir prüfen laufend neue Maßnahmen im Rahmen des Möglichen. So ist es bereits heute möglich, bei Ausfall von Unterricht oder dergleichen das Kind mit ins Büro zu bringen. Dort stellen wir Voraussetzungen zur Verfügung, so dass die Kids ungestört Hausaufgaben unter Beaufsichtigung des Elternteils machen können.
Es ist jedoch immer wieder die Befürchtung von Beschäftigten zu hören, dass familienfreundliche Angebote ihrer Karriere schaden könnten. Was sagen Sie dann?
Die Stadtwerke Völklingen setzen auf eine Kultur, in der Leistung und Engagement unabhängig von individuellen Lebensmodellen anerkannt werden. Flexible Arbeitsmodelle und Karrierechancen stehen nicht im Widerspruch, ganz im Gegenteil: Motivierte und zufriedene Mitarbeitende leisten langfristig bessere Arbeit und sind engagierter.
Zudem wissen wir die Erfahrung unserer langjährigen Mitarbeitenden sehr zu schätzen. In der Beziehung zu Mitarbeitenden ist es genauso wie im Privaten: Es ist immer ein Geben und Nehmen, manchmal sind Kompromisse notwendig. Schlussendlich kommt es darauf an, dass man sich aufeinander verlassen kann.
Es gibt also auch Führungskräfte, die die Angebote nutzen?
Ja, natürlich! Wir fördern eine ausgewogene Work-Life-Balance auf allen Ebenen. Auch unsere Führungskräfte nutzen unsere familienfreundlichen Angebote.
Die Auszeichnung als familienfreundliches Unternehmen war natürlich eine große Anerkennung. Ist der Zertifizierungsprozess mit einem hohen Ressourceneinsatz verbunden?
Der Zertifizierungsprozess umfasst eine detaillierte Analyse der bestehenden Maßnahmen sowie die Entwicklung weiterer familienfreundlicher Angebote. In Zusammenarbeit mit Saaris wurden die Stadtwerke Völklingen geprüft und ausgezeichnet. Vielen Dank nochmals an dieser Stelle an die Geschäftsführerin der Saaris, Rita Gindorf-Wagner, und an Ursula Kunigham, Projektleiterin der Servicestelle Arbeiten und Leben im Saarland der Saaris, die uns auf diesem Weg so engagiert unterstützt haben.
Der Prozess ist auch intern mit einem gewissen Ressourceneinsatz verbunden. Wir betrachten dies im Unternehmen als Investition in die Zukunft. In der Personalabteilung arbeiten wir eng mit den Kolleginnen der Abteilung Marketing und Kommunikation zusammen, um das Zertifikat nicht nur als Auszeichnung, sondern auch als Instrument zur Stärkung der Arbeitgebermarke zu nutzen. Die Auszeichnung ist also nicht allein Anerkennung für unsere bisherige Leistungen, sondern auch ein Ansporn zur kontinuierlichen Weiterentwicklung.
Hilft das beim Recruiting?
Ja, durch gezieltes Recruiting-Marketing und die Kommunikation der familienfreundlichen Maßnahmen nach außen positionieren wir die Stadtwerke Völklingen als attraktiven Arbeitgeber auf dem Arbeitsmarkt und in der Öffentlichkeit. Dies ist ein entscheidender Faktor in Zeiten des Fachkräftemangels. Die Zertifizierung als familienfreundliches Unternehmen ist somit für uns ein wichtiger Baustein zur nachhaltigen Mitarbeitergewinnung und -bindung.
Das Interview führte Boris Schlizio




