Stellen, die auf das Klimakonto einzahlen, sind gefragt.

Stellen, die auf das Klimakonto einzahlen, sind gefragt.

Bild: @ InfineteFlow/AdobeStock

Sascha Sandvoss, Leiter der Unternehmensentwicklung der Stadtwerke Bochum und verantwortlich für Strategie und IT, macht keinen Hehl daraus, dass “manch einer den Kopf verdreht hat, wenn das Wort Nachhaltigkeit fiel.“ Das sei aber inzwischen besser geworden, seit die Kolleginnen und Kollegen realisiert haben, dass "nichts über deren Köpfe hinweg passiert.“

Erkenntnis der Verantwortlichenin Bochum: Die Kommunikation hat entscheidende Bedeutung, wenn es darum geht, die Mitarbeitenden mitzunehmen. Das sei der erste wichtige Schritt gewesen, als vor einem Jahr eine Nachhaltigkeitsmanagerin eingestellt wurde. Gleichzeitig wurde eine Traineestelle geschaffen.

Grüne Hochschulkontakte

Darüber hinaus gibt es gute Kontakte zur Hochschule Bochum, die Studienabschlüsse mit dem Karriereziel Nachhaltigkeit anbietet, sowohl für Bachelor- und Masterstudiengänge für Studienanfänger als auch für Quereinsteiger.

Die Stadtwerke haben schon diese Masterstudiengänge betreut und Werkstudierende von der Hochschule beschäftigt. Alles junge Menschen, deren Ansprüche in der sich verändernden Arbeitswelt hoch sind: “Ich wollte beruflich etwas machen, das zu einer besseren Zukunft beiträgt“, habe kürzlich ein Trainee gesagt. “Und jetzt arbeite ich für ein Unternehmen, das seinen CO2-Ausstoß aktiv verringert. Das ist genau das, was ich wollte.“

Leon Tebbe ist Projekt- und
Fördermittelmanager im
Geschäftsfeld Wärme bei
den Stadtwerken Bochum.Bild:@ privat

Nachhaltigkeit als Recruitingvorteil

Stellen, die auf das Klimakonto einzahlen, sind gefragt, erfährt Sandvoss immer wieder. Das Interesse, sich in diesem Bereich bei den Stadtwerken zu bewerben, ist entsprechend groß. Der Wirtschaftsingenieur Leon Tebbe (29) zum Beispiel hatte in seinem Studium die Schwerpunkte Controlling sowie Energie- und Verfahrenstechnik: “Das fand ich spannend, weil mir klar war, damit kann ich inhaltlich etwas Sinnvolles machen. Die Energiewende ist eine Aufgabe, die wir alle gemeinsam bewältigen müssen.“ Jetzt ist er bei den Stadtwerken Bochum damit beschäftigt, die Fernwärmeversorgung emissionsfrei zu gestalten. Er steuert einzelne Projekte und behält mit seinen Kollegen den Überblick, sorgt dafür, dass Zeitpläne eingehalten und Fördermittel korrekt verwendet werden.

Wer letztendlich bei den Stadtwerken Bochum im Bereich Nachhaltigkeit eingestellt wird, hängt allerdings nicht von einem hervorragenden Hochschulabschluss mit technischem Schwerpunkt ab. “Erfahrung ist uns wichtiger, auch pädagogische Kenntnisse sind von Vorteil“, so der Leiter Unternehmensentwicklung.

Wir sind auf einem guten Weg, umweltfreundliche Innovationen strukturiert voranzutreiben, die gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit im Fokus haben.

Innovativ, wirtschaftlich - umweltfreundlich

Sandvoss zieht ein Jahr nach Einrichten der Nachhaltigkeitsabteilung eine positive Bilanz: “Wir sind auf einem guten Weg, umweltfreundliche Innovationen strukturiert voranzutreiben, die gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit im Fokus haben. Umweltschutz und Nachhaltigkeit waren schon vorher ein Schwerpunkt bei uns, allerdings hat sich unsere Erwartung bestätigt, dass eine klare Struktur wesentlich effizienter sein würde.“

Insbesondere durch die zunehmenden regulatorischen Vorschriften habe es sich bewährt, alle Maßnahmen unter einem Dach zu bündeln. Und trotz der neuen Struktur bleibe “Nachhaltigkeit ein Teamsport.“

Vorschläge von Beschäftigten selbst

Um die Mitarbeitenden über aktuelle Projekte auf dem laufenden zu halten, haben die Stadtwerke als Plattform ein Lernkino eingerichtet. Umso mehr freut es Sandvoss, dass sich zunehmend Mitarbeitende mit konkreten Vorschlägen einbringen. Gerade habe sich eine Kollegin aus der Wärmesparte gemeldet, die sich stärker engagieren will.

Etliche kleinere Projekte konnten auf diese Weise bereits umgesetzt werden – etwa Veränderungen im Kantinenbetrieb. Früher war das Angebot häufig stark fleischlastig, heute setzt man verstärkt auf regionale Produkte und ein ausgewogeneres Menü. Seit einiger Zeit ist der Freitag sogar fleischfrei – und das kommt bei den meisten Mitarbeitenden richtig gut an.

Umstellung auf Elektromobilität

Zu den größeren Projekten in Sachen Nachhaltigkeit gehört aktuell die Dekarbonisierung des Fuhrparks. Die 65 Pkw wurden bereits auf Elektromobilität umgestellt, bei den Nutz- und Sonderfahrzeugen werden umweltfreundliche Alternativen geprüft. Abgeschlossen wurden auch unter anderem eine Dachbegrünungsmaßnahme sowie die Installation einer Photovoltaik-Anlage auf dem Betriebshof Hamme. Weiteres Beispiel: die Errichtung von Wildblumenwiesen an Stationsgebäuden. Mit Blick auf soziale Nachhaltigkeit wurden sogenannte Social Days im Unternehmen etabliert.

Der Beitrag ist zuvor in der Dezember-Ausgabe der ZfK erschienen. Zum Abo geht es hier.

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