Die Stadt Stuttgart hat ihre Dienstvereinbarung zum mobilen Arbeiten ergänzt. (Symbolbild)

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Bild: © Robert Kneschke/AdobeStock

Ohne Fachwissen, Kommunikation und interdisziplinäres Denken gelingt die Wärmewende nicht, sagt Manfred Rauschen, geschäftsführender Gesellschafter des Öko-Zentrums in Hamm. Das Fachinstitut hat einen Schwerpunkt im Bereich nachhaltiges Bauen, Energieberatung sowie in der Erstellung von Wärmekonzepten.

Darüber hinaus bietet es in der hauseigenen Akademie viele verschiedene Qualifizierungslehrgänge an. Unter anderem den Lehrgang "Wärmewende in der Praxis – Kommunale Wärmeplanung“, bei dem kommunale Wärmemanager ausgebildet werden.

Manfred Rauschen ist geschäftsführender Gesellschafter des Öko-Zentrums in Hamm.Bild: @ Öko-Zentrum NRW

Herr Rauschen, was sind aus Ihrer Sicht die größten fachlichen Herausforderungen bei der kommunalen Wärmeplanung?

Die Diversität der Aufgaben und die Einbindung vieler verschiedener Stakeholder. Die kommunale Wärmeplanung ist nur ein Baustein der gesamten Wärmewende. Der eigentliche Kraftakt beginnt erst danach: die Umsetzung der einzelnen Projekte, die Kommunikation mit unterschiedlichsten Akteuren und das kontinuierliche Steuern eines langfristigen Transformationsprozesses. Es geht nicht um eine theoretische Planung, sondern ein zukunftsgerichtetes, ganzheitliches Wärmemanagement.

Auf welche Kompetenzen kommt es an?

Ein grundlegendes Verständnis für die kommunale Wärmeplanung ist wichtig. Ebenso wie die Fähigkeit, mit unterschiedlichen Interessenslagen umzugehen. Dabei helfen Kenntnisse über rechtliche Rahmenbedingungen und technische Möglichkeiten genauso wie kommunikative Fähigkeiten. Es geht aber auch darum, proaktiv zu sein, den Austausch zu suchen, wichtige Akteure zu identifizieren und gezielt anzusprechen sowie Stakeholder miteinander zu vernetzen. 

Wie wichtig ist interdisziplinäres Denken in diesem Feld?

Sehr wichtig. Stadtwerke etwa denken traditionell eher in technischer und wirtschaftlicher Logik. Doch in der kommunalen Wärmeplanung geht es auch um Stadtentwicklung, Bürgerbeteiligung und strategische Kommunikation. Dafür braucht es die Bereitschaft, aus dem eigenen Fachbereich herauszudenken und neue Perspektiven zuzulassen. Etwa den Blick vom Kassenschlager Gas auf alternative Ansätze wie Flusswärme, Solarthermie oder Geothermie zu richten, die inzwischen auch wirtschaftlich interessant geworden sind. Stadtwerke müssen sich in Zukunft auch auf neue Arbeitsweisen einstellen. Wer bislang Gas oder Strom verkauft hat, wird künftig stärker beratend tätig sein und viel intensiver kommunizieren müssen. Das verlangt Managementkompetenz und neue Strukturen.

Müssen sich Fachkräfte also in gewisser Weise neu erfinden?

Ja, das klassische Studium allein reicht heute nicht mehr aus. Wer dauerhaft in diesem Bereich arbeiten will, muss sich weiterentwickeln. Sei es als Techniker mit zusätzlicher Kommunikationskompetenz oder als Verwaltungsmitarbeiter mit technischem Grundverständnis. Der Bedarf sich weiterzubilden wird zudem stetig wachsen, weil die gesetzlichen Anforderungen steigen. 

Welche Rolle spielen externe Dienstleister in diesem Prozess?

Sie bleiben wichtig. Auch wir als Öko-Zentrum NRW sind ein solcher Dienstleister. Aber das Ziel muss sein, innerhalb der Kommunen und Stadtwerke Kompetenzen aufzubauen, damit Prozesse intern gesteuert werden können. Die Transformation im Wärmebereich ist eine Aufgabe für die nächsten 20 Jahre. Ein befristeter Projektmanager reicht da nicht aus. Es braucht fest verankerte Teams, die kontinuierlich an der Umsetzung arbeiten. Mein Tipp an die planungsverantwortlichen Akteure: Nehmen Sie das Thema ernst und investieren Sie in Ihre Mitarbeitenden. Wer die Wärmewende wirklich gestalten will, braucht motivierte, gut geschulte Teams, die über den Tellerrand hinausblicken und langfristig Verantwortung übernehmen.

Wie kann der Lehrgang des Öko-Zentrums NRW dazu beitragen und wer nimmt daran teil?

Die Teilnehmenden sollen lernen, wie sie diesen Wandel fachlich, organisatorisch und kommunikativ gestalten können. Wir vermitteln Grundlagen der kommunalen Wärmeplanung. Also die rechtlichen Rahmenbedingungen, Szenarienentwicklung, Potenzialanalysen und Planungsprozesse. Aber auch Kommunikation, Stakeholderdialoge und strategisches Projektmanagement sind feste Bestandteile.

Wir waren selbst überrascht, wie bunt gemischt die Teilnehmenden sind. Neben klassischen Vertretern aus Kommunen und Stadtwerken sitzen auch Mitarbeitende von Unternehmen wie Wärmepumpenherstellern im Lehrgang. Das zeigt, wie groß der Bedarf an Qualifizierung in diesem neuen Themenfeld ist und wie wichtig es ist, dass sich alle Beteiligten auf Augenhöhe begegnen. Gerade die Vielfalt ist eine Stärke. Die Teilnehmenden interessieren sich füreinander und profitieren vom Austausch. Wir fördern das aktiv durch Alumni-Arbeit, Stammtische und Online-Formate. So entstehen Netzwerke, die weit über den Lehrgang hinaus Bestand haben.

Das Interview führte Charlotte Schulze Tenkhoff.

Weitere Informationen zum Lehrgang zum Lehrgang finden Sie unter https://oe-akademie.de/kommunale-waermeplanung/.

Der Beitrag ist zuvor in der September-Ausgabe der ZfK erschienen. Zum Abo geht es hier.

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