Im Homeoffice gibt es viele Dinge, die ablenken. Umso schwieriger ist es daher auch, die nötige Disziplin aufzubringen.

Im Homeoffice gibt es viele Dinge, die ablenken. Umso schwieriger ist es daher auch, die nötige Disziplin aufzubringen.

Bild: © H_Ko/AdobeStock

Selena Gabat ist Brand Director und Karriere-Expertin bei LinkedIn. Sie erklärt, warum Führungskräfte und Arbeitnehmende in der Energie- und Stadtwerke-Branche auf der Plattform sichtbar sein sollten – und wie Stadtwerke ihre Mitarbeitenden dabei unterstützen können.

Als Brand Director und Karriere-Expertin bei LinkedIn beschäftigt sich Selena Gabat damit, was online als authentisch wahrgenommen wird.Bild: © LinkedIn

Frau Gabat, was genau verstehen Sie unter Personal Branding – und wie unterscheidet sich das vom Corporate Influencing?

Personal Branding bedeutet, als Mensch sichtbar zu werden – mit den eigenen Werten, eigener Persönlichkeit und Expertise. Wer sich authentisch positioniert, schafft Vertrauen. Bei Corporate Influencern hingegen steht die Rolle als Markenbotschafterin oder Markenbotschafter im Vordergrund. Durch die Stimme der Mitarbeitenden wird die Unternehmensmarke erlebbar. Beides kann sich hervorragend ergänzen, gerade in Branchen, in denen Vertrauen und mentale Verfügbarkeit grundlegend sind – wie in der Energieversorgung.

Warum ist das gerade für Stadtwerke so relevant?

Weil sich die Energiebranche in einem massiven Umbruch befindet. Wer sich heute als glaubwürdige Stimme auf LinkedIn positioniert, kann den Wandel mitgestalten und zeigen: Wir sind Teil der Lösung. Sichtbare Fach- und Führungskräfte geben der Energiewende ein Gesicht und machen ihr Unternehmen nahbarer für Kundinnen und Kunden sowie für potenzielle neue Mitarbeitende.

Wie hilft Personal Branding beim Recruiting?

Im Zusammenhang mit der Talentsuche würde ich nicht von Personal Branding sprechen, sondern einen Schritt weiter gehen: Menschen interessieren sich für Menschen – nicht für Unternehmenslogos. Wer den Arbeitgeber wechseln möchte, schaut sich das Team an, die Werte und die Kultur eines Unternehmens – kurz die Employer Brand. Wenn Mitarbeitende authentisch über Projekte, Arbeitsalltag und Überzeugungen auf Plattformen wie LinkedIn posten, entsteht ein echtes Bild vom jeweiligen Unternehmen und das kann Talente anziehen.

Und wie motiviert man Mitarbeitende, auf LinkedIn aktiv zu sein?

Mitarbeitende sind die stärkste und glaubwürdigste Stimme eines Unternehmens. Was sie sagen, wie sie kommunizieren, was sie teilen, das prägt die Außenwahrnehmung der Marke maßgeblich. Drei Dinge helfen: Wertschätzung – also das Signal, dass ihre Stimme zählt. Ermutigung – etwa durch Führungskräfte, die mit gutem Beispiel vorangehen. Und Unterstützung – durch Schulungen, Content-Guides oder einfach durch die Erlaubnis, sichtbar zu sein. Perfektion ist dabei nicht nötig, im Gegenteil: Echtheit zählt mehr.

Können auch kleinere Stadtwerke erfolgreich Personal Branding betreiben?

Absolut. Es braucht keine riesigen Budgets, sondern echte Geschichten. Zum Beispiel: Einblicke in den Azubi-Alltag, Bilder vom Einsatz bei einem Stromausfall oder Erfahrungsberichte aus Projekten. Mit ein bis zwei Posts pro Woche, etwas Engagement im Team und einem klaren Ziel kann man viel erreichen. Kleinere Stadtwerke haben den großen Vorteil: Sie sind nah dran an den Menschen. Das ist ein echter USP auf LinkedIn.

Was raten Sie Mitarbeitenden, die neu starten wollen?

Schritt eins ist ein vollständiges Profil. Dazu gehört ein aussagekräftiges Profilbild und eine "Über mich"-Sektion, die Ihre Persönlichkeit zeigt und verrät, wofür Sie sich interessieren oder zu welchen Themen Sie den Austausch suchen – und dann heißt es, einfach loslegen: mal einen Post kommentieren, mal einen Beitrag posten, der Einblick in Ihren Arbeitsalltag gibt. Und netzwerken – mit Kolleginnen und Kollegen, Kundinnen und Kunden sowie mit Geschäftspartnerinnen und -partnern. Wichtig ist: nicht auf den "perfekten Moment" warten. Sichtbarkeit entsteht Schritt für Schritt.

Welche Inhalte kommen bei der Zielgruppe besonders gut an?

Menschen interessieren sich für Geschichten. Gut funktionieren Einblicke ins Team, persönliche Perspektiven oder Erfahrungen zu Energiethemen oder Inhalte mit regionalen Bezügen. Haltung zeigen ist ebenfalls wichtig: Wo steht das Unternehmen bei Nachhaltigkeit oder Bürgerbeteiligung?

Wie oft sollte man posten?

Ein bis zwei Posts pro Woche sind ein guter Start. Allerdings steht bei LinkedIn Qualität vor Quantität – Inhalte sind in der Regel dann erfolgreich, wenn sie anderen einen echten Mehrwert bieten und zum Diskurs anregen. Ich empfehle außerdem eine gewisse Regelmäßigkeit. Ergänzend: aktiv kommentieren, liken, vernetzen. Wichtig ist Substanz statt Glanz – lieber ein durchdachter Beitrag als fünf halbherzige.

Gibt es Formate, die besonders gut funktionieren?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Inhalte auf LinkedIn sind dann erfolgreich, wenn sie zu Gesprächen anregen, einen Mehrwert bieten, authentisch, ehrlich und persönlich sind – persönlich, aber eben nicht privat. Probieren Sie ruhig unterschiedliche Formate aus, um herauszufinden, was für Sie, Ihre Inhalte und letztlich auch Ihre Community gut funktioniert. Videos sind gerade besonders beliebt auf LinkedIn und das am schnellsten wachsende Format auf der Plattform.

Was sagen Sie denen, die sich nicht trauen?

Viele denken: Ich habe nichts Spannendes zu sagen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Es reicht, ehrlich zu teilen, was man beruflich erlebt oder beobachtet hat. Fragen stellen, kommentieren – auch das gehört zum Personal Branding. Sichtbarkeit bedeutet nicht, laut zu sein, sondern echt. Schritt für Schritt wächst das Selbstvertrauen und damit auch die Wirkung.

Das Interview führte Chantal Berger.

Der Beitrag ist zuvor in der Mai-Ausgabe der ZfK erschienen. Zum Abo geht es hier.

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