Managementpositionen in der Energiewirtschaft sind weiterhin männlich dominiert. Das ist das Ergebnis der Studie "Frauen in der Energiewirtschaft" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.
Der Frauenanteil ist seit 2021 sogar leicht gesunken – von 15,5 Prozent auf 14,3 Prozent. Die Untersuchung zeigt insgesamt, dass im Zuge der Energiewende in Unternehmen mehr Funktionsbereiche entstehen und dadurch auch die Zahl der Führungspositionen steigt, heißt es in einer Mitteilung von PwC.
Allerdings wächst der Anteil von Frauen in diesen Führungspositionen langsamer, sodass ihr relativer Anteil gesunken ist. Nicole Elert, Partnerin bei PwC und Leiterin des Frauennetzwerks Women & Business powered by PwC, sagt: "Obwohl die Energiewende die Unternehmenslandschaft dynamischer und komplexer gestaltet und zahlreiche neue Führungspositionen entstehen, stagniert die Vielfalt in den Führungsetagen. Frauen werden immer noch zu selten berücksichtigt."
Je höher die Führungsposition in der Energiewirtschaft ist, desto seltener wird sie mit einer Frau besetzt. Bei den Prokurist:innen beträgt der Frauenanteil 13,7 Prozent. In den Vorständen ist rund jedes zehnte Mitglied weiblich (10,2 Prozent). Zu ähnlichen Ergebnissen war auch kürzlich eine Studie der Zeppelin-Universität gekommen.
Viele weibliche Aufsichtsräte
Bei den Geschäftsführenden liegt der Frauenanteil nur bei 6,3 Prozent. Am häufigsten sind Frauen in Verwaltungs- und Aufsichtsräten anzutreffen, aktuell sind 16,4 Prozent der Verwaltungs- oder Aufsichtsräte weiblich.
Der hohe weibliche Anteil in den Verwaltungs- und Aufsichtsräten dürfte vor allem mit der Geschlechterquote für diese Gremien zusammenhängen: Gemäß der Führungspositionengesetze (FüPoG und FüPoG II) müssen Aufsichtsratsposten in börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen mit einer Frau neu besetzt werden, wenn der Frauenanteil im Aufsichtsrat unter 30 Prozent liegt.
Der Anteil weiblicher Führungskräfte unterscheidet sich auch je nach Region: Während im Osten Deutschlands der Anteil bei 20 Prozent liegt, machen Frauen im Westen, Norden und Süden zwischen 11 und 16 Prozent aus. Noch größer sind die Unterschiede in den Geschäftsführungen: Dort beträgt der Frauenanteil im Osten insgesamt 14,9 Prozent, im Westen nur 4,9 Prozent.
Politik und Behörden mit Vorreiterrolle
Bei politischen Ämtern und Behörden im energiewirtschaftlichen Bereich beträgt der Frauenanteil rund 42 Prozent (plus 1,7 Prozent gegenüber 2021), in wissenschaftlichen Instituten rund ein Drittel (plus 3,4 Prozent). Bei Stadtwerken und Unternehmen, die regenerative Energie erzeugen, liegt der Anteil der weiblichen Führungskräfte mit 15,3 beziehungsweise 15,9 Prozent etwas über dem Branchenschnitt von 14,3 Prozent. Bei beiden Unternehmenstypen sank der Frauenanteil jedoch gegenüber 2021 minimal – um 0,9 beziehungsweise 0,2 Prozentpunkte.
Der niedrige Frauenanteil betrifft nahezu alle Funktionsbereiche – mit einer Ausnahme: In den Kommunikationsabteilungen der Top-500-Unternehmen stellen Frauen mit 68 Prozent der Führungskräfte deutlich die Mehrheit (2018: 40 Prozent und 2021: 57 Prozent).
Bei den Erneuerbare-Energien-Unternehmen und Stadtwerken ist der Frauenanteil in der Kommunikation mit 65,9 beziehungsweise 65,2 Prozent ähnlich hoch. Technische und produktionsnahe Bereiche sind weiterhin männlich dominiert. In der IT sind beispielsweise nur rund 5 Prozent der Führungskräfte weiblich.
Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Im Rahmen der Studie wurden auch Daten zur Teilzeit für die Top-500-Unternehmen der Energiewirtschaft sowie zu den Stadtwerken ausgewertet. 9,5 Prozent der gesamten Führungskräfte in der Energiewirtschaft nutzen Teilzeitmodelle, bei den Frauen in Führungspositionen sind es etwa dreimal so viele (28 Prozent). Am höchsten ist der Teilzeitanteil von Frauen in leitenden Stellen bei Stadtwerken, hier beträgt er 38 Prozent.
"Je besser sich Familie und Beruf vereinbaren lassen, desto größer sind die Chancen, dass Frauen Führungspositionen übernehmen. In der Energiebranche müssen dafür flexiblere Arbeitsmodelle und eine offene Unternehmenskultur geschaffen werden", ordnet Elert ein.



