"Wenn wir mit Youtuber Marvin zum Dreh auftauchen, wird er oft erkannt", freut sich Franziska Steiger – und sieht darin einen Hinweis auf die wachsende Reichweite der VKU-Videos. Seit zwei Jahren verantwortet sie die Initiative "KOMMUNAL KANN", die kommunale Arbeitgebermarken modernisieren und vor allem junge Menschen erreichen soll.
Dafür setzt der VKU auf Youtube-Creator Marvin Wildhage. Er besucht Betriebe, spricht mit Mitarbeitenden über ihren Alltag und – entscheidend – über ihre Motivation, in der Kommunalwirtschaft zu arbeiten. Der Ansatz zeigt Wirkung: Wildhage erreicht über eine Million Abonnent:innen, einzelne Videos kommen auf mehr als 300.000 Views.
Trotzdem stellt sich eine zentrale Frage: Reicht das, um junge Menschen wirklich umfassend zu informieren?

Franziska Steiger
Fachgebietsleiterin Personalthemen kommunaler Unternehmen
Hohe Resonanz bei Online-Befragung
"Die Bilanz von KOMMUNAL KANN ist gut. Insgesamt 2,6 Millionen Klicks auf Youtube und 11.800 Abonnent:innen", fasst Steiger zusammen. Dennoch wollte man erfahren, wo noch Verbesserungspotenzial besteht – aus Sicht der jüngeren Nutzerinnen und Nutzer der Initiative. Deshalb startete der VKU im Sommer 2025 eine Online-Befragung, an der über 4000 junge Beschäftigte kommunaler Unternehmen unter 30 Jahren teilnahmen. "Eine starke Quote", so Steiger. Im Dezember 2025 stellte sie die Ergebnisse vor.
Das Gesamtbild: Die Kampagne wird sehr positiv bewertet – zugleich nennen die Befragten klare Erwartungen. Die Angebote der einzelnen kommunalen Unternehmen seien vielfältig, aber unterschiedlich weit entwickelt. "Die Ergebnisse zeigen den Personalverantwortlichen deutlich, wo die Reise hingeht – und wo Veränderungsbedarf besteht", betont Steiger.
Ergebnisse der Befragung im Einzelnen
Die vollständige Auswertung der Kommunal-kann-Umfrage steht VKU-Mitgliedsunternehmen im Mitgliederbereich zum Download bereit: www.kommunal-kann.de/mitgliederbereich.
Wunsch nach einfachen Bewerbungsverfahren
Ein zentrales Ergebnis: Junge Menschen wünschen sich vor allem niedrigschwellige digitale Bewerbungsprozesse – etwa One-Click-Bewerbungen oder eine Direktverlinkung von Berufsbildern in die Stellenportale. Gefragt sind zudem interaktive und inklusive Angebote: Chatbots, Live-FAQs, virtuelle Assistenten und personalisierte Ansprache. Die Einbindung von Menschen mit Migrationsgeschichte und vielfältigen Bedürfnissen findet bisher nicht durchgängig statt, wird aber erwartet.
Auch beim Auftritt kommunaler Unternehmen gibt es Luft nach oben: Gewünscht sind konsistente Layouts, moderne Sounds, schnelle Schnitte, noch mehr Reels. Steiger rät: "Stadtwerke können unsere Videos auf Ihrer Webseite einbinden. Wer keine eigene Karriereseite hat, kann sich kostenfrei eine Kommunal-kann-Landingpage erstellen."
Authentisch, unterhaltsam – aber realistisch
Die Kooperation mit Youtubern soll nach Wunsch der Befragten fortgeführt werden – jedoch stets mit realistischen Darstellungen des Arbeitsalltags. Podcasts sind grundsätzlich interessant, aber weniger priorisiert. Besonders gut bewertet wurden neue Formate wie Behind the Scenes, Fails, Mini-Serien ("Der härteste Tag des Monats") und interaktive Formate ("Du gegen den Profi"). Werbebotschaften allein reichen nicht. Gefragt sind authentische Geschichten, die Nähe herstellen – gerne mit Humor.
Ein Beispiel ist "Thank Job it’s Monday" der Stadtwerke Bochum: kurze Clips im Mockumentary-Stil, jeden Montag auf Social Media. "Eine großartige Employer-Branding-Kampagne – und zu Recht prämiert! Wir überlegen, ’KOMMUNAL KANN‘ zukünftig mit solchen innovativen Projekten zu verzahnen", so Steiger.
Analog und digital verbinden
Auch eine klare Forderung der Befragten: Kommunale Unternehmen sollen dort sichtbar sein, wo sich junge Menschen aufhalten – Schulen, Vereine, Start-ups, Umweltinitiativen, Festivals, lokale Events. Gewünscht wird eine Verknüpfung von analog und digital, etwa durch QR-Codes vor Ort. In Schulen gebe es zwar Berufsorientierung, aber "zu wenig konkrete Inhalte aus kommunalen Unternehmen". Für Steiger sind das "verschenkte Chancen". Junge Beschäftigte wünschen sich insgesamt auch außerhalb der Schule mehr direkte kommunale Dialogformate, etwa zu Themen wie Wasserstoff.
Es existieren bereits positive Beispiele – etwa ein Format von Rheinenergie in Schulen mit Rap-Elementen und vielen persönlichen Gesprächen mit Auszubildenden.
Kommunale Unternehmen sollen dort sichtbar sein, wo sich junge Menschen aufhalten – Schulen, Vereine, Start-ups, Umweltinitiativen, Festivals, lokale Events.
Halten, was man gewonnen hat
Offenbar fällt es einigen Befragten manchmal schwer, zwei aktuell auf jüngere Zielgruppen ausgerichtete VKU-Initiativen voneinander zu unterscheiden, berichtet Steiger: "’KOMMUNAL KANN‘ holt die Jungen in die Unternehmen. Mit ’VKU-DU‘ halten wir sie.“ Ziel sei es bei ’VKU-DU‘, junge Talente zu vernetzen – untereinander und auch mit Politik.
"Veranstaltungen wie ein mehrtägiger Ausflug ins politische Berlin oder nach Brüssel werden als Wertschätzung wahrgenommen und sind ein Benefit. Viele junge Menschen erkennen erst beim genaueren Hinsehen, wie viel die kommunale Wirtschaft zu bieten hat", sagt Steiger. Und das braucht gutes Marketing.




