Christian Meyer-Hammerström ist Geschäftsführer der Osterholzer Stadtwerke.

Christian Meyer-Hammerström ist Geschäftsführer der Osterholzer Stadtwerke.

Bild: © Osterholzer Stadtwerke

Herr Meyer-Hammerström, welche Rolle räumen Sie der Initiative CEO der Zukunft ein?

Perspektivisch trifft dieses Programm den Nagel auf den Kopf, denn ein Führungsvakuum in der Energiewirtschaft ist absehbar. Es war absolut notwendig, da etwas zu unternehmen, den Initiatoren gebührt daher großer Dank!
Aus Sicht der Mentees ist es sicherlich sehr hilfreich, gewisse Erfahrungswerte vermittelt zu bekommen und insbesondere wertvolle Netzwerke für die Zukunft knüpfen zu können. Allein dieser Aspekt gibt der Initiative viel Bedeutung.
Wäre ich 30 Jahre alt, würde ich alles versuchen, um in ein solches Programm zu kommen.

Christian Meyer-Hammerström

ist Alleingeschäftsführer der Osterholzer Stadtwerke. Zusätzlich engagiert er sich im BDEW, Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, wo er seit Jahren das Amt des Vizepräsidenten bekleidet und insbesondere die Interessen der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland vertritt. Darüber hinaus steht er der Gesellschafterversammlung der Stadtwerke-Kooperation Trianel vor und ist Mitglied des Aufsichtsrates.

Was war Ihre Motivation, sich als Mentor zu engagieren?

Persönlich bin ich immer neugierig auf junge Menschen und neue Impulse. Dieses Programm ist keine Einbahnstraße, bei dem nur die Mentor:innen etwas weitergeben. Ohne Zweifel wird man selbst dabei auch eine ganze Menge zurückbekommen und andere Denkmuster erlernen.
Ich freue mich darauf, auch selbst Fragen stellen zu können und vom Mentee zu hören, wie diese:r mit gewissen Situationen umgehen würde.
Dass ich die Branche ohnehin spannend finde, ist keine Frage. Ihr Image, so finde ich, wird ihrer Leistung nicht immer gerecht. Da ist es gut, Narrative zu widerlegen und Menschen zu begeistern, in unserer Branche zu arbeiten.

Meiner Erfahrung nach ist es so, dass sich Karrieren nicht planen lassen. Man kann darauf hinarbeiten, oft kommt es aber darauf an, zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Welche Erfahrungswerte möchten Sie persönlich weitergeben?

Wenn ich mir meine eigene Historie anschaue, kann ich klar sagen, dass man sich gewisse Themen wirklich selbst erobern muss – auch wenn es schwerfällt. 
Gleichzeitig ist es meiner Erfahrung nach auch so, dass sich Karrieren nicht planen lassen. Man kann darauf hinarbeiten und permanent versuchen, einen guten Job zu machen, oft kommt es aber darauf an, zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, wenn sich Chancen ergeben; nicht andersrum. 
Wichtig ist daher auch, dass man eine gewisse Gelassenheit mitbringt.

Sie sind auch Vizepräsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Wie wichtig sind Verbände und Netzwerke insgesamt, um Führungspositionen erfolgreich füllen zu können?

Ein gutes, belastbares Netzwerk zu haben, ist der wesentliche Erfolgsfaktor. Zum einen, weil man sich nicht immer neu erfinden muss. Wenn ein anderes Unternehmen eine Best-Practice-Lösung aufgebaut hat, ist es manchmal viel schlauer, das Modell zu übernehmen.
Zum anderen muss einem klar sein, dass man als Führungskraft in einer solchen Rolle zuweilen recht einsam sein kann. Da ist es gut, wenn man sich zu gewissen Themen auch mal ehrlich austauschen und Gedankengänge reflektieren kann. Manchmal ergeben sich so gänzlich neue Lösungsansätze.

Die Transformation kostet Schweiß und Tränen, bietet aber echte Chancen, etwas Gutes zu schaffen.

Was sind heutzutage die größten Herausforderungen für Führungskräfte in kommunalen Unternehmen?

In erster Linie geht es darum, sich klarzumachen, dass die Welt sich permanent verändert, auch in der Energie- und Kommunalwirtschaft. Das ist Fakt.
Damit umgehen zu können, selbst ein positives Mindset zu entwickeln und im Neuen einen Reiz zu erkennen, das ist sehr wichtig. Sich in bestehenden Strukturen einzurichten, geht eben nicht mehr. 
Und man muss die Menschen in einer Organisation begeistern können und auf dem Weg mitnehmen, denn als Führungskraft ist man kein Alleinunterhalter, der alles selbst macht. Natürlich gibt es Widerstände, zum Beispiel auch aus Angst vor der Zukunft, und die Transformation kostet Schweiß und Tränen, aber bietet echte Chancen, etwas Gutes zu schaffen.
Am Ende geht es in unserer Branche um den Purpose. Wir machen das alles für die Menschen und künftige Generationen.


Gerade die Kommunalwirtschaft hat viele politische Berührungspunkte und steht vor wichtigen Meilensteinen zur Energiewende. Muss man Feingefühl und Verhandlungsgeschick mitbringen, um dieses Umfeld zu navigieren?

Es ist wichtig, eine innere Klarheit zu haben − eine gefestigte eigene Haltung −, die man auch erklären kann, sowie ein Zukunftsbild, auf das man hinarbeitet. Denn natürlich steht man in diesen Rollen in der Öffentlichkeit. Da sollte man sich nicht erst in der Ratssitzung oder in der Betriebsversammlung überlegen, was man sagen möchte.
Solange man selbst von einer Sache überzeugt und begeistert ist, ist das aber kein Problem. Wichtig ist es, alle Argumente auf den Tisch legen zu können, sodass die gewählten Volksvertreter Entscheidungen treffen können. Denn in unserer Rolle als Fachleute müssen wir vor allem beraten und Themen sowie Konsequenzen nüchtern und sachlich darstellen. 
Oft werden diese Entscheidungen von "Feierabend-Politikern" getroffen – das meine ich auf gar keinen Fall despektierlich; im Gegenteil, davor ziehe ich persönlich den Hut − die diese Funktion unentgeltlich ausüben, sich aber trotzdem mit zig Themen beschäftigen müssen, darunter auch mit der Energiewende. Klar aufzeigen zu können, welche Ansätze es gibt und zu welchen Szenarien kommunale Entscheidungen führen, ist maßgeblich.

Wie steht es um Digitalisierung und künstliche Intelligenz?

Gerade mit Blick auf jüngere Menschen würde ich sagen, dass es eine spannende Zeit ist.
Als Branche leben wir digital nicht auf dem Baum und müssen uns im Vergleich zu anderen Branchen keinesfalls verstecken. Trotzdem gibt es diesbezüglich noch ein Stück Weg zu gehen.
Die Möglichkeit zu haben, dies mitzugestalten, ist eine großartige Herausforderung und Chance. Die jüngere Generation ist digital doch anders aufgewachsen und versiert. Da kommen sozusagen zwei Kräfte zusammen, und das birgt enormes Potenzial.

Ich muss mir darüber im Klaren sein, dass ich am Samstagmorgen beim Brötchenholen auch einmal die Gaspreise erklären muss. Aber das gehört dazu.

Blicken wir auf die Parallelen, aber auch Unterschiede zur Privatwirtschaft. Was müssen neue Managergenerationen in der Kommunalwirtschaft beachten?

Zunächst muss man sagen, dass viele Faktoren sehr ähnlich sind.
Wie ein privater Investor auch, hat eine Kommune beispielsweise den Anspruch, den Unternehmenswert zu steigern; die Verzinsung des eingesetzten Kapitals ist wichtig.
Oft sind aber die Entscheidungsprozesse anders als bei einem privaten Unternehmen, weil Daseinsvorsorge als auch politische Ideen und Perspektiven eine Rolle spielen.
Natürlich bedeutet der kommunale Kontext, dass man es mit mehr Stakeholdern zu tun hat als nur mit der Bank, wie das vielleicht bei einem privaten Unternehmen der Fall ist. Man muss also mehr Perspektiven beleuchten.
Entscheidungen dauern dann manchmal etwas länger und erfordern Geduld. Und natürlich steht man dabei in der Öffentlichkeit.



Stichwort "in der Öffentlichkeit stehen": Setzt einen das als Führungskraft mehr unter Druck?

Ich würde nicht sagen, dass es einen mehr unter Druck setzt, aber man muss sich dessen trotzdem bewusst sein. Das wiederum diszipliniert auch: Es schärft die eigenen Denkprozesse und Herangehensweisen, denn man muss von Vornherein alle Perspektiven bedenken. 
Salopp gesagt, ich muss mir darüber im Klaren sein, dass ich am Samstagmorgen beim Brötchenholen auch einmal die Gaspreise erklären muss. Aber das gehört dazu.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Mentor und welche Qualitäten erhoffen Sie sich von Ihrem Mentee?

So eine Rolle als Mentor macht man nicht nebenher. Es gehört dazu, dass man die eigenen Ressourcen verfügbar macht, sonst würde man den Mentees nicht gerecht.
Zunächst bin ich von meinem Mentee von der Fachlichkeit überzeugt. Wer für dieses Programm ausgewählt wird, ist zweifelsohne fachlich versiert.
Mit Blick auf die Persönlichkeit erhoffe ich mir aufgeweckte, leidenschaftliche und engagierte Menschen, die Lust haben, gemeinsam an der Entwicklung der Branche und an sich selbst zu arbeiten. Ganz bewusst sage ich dabei gemeinsam.

Das Gespräch mit Christian Meyer-Hammerström ist Teil einer Serie über das Engagement der Mentor:innen bei der Initiative "CEO der Zukunft".

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