Herr Liedtke, welchen Stellenwert hat das Programm "CEO der Zukunft" Ihrer Meinung nach?
Es ist eine tolle Initiative, die mich offen gestanden auch überrascht hat mit Blick auf die Professionalität und den Schwung, der dahintersteckt. Etwas Vergleichbares habe ich in den letzten Jahren in der Kommunalwirtschaft nicht gesehen.
Ich habe meinen Mentee auch schon kennenlernen dürfen; wir hatten bereits Meetings. Wir stecken also mittendrin und haben zunächst abgestimmt, wann wir uns sehen und um welche Themen es gehen soll.
Carsten Liedtke
ist seit November 2011 Sprecher des Vorstandes der Stadtwerke Krefeld (SWK) und seit 2007 Mitglied des Vorstandes. Er ist außerdem Vizepräsident des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU) und Vorsitzender des VKU-Landesgruppe NRW. Seit 2024 ist er zudem Mitglied im Beirat der NRW-Bank.
Liedtke war zuvor für RWE Rhein-Ruhr, Viag Interkom sowie die Siemens tätig. Er hat bei Siemens eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert, einen Abschluss als Betriebswirt (VWA) der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Essen sowie einen Bachelor-Abschluss der Hochschule für Ökonomie und Management, Utrecht. Carsten Liedtke ist 55 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder.
Sie waren viele Jahre für große Konzerne tätig. Welche Erfahrungen haben Sie für die Kommunalwirtschaft mitgenommen?
Ich bin seit 18 Jahren bei den Stadtwerken Krefeld tätig, war davor unter anderem auch einige Jahre im RWE-Konzern. Die Energieversorgung kenne ich also gut.
Insgesamt sehe ich den Vorteil, dass wir in der Kommunalwirtschaft Dinge tun können, die einen wichtigen öffentlichen Zweck erfüllen. Gerade das Stichwort "Purpose" kommt hier zum Tragen, denn wir setzen ganz nah am Menschen äußerst wichtige Aufgaben für die Daseinsvorsorge um.
Das ist eine unglaublich spannende Aufgabe. Wenn man diese unternehmerisch versteht, schafft es die Möglichkeit, Dinge wirklich wirtschaftlich zu gestalten, sodass sie Sinn machen für den Menschen. Spannender geht es kaum.
Was wir brauchen, sind intrinsisch motivierte Führungskräfte, die bereit sind, auch ins Risiko zu gehen. Genau das ist für künftige CEOs eben die Herausforderung mit Blick auf Führung.
Gleichwohl sind es Zeiten großer Herausforderungen, in der Digitalisierungs- und Klimaschutzziele erreicht, trotz geopolitischer Unsicherheiten aber auch Planbarkeit und Preissicherheit geschaffen werden müssen. Wie vereint man das?
Es ist in der Tat so, dass sich die Aufgaben massiv gewandelt haben. Kommunale Unternehmen sind heute nicht mehr einfach nur die Verlängerung der Stadtverwaltung, wie das früher häufig gesehen wurde. Wir sind heute aktive Unternehmer in einem extrem wettbewerblichen Markt mit hoher, zurzeit auch sehr unsicherer, politischer Einflussnahme.
Was wir brauchen, sind intrinsisch motivierte Führungskräfte, die bereit sind, auch ins Risiko zu gehen. Genau das ist für künftige CEOs eben die Herausforderung mit Blick auf Führung. Wer in diesen Job einsteigen möchte, weil er sich sicher versorgt sehen will, weil er eine ruhige Aufgabe im kommunalen Umfeld haben will, der ist bei uns in der Branche fehl am Platz.
Wir brauchen Unternehmer. Auf der einen Seite herrscht in der öffentlichen Wahrnehmung noch das Bild einer verlängerten Verwaltung, tatsächlich sind wir aber längst etwas ganz anderes. Dieses mutmaßliche Mismatch zusammenzubringen, uns so auch darzustellen und zu verkaufen, das ist eine sehr wichtige Aufgabe. Genau darin sehe ich indirekt den Sinn dieser Initiative.
Welche Kompetenzen sind für Führungskräfte ausschlaggebend? Welche Erfahrungswerte möchten Sie gerne weitergeben?
Da gibt es einige wichtige Punkte. Neben intrinsischer Motivation muss man auch Teamorientierung und ein Verständnis für kommunalpolitische Zusammenhänge haben, aber auch die Fähigkeit besitzen, technisch und wirtschaftlich verknüpft zu denken.
Intrinsische Motivation halte ich für ganz wichtig. Sie muss die Triebfeder für das Handeln sein, denn wir brauchen Führungskräfte, die aus sich heraus Spaß an der Aufgabe haben. Führungskräfte bekommen grundsätzlich wenig bis gar kein Schulterklopfen von außen. Je höher man sitzt, desto weniger Lob gibt es. Dafür müssen wir aber den Kopf herhalten, wenn in unseren Organisationen Dinge falsch laufen. Das ist auch richtig so.
Es geht darum, Teams zu führen und sich selber als Teammitglied zu verstehen: als derjenige, der den Weg frei räumt und die Richtung ein Stück weit vorgibt, aber eben nicht alleine, sondern zusammen mit anderen.
Gleichzeitig gibt es aber gerade unter den jüngeren Leuten, das sage ich ganz vorsichtig, diejenigen, die Lob und Anerkennung wollen.
Wenn man diesen Job machen will, muss man sich zu einem überwiegenden Teil aus der Sache heraus motivieren können. Das heißt, der Erfolg am eigenen Handeln – wirtschaftlichen Erfolg, Erfolg beim Klimaschutz, Erfolg in der richtigen Mitarbeiterauswahl, etc. – muss einen intrinsisch motivieren. Das ist ganz entscheidend für einen Unternehmer.
Wenn das nicht gegeben ist, und man nur auf das Geld oder andere Motivationsfaktoren schaut, dann wird man nicht erfolgreich sein.
Viel mehr als früher gehört heute auch eine teamorientierte Führung dazu. Ein autoritärer Führungsstil, wie er gerade in der Kommunalwirtschaft insbesondere zu Monopolzeiten noch gegolten hat, der ist heute überhaupt nicht mehr angebracht.
Als CEO hat man eine Generalisten-Rolle.
Es geht darum, Teams zu führen und sich selber als Teammitglied zu verstehen: als derjenige, der den Weg frei räumt und die Richtung ein Stück weit vorgibt, aber eben nicht alleine, sondern zusammen mit anderen. Diese Teamorientierung kommt einer Moderatorenrolle gleich, die man mögen und auch können muss.
Hinzu kommt die Fähigkeit, technische und wirtschaftliche Zusammenhänge der Energiewirtschaft zu verstehen. Das ist eine Kernaufgabe und erfordert paralleles Denken. Als CEO hat man eine Generalisten-Rolle und muss beides verknüpfen können, um in der Kommunalwirtschaft erfolgreich zu sein.
Ein viertes Thema ist das Verständnis für kommunalpolitische Zusammenhänge, denn wir sind nun einmal kommunalpolitisch determiniert. Da ist es schon sinnvoll und notwendig zu wissen, wie eine Kommune funktioniert, ihre Strukturen, die Rolle von Stadtrat und Bürgermeister zu verstehen, wie man einen Aufsichtsrat und dessen Erwartungen managt, und wie man mit parteipolitischen Positionierungen umgeht.
Man sollte mit diesem nicht immer einfachen Spannungsfeld umgehen können.
Wie wichtig sind Netzwerke?
Netzwerke sind in der heutigen Zeit viel wichtiger als früher; wir brauchen sie in jeder Hinsicht.
Natürlich gibt es heute viel mehr Tools und Möglichkeiten, diese Netzwerke zu pflegen, sie zu initiieren. Das ist ein großer Vorteil. Ich denke dabei nicht nur an die sozialen Medien.
Wenn teamorientierte Führungsstrukturen existieren und funktionieren sollen, muss es zunächst im Unternehmen ein geeignetes Netzwerk geben, bei dem auch ein CEO zum Teammitglied wird und sich an Projekten und Themen beteiligt, um bei den Menschen zu sein.
Wir können voneinander lernen, denn an vielen Stellen haben wir gleichartige Aufgaben zu lösen. Und wir müssen nicht alle das Rad neu erfinden.
Das wird natürlich immer schwieriger, je größer die Organisation ist. Dennoch ist dieses unternehmensinterne Netzwerk eine ganz entscheidende Basis – insbesondere für eine Führungskraft.
Ebenso muss es ein Netzwerk vor Ort geben, das in die Politik, in die Verwaltung hineinreicht. Das sind die Strukturen, mit denen wir arbeiten, die uns teilweise auch die Richtung vorgeben, uns aber auch bremsen können, wenn wir unseren Job nicht gut machen.
Wenn man mal nicht weiterweiß, dann können diese Kontakte viel Wert sein. Natürlich muss man dann wissen, welche Taste man drücken und wen man anrufen muss. Ein solches Netzwerk muss auch mal sehr informell funktionieren können.
Dann gibt es natürlich auch das Branchen-Netzwerk, das nicht zu unterschätzen ist. Als kommunale Unternehmen stehen wir seit der Liberalisierung der Märkte vor 26 Jahren einerseits im Wettbewerb zueinander, tun aber auch gut daran, miteinander zu kooperieren im Netzbereich, im Bereich Erzeugung und in vielen anderen Feldern. Wir können voneinander lernen, denn an vielen Stellen haben wir gleichartige Aufgaben zu lösen. Und wir müssen nicht alle das Rad neu erfinden.
Nur wenn wir diese Generation heute schon verstehen, sind wir auch in der Lage, uns darauf vorzubereiten, wie wir Unternehmen umgestalten und Dinge auf den Weg bringen müssen.
Ein CEO oder Geschäftsführer muss heute ganz klar in allen drei Netzwerken gut verbunden sein, um Erfolg zu haben. Das ist die Basis. Das allein macht noch keinen Erfolg aus, aber es ist ein ganz wichtiger Hygienefaktor, der eine große Rolle spielt.
Was erhoffen Sie persönlich sich von diesem Programm?
Ich finde es wichtig, von den Mentees in dem Programm auch Impulse mitzunehmen und zu lernen, wie die nächste Generation tickt, wie sie über Führung, Daseinsvorsorge, Klimaschutz oder Wirtschaftlichkeit denkt.
Nur wenn wir diese Generation heute schon verstehen, sind wir auch in der Lage, uns darauf vorzubereiten, wie wir Unternehmen umgestalten und Dinge auf den Weg bringen müssen.
Ich will nicht einmal sagen, dass alles davon richtig oder alles falsch sein muss. Wir müssen uns einfach darauf einstellen, denn diese neue Generation wurde ganz anders sozialisiert und hat inhaltlich andere Erwartungen, was das Outcome ihres Tuns sein soll.
Das zu lernen und zu verstehen, finde ich sehr wertvoll – nicht zuletzt, weil ich diese Generation an Mitarbeitern auch als Führungskräfte hier im Unternehmen habe. Daher möchte ich verstehen, wie und warum sie über gewisse Projekte so oder so denken. Es geht auch darum, zu verstehen, wie man sie abholen muss.
Fühlt euch aufgerufen, die kommunale Versorgungswirtschaft in die Zukunft zu führen. Das ist eine unglaublich spannende Aufgabe, die gerade jetzt wirklich im Zentrum vieler Debatten steht.
Genau diese Plattform bietet mir das Programm, indem ich mich sehr intensiv mit einem jungen Menschen beschäftige und austausche, und zwar hinter der Fassade.
Welche Botschaft möchten Sie den Mentees generell gerne mitgeben?
Fühlt euch aufgerufen, die kommunale Versorgungswirtschaft in die Zukunft zu führen. Das ist eine unglaublich spannende Aufgabe, die gerade jetzt wirklich im Zentrum vieler Debatten steht.
Ihr werdet vor Ort in Unternehmen eine große Wirksamkeit entfalten. Das ist eine tolle Perspektive, und auf diese spannenden Aufgaben möchten wir euch vorbereiten. Mitmachen lohnt sich.



