Die Kombination aus günstiger Miete, zentraler Lage und keine einsamen Abende überzeugt bei der Jobsuche.

Die Kombination aus günstiger Miete, zentraler Lage und keine einsamen Abende überzeugt bei der Jobsuche.

Bild: © Davide_Zanin/ASdobeStock

Der angespannte Wohnungsmarkt ist für viele junge Menschen eine der größten Herausforderungen beim Start ins Berufsleben. Die Stadtwerke Osnabrück (SWO) haben diese Hürde als Chance erkannt und aus einem strategischen Unternehmensziel ein wegweisendes Projekt entwickelt: eine eigene Azubi-WG. In einem ehemaligen Verwaltungsgebäude, dem "Pöppinghaus", wohnen nun Nachwuchskräfte Tür an Tür.

Stärkere Bindung ans Unternehmen

Die Idee entstand aus der Notwendigkeit, kreativ und "out of the box" zu denken, um im Wettbewerb um Talente zu bestehen. "Wir wollen jungen Talenten nicht nur bezahlbaren Wohnraum bieten, sondern ihnen auch den Einstieg ins Berufsleben erleichtern und sie beim Ankommen in Osnabrück unterstützen", erklärt Maren Fathmann, Personalleiterin der SWO. Das Ziel: eine stärkere Bindung der Fachkräfte von morgen an das Unternehmen.

Es klang einfach nach einem guten Gesamtpaket für den Ausbildungsstart.

Einer der Bewohner ist Leon Assing, angehender Fachangestellter für Bäderbetriebe. Für ihn war schon vor dem WG-Angebot klar, dass die SWO der richtige Arbeitgeber sind: "Mir war besonders wichtig, dass der Arbeitgeber eine gute Ausbildung bietet, also mit klaren Strukturen, engagierten Ausbildern und echten Entwicklungsmöglichkeiten". Die WG war dann ein überzeugender Bonus.

Als Assing von der Personalabteilung angesprochen wurde, ob er sich vorstellen könne, dort einzuziehen, war er sofort begeistert. "Überzeugt hat mich vor allem die Kombination aus günstiger Miete, zentraler Lage und dem Gemeinschaftsgefühl. Es klang einfach nach einem guten Gesamtpaket für den Ausbildungsstart", so Assing.

Maren Fathmann ist Personalchefin der Stadtwerke Osnabrück.Bild: @ Stadtwerke Osnabrück

Maren Fathmann

Personalchefin der Stadtwerke Osnabrück

Günstige Mieten

Für maximal 250 Euro Warmmiete erhalten die Azubis ein möbliertes Zimmer – ein Angebot, das laut Fathmann auf dem freien Wohnungsmarkt in Osnabrück kaum zu finden sein dürfte. Doch es geht um mehr als nur günstiges Wohnen. Es geht um Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung. "Man hat direkt Anschluss und ist nicht allein – das hilft gerade am Anfang.

Wir unterstützen uns gegenseitig, beispielsweise beim Lernen oder im Haushalt", berichtet Assing aus dem WG-Alltag. Kleinere Herausforderungen wie Diskussionen über Sauberkeit werden pragmatisch mit klaren Regeln und einer gemeinsamen Organisations-App gelöst.

Man hat direkt Anschluss und ist nicht allein – das hilft gerade am Anfang.

Das Projekt ist ein Paradebeispiel für gelungene interne Zusammenarbeit. Mehrere Abteilungen – von Immobilien über Bäder bis Personal – bündelten ihr Know-how, um die Idee umzusetzen. Sogar die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner packten beim Möbelaufbau mit an, was den Teamgeist von Anfang an stärkt.

Angebot wurde zum Selbstläufer

Die Resonanz ist durchweg positiv, sowohl von den Auszubildenden und ihren Eltern als auch von externen Beobachtenden. Das Medieninteresse ist groß, mehrere überregionale Fernsehsender haben bereits berichtet. Auch die Oberbürgermeisterin der Stadt, Katharina Pötter, lobte das Projekt als "kreatives und lebensnahes Angebot zur Fachkräftesicherung".

Mut zu ungewöhnlichen Wegen im Personalmarketing zahlt sich aus.

Die WG-Plätze wurden zunächst intern an aktuelle und kommende Azubis vergeben, wobei das Interesse vor allem bei denjenigen groß war, die von weiter her nach Osnabrück ziehen. Eine externe Werbekampagne war nicht nötig – die Betten waren sofort belegt.

Für andere kommunale Unternehmen, die über ähnliche Modelle nachdenken, hat Fathmann einen klaren Rat: "Mut zu ungewöhnlichen Wegen im Personalmarketing zahlt sich aus." Wichtig seien eine klare Zielsetzung, gute interne Abstimmung und eine gute Kommunikation, die nach innen und außen wirkt.

Der Beitrag ist zuvor in der November-Ausgabe der ZfK erschienen. Zum Abo geht es hier.

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