Der Aufsichtsrat der Stadtwerke Bonn (SWB) hat Geschäftsführer Marco Westphal einstimmig und mit sofortiger Wirkung zum kommissarischen Vorsitzenden der Geschäftsführung bestellt, das teilte das Unternehmen mit. Damit soll die Handlungsfähigkeit des Konzerns in der aktuellen Situation sichergestellt werden. Über die dauerhafte Besetzung dieser Position werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.
Am Dienstag, 24. März, hatte Konzernchef Olaf Hermes seine außerordentliche Kündigung eingereicht. Dem war ein öffentliches Hin und Her vorausgegangen: Erst bot Hermes den Rücktritt an, dann sollte sein Vertrag verlängert werden. Wir hatten die Hintergründe berichtet.

Gleichzeitig möchte ich Olaf Hermes ausdrücklich für seine Arbeit in den vergangenen Jahren danken.
Marco Westphal
SWB-Geschäftsführer
"Ich danke dem Aufsichtsrat für das Vertrauen in dieser besonderen Situation", lässt sich der Vorsitzende Marco Westphal in der aktuellen Pressemitteilung der Stadtwerke zitieren. "Gleichzeitig möchte ich Olaf Hermes ausdrücklich für seine Arbeit in den vergangenen Jahren danken. Er hat den Konzern in einer herausfordernden Zeit geprägt und wichtige Impulse gesetzt." Nun ginge es darum, Stabilität zu sichern und dem Unternehmen die notwendige Ruhe zu geben, bis eine weitergehende Entscheidung über die künftige Besetzung der Spitze getroffen sei.
Mit Westphal setzt der Aufsichtsrat auf eine Person, die stark im Unternehmen verankert ist: Der Diplom-Volkswirt ist seit 2005 Geschäftsführer und Arbeitsdirektor im SWB Konzern. Sein aktueller Vertrag läuft bis 2029.
"Ich danke Olaf Hermes für die Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren und seinen Einsatz für die Stadtwerke Bonn", erklärt David Lutz, CDU-Stadtverordneter und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Stadtwerke Bonn. Hermes habe wichtige Impulse für die Entwicklung des Unternehmens gesetzt und zentrale Themen vorangebracht. "Für die nun anstehende Übergangsphase ist es entscheidend, Stabilität und Kontinuität sicherzustellen." Mit dieser Lösung schufen die Stadtwerke die Voraussetzungen, um die anstehenden Aufgaben in der gebotenen Ruhe und mit klarem Fokus weiterzuführen.
Dass fachliche Expertise und nachweisbare Erfolge in der aktuellen Situation hinter politische Erwägungen zurücktreten, erfüllt mich mit Sorge.
Tobias Sterl, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender und Arbeitnehmervertreter
Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Arbeitnehmervertreter Tobias Sterl fand klare Worte: "Unter Hermes' Leitung haben sich die SWB innovativ weiterentwickelt und sich klar auf zukünftige Aufgaben ausgerichtet. Dass fachliche Expertise und nachweisbare Erfolge in der aktuellen Situation hinter politische Erwägungen zurücktreten, erfüllt mich mit Sorge." Wenn die Interessen der Anteilseigner über das Wohl des Unternehmens und seiner Mitarbeitenden gestellt würden, wirke sich das unmittelbar auf die Betriebskultur und die Stabilität aus. Die Enttäuschung in der Belegschaft sei spürbar.



