Die Anforderungen an das Management von Versorgungsunternehmen haben sich durch Digitalisierung und Energiewende in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), und Professor Ulf Papenfuß geben Einblicke in den neuen Studiengang Public Management an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen, der gezielt auf die aktuellen und kommenden Transformationsprozesse vorbereiten und den "Kommunal-Spirit" fördern soll.

Herr Papenfuß, warum nun ein Studiengang, der den Schwerpunkt auf die Kommunalwirtschaft legt?
In Deutschland gab es in der Universitätslandschaft systemisch relevante Lücken und einen objektiven Bedarf für einen Universitätsmasterstudiengang Public Management, in dem der Schwerpunkt auf Kommunalwirtschaft gelegt werden kann. Der Studiengang fördert die universitäre Ausbildung und schafft Begeisterung bei jungen Menschen für die zukünftige Übernahme von Führungspositionen in wichtigen öffentlichen Bereichen für unsere Demokratie und nachhaltige Daseinsvorsorge in zukunftskritischen Bereichen.
Durch den besonderen Ansatz mit praxisorientierten Inhalten und Fachexperten aus der Kommunalwirtschaft liefert der Studiengang Arbeitgebern konkrete Beiträge zur Personalgewinnung und Personalbindung für eine starke Kommunalwirtschaft für das demokratische Gemeinwesen. Er zieht Talente aus ganz Deutschland an und bringt sie mit den spannenden Themen der Kommunalwirtschaft in Kontakt. Der Studiengang zahlt positiv auf das Arbeitgeberimage ein. Kommunale Unternehmen sind moderne Arbeitgeber mit anspruchsvollen und attraktiven Aufgaben, das Thema gehört eindeutig an Universitäten.
Talente können über den Studiengang eher in der kommunalen Wirtschaft gehalten werden und entwickeln sich hier weiter. Der Studiengang ist auch ein Innovationstreiber. Studierende können schon während des Studiums zu "Change-Agents" für die aktuelle Transformation werden.
Herr Liebing, haben sich die Anforderungen an das Management in Versorgungsunternehmen in den letzten Jahren so stark verändert?
Die kommunalen Unternehmen sind 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag für die Menschen da. Doch der Abgang einer hohen Anzahl von Beschäftigten durch den demografischen Wandel hat auch Auswirkungen auf die Daseinsvorsorge. Gerade für die Energiewende brauchen die kommunalen Unternehmen ausreichend Fach- und Führungskräfte, damit sie weiter unsere Dienstleistungen der Daseinsvorsorge zuverlässig für die Menschen vor Ort erbringen können.
Die Anforderungen an das Management in Versorgungsunternehmen haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Die Digitalisierung und die Energiewende stellen Herausforderungen dar, die ein strategisches und innovatives Management erfordern. Führungskräfte müssen heute nicht nur technisches Know-how besitzen, sondern auch in der Lage sein, komplexe Projekte zu steuern und nachhaltige Lösungen zu entwickeln.
Der neue Masterstudiengang "Public Management mit Schwerpunkt Kommunalwirtschaft" bietet genau die Kompetenzen, die für diese anspruchsvollen Aufgaben notwendig sind. Nur wenn es gelingt, auch zukünftig Fachkräfte zu gewinnen und zu sichern sowie für aktuelle und künftige Aufgaben weiter zu qualifizieren, können die Dienstleistungen der kommunalen Unternehmen auf heutigem Niveau erhalten werden.
Herr Papenfuß, und wie werden diese Inhalte in den Lehrveranstaltungen abgedeckt?
Unser Master bietet ein einzigartiges innovatives Profil, eine starke Gruppe von Universitätsprofessorinnen und -professoren sowie Top-Führungskräften aus der Praxis, besondere Netzwerke für die spätere Karriere und Zukunftsgestaltung, außergewöhnliche Persönlichkeitsentwicklung sowie einen besonderen "Kommunal-Spirit". Das ist eine besondere Haltung und beschreibt das Engagement, das in der Kommunalwirtschaft und bei kommunalen Unternehmen vorherrscht. Es basiert auf Werten wie Gemeinschaftssinn, Verantwortungsbewusstsein, Nachhaltigkeit und lokaler Verbundenheit.
Im Schwerpunkt Kommunalwirtschaft haben wir in den Lehrveranstaltungen alle Sparten des VKU abgedeckt. In den Veranstaltungen zur Kommunalwirtschaft leisten Top-Führungskräfte und führende Köpfe aus der Praxis aus dem Kontext kommunaler Unternehmen maßgebliche Lehrbeiträge. Hierdurch sind wir top-aktuell und gestaltungsorientiert an den praxisrelevanten Themen für kommunale Unternehmen dran. Durch die Interaktion mit Universitätsprofessorinnen und -professoren entsteht eine besondere Mischung und Qualität, die besondere Problemlösungskompetenzen fördert.
Ingbert Liebing, Haupteschäftsführer des VKU

Studierende können Projekte aus der Praxis wissenschaftlich fundiert bearbeiten, die einen direkten Kompetenztransfer ermöglichen. Auch nutzen wir innovative Prüfungsformate mit besonderen Potenzialen für Studierende und Arbeitgeber. Durch den Präsenzansatz entsteht ein direkter Austausch mit starker persönlicher Interaktion. Dies stärkt positive Netzwerke und langfristige Kontakte.
Durch unser flexibles Studienmodell im Blockwochen-Format ist der Master auch berufsbegleitend sehr gut studierbar. Neben dem sehr schönen Bodensee finden die Veranstaltungen an attraktiven und gut erreichbaren Orten bei VKU-Mitgliedsunternehmen oder beim VKU wie in Berlin und Brüssel statt.
Herr Liebing, inwiefern profitieren die Studierenden von der Praxiserfahrung kommunaler Experten?
Wer in einem kommunalen Unternehmen arbeitet, übernimmt im – wie wir gern sagen – "Team Daseinsvorsorge" mit seiner oder ihrer Tätigkeit direkt und vor Ort soziale und ökologische Verantwortung. Denn mit der eigenen Arbeitsleistung erbringt jede und jeder Beschäftigte einen individuellen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Und ohne sie gibt es keinen Strom aus der Steckdose, kein Trinkwasser aus dem Wasserhahn, kein schnelles Internet über Glasfaser, keine warme Wohnung im Winter und auch keine sichere Entsorgung von Abwässern und Abfällen.
Durch die enge Zusammenarbeit und den Austausch mit erfahrenen Führungskräften aus der Kommunalwirtschaft erhalten sie wertvolle Einblicke in die realen Herausforderungen und das passende Werkzeug für Lösungsansätze. Diese praxisnahe Ausbildung ermöglicht es den Studierenden, theoretisches Wissen direkt in die Praxis umzusetzen und sich optimal auf ihre zukünftigen Aufgaben in verschiedenen Bereichen – darunter Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Public Entrepreneurship und Transformation – vorzubereiten. Zudem fördern die Netzwerke, die während des Studiums geknüpft werden, den Austausch und die Zusammenarbeit innerhalb der Branche.
Und der VKU unterstützt das Studienangebot zusätzlich durch Stipendienprogramme?
Liebing: Ja, der VKU fördert Talente mit Vollstipendien und Teilstipendien für den Studiengang Public Management. Diese Stipendien sollen besonders talentierte und engagierte Mitarbeiter fördern und ihnen die Möglichkeit geben, sich weiterzubilden, ohne finanzielle Hürden überwinden zu müssen. Durch diese Unterstützung möchten wir sicherstellen, dass die besten Köpfe der Kommunalwirtschaft Zugang zu diesem einzigartigen Studiengang haben und ihre Fähigkeiten weiterentwickeln können.
Papenfuß: Wir sind dem VKU sehr dankbar für die Förderung der Stipendien für den Studiengang. Dies ermöglicht Talenten unterschiedlicher Herkunft, ein hochwertiges Universitätsstudium zu absolvieren. Und übergreifend lassen sich dank der flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten vielfach "Win-win-Situationen" für Studierende und Arbeitgeber entwickeln.
Wie können kommunale Arbeitgeber dabei gezielt Talente in ihren Unternehmen fördern und sie auf diesem Karriereweg unterstützen?
Liebing: Kommunale Unternehmen sind attraktive Arbeitgeber. Die Tätigkeiten und Einstiegs- sowie Entwicklungsmöglichkeiten in kommunalen Unternehmen sind vielfältig, sinnstiftend und bieten vor allem eines: Sicherheit in schwierigen Zeiten. Kommunale Unternehmen können Talente fördern, indem sie ihnen die Teilnahme an diesem Masterstudiengang ermöglichen und sie aktiv bei ihrer beruflichen Weiterentwicklung unterstützen. Dies kann zum Beispiel durch flexible Arbeitszeitmodelle, finanzielle Unterstützung und die Bereitstellung von Mentoren geschehen.
So stärken Arbeitgeber nicht nur die Bindung zu ihren Nachwuchskräften, sondern stellen sicher, dass ihre Führungskräfte optimal auf die künftigen Herausforderungen vorbereitet sind. Der Masterstudiengang "Public Management mit Schwerpunkt Kommunalwirtschaft" bietet eine hervorragende Gelegenheit, Talente zu fördern, die Zukunft der Kommunalwirtschaft aktiv mitzugestalten – und sich gegenüber dem harten Wettbewerb als vielversprechender und attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.
Papenfuß: Die Förderung und Unterstützung von Talenten mit "Public Spirit" ist ein zentrales Thema. Mit der Kooperation im Rahmen des Studiengangs meinen wir, hier einen wichtigen Beitrag leisten zu können. Bewerbungen für den Start im September sind noch möglich. Über zeitnahe Bewerbungen von engagierten und spannenden Menschen freuen wir uns sehr. Unser Studiengang fördert nicht nur Fachwissen, sondern auch engagierte Persönlichkeiten. Gemeinsam erzielen wir Fortschritte und erleben Freude an der Zusammenarbeit.
Das Interview führte Boris Schlizio.




