Bei Flächen für Ladeinfrastruktur bevorzugen Kommunen zu oft ihre eigenen Stadtwerke, lautet der Vorwurf des Bundeskartellamts.

Bei Flächen für Ladeinfrastruktur bevorzugen Kommunen zu oft ihre eigenen Stadtwerke, lautet der Vorwurf des Bundeskartellamts.

Bild: © fottoo/AdobeStock

Von Daniel Zugehör

Nach einem Markteinbruch lässt sich bei der Elektromobilität nun wieder ein Aufwärtstrend erkennen. Allerdings ist der Markt weiter abhängig von politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. "Die Elektromobilität in Deutschland steht am Kipppunkt", warnt das Duisburger Center Automotive Research (CAR) in einer Mitteilung. Zusammen mit der Ostfalia Hochschule und der European Climate Foundation zeichnete es in einer kürzlich veröffentlichten Studie ein zwiespältiges Bild.

Ende der Umweltprämie bremst Markt aus

Während der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge an den Neuzulassungen in der Europäischen Union im Jahr 2024 mit 13,6 Prozent stabil blieb, fiel Deutschland demnach deutlich zurück. Hier sanken die Zulassungen um 27,4 Prozent auf 380.609 Fahrzeuge, der Marktanteil verringerte sich auf 13,5 Prozent und erreichte damit den niedrigsten Stand seit 2020.

Besonders hart traf es den privaten Markt: Die Zahl der privaten Neuzulassungen brach gegenüber dem Vorjahr nahezu um die Hälfte ein. Viele Haushalte empfanden E-Mobilität nach dem Wegfall der Förderung schlicht als zu teuer, so die Autorinnen und Autoren.

Politischer Rahmen bleibt entscheidend

Im Jahr 2025 deutet sich nun eine Erholung an. Hersteller reagieren mit Preisnachlässen, attraktiveren Leasingangeboten und der Einführung neuer Einstiegsmodelle. So setzt beispielsweise der Citroën "ë-C3" mit günstigeren LFP-Batterien auf ein Preisniveau von rund 23.300 Euro.

Auch aktuelle Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes belegen den Aufwärtstrend – hier ein Überblick mit verschiedenen Grafiken. Die Analyse des CAR zeigt weiter, dass vor allem im unteren Preissegment Preisänderungen einen besonders starken Effekt auf die Nachfrage entfalten, während staatliche Förderungen bei hochpreisigen Modellen deutlich geringere Wirkung haben.

Auf politischer Ebene wurden die Weichen neu gestellt. Die Europäische Union hat jüngst Flexibilisierungen bei den CO₂-Flottengrenzwerten beschlossen, während in Deutschland zwar weitere Fördermaßnahmen im Koalitionsvertrag vorgesehen sind, jedoch auf eine gesetzliche Elektroauto-Quote verzichtet wird. Das Ziel von 15 Millionen Elektrofahrzeugen bis 2030, das die Vorgängerregierung noch formuliert hatte, wird nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren nicht weiterverfolgt.

Sie plädieren dafür, den ausgelaufenen Umweltbonus in modifizierter Form wieder einzuführen und stärker auf Privatkunden auszurichten. Gerade kostengünstige Modelle sollten gezielt gefördert werden, da sie aufgrund höherer Preiselastizität eine größere Marktwirkung entfalten können – Stichwort "Social Leasing".

Kritik an Ladeinfrastruktur

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass neben der Kaufprämie insbesondere die Ladeinfrastruktur ein Nadelöhr der Verkehrswende sei. Zum 1. Mai 2025 waren laut Bundesnetzagentur 166.876 öffentlich zugängliche Ladepunkte installiert, davon knapp 39.000 Schnellladepunkte. Seit Anfang 2023 entspricht dies einem Zuwachs von über 70.000 Ladepunkten.

Doch im internationalen Vergleich hinke Deutschland hinterher. Während in den Niederlanden ein Ladepunkt auf 6,4 Fahrzeuge kommt, liegt das Verhältnis hierzulande bei 17,3. Vor allem in ländlichen Regionen bleibe die Versorgung unzureichend. Allerdings weisen Branchenverbände wie der BDEW regelmäßig darauf hin, dass bestehende Ladesäulen im Durchschnitt kaum ausgelastet seien.

Wachstumsfeld mit Unsicherheiten

Jedoch macht die Studie deutlich, dass Deutschland in den kommenden Jahren eine entscheidende Phase durchläuft. Zwar tragen derzeit vor allem gewerbliche Zulassungen die Marktdynamik, doch langfristig wird der Privatmarkt ausschlaggebend sein. Preis, Betriebskosten und verlässliche Rahmenbedingungen bestimmen dabei stärker über den Kauf als ideologische Fragen.

Für Stadtwerke und die Energiebranche insgesamt bedeutet dies, dass die Elektromobilität ein zentrales Wachstumsfeld bleibt, das allerdings mit Unsicherheiten behaftet ist. Vor allem zentrale Schnellladeparks können zu einem Schlüsselfaktor für die Verkehrswende werden.

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