Vielen Kommunen fehlt ein Gesamtkonzept für Mobilität, beklagen die Berater.

Vielen Kommunen fehlt ein Gesamtkonzept für Mobilität, beklagen die Berater.

Bild: © j-mel/Adobe Stock

Die Mobilitätswende ist ein wichtiger Baustein für Klimaschutz, soziale Teilhabe und städtische Lebensqualität. Eine Analyse von PwC Deutschland zeigt jedoch, dass viele Kommunen beim Thema Verkehr noch nicht ausreichend vorankommen. Während rund die Hälfte der Städte und Landkreise mittlerweile eine Mobilitätsstrategie erarbeitet oder bereits umgesetzt hat, verfügt ein Viertel über keinerlei Konzept – und hat noch nicht einmal einen entsprechenden Prozess angestoßen.

Die Untersuchung von 400 kreisfreien Städten und Landkreisen macht laut PwC deutliche Unterschiede sichtbar. Einige Kommunen verfolgen bereits umfassende Gesamtstrategien, die alle relevanten Handlungsfelder abdecken. Andere bleiben dagegen bei Teilkonzepten stehen, die lediglich Einzelmaßnahmen in den Blick nehmen und damit kaum geeignet seien, die strukturellen Herausforderungen einer nachhaltigen Mobilität zu bewältigen. PwC betont, dass solche punktuellen Ansätze nicht ausreichen, um den verkehrsbedingten CO₂-Ausstoß substanziell zu senken oder Mobilität neu zu gestalten.

Mit der Qualität sind die Berater besonders unzufrieden

Besonders kritisch fällt die Bewertung der Qualität aus. Nur 29 Prozent der untersuchten Konzepte gelten als "hochwertige Gesamtstrategien“. Sie vereinen eine Beschreibung der Ausgangslage, klar formulierte Ziele, ein strategisches Leitbild, konkrete Maßnahmen sowie einen Plan zur Umsetzung. Weitere 18 Prozent erreichen zumindest den Status einer hochwertigen Teilstrategie. Damit bleibt jedoch mehr als die Hälfte der kommunalen Mobilitätskonzepte hinter dem notwendigen Anspruch zurück.

Deutlich wird auch, dass zentrale Zukunftsaspekte oft unzureichend berücksichtigt werden. Lediglich 16 Prozent der Kommunen verankern ihre Mobilitätsstrategie in einer gesamtstädtischen oder regionalen Entwicklungsplanung. Themen wie Wohnen, Tourismus oder Begrünung bleiben meist außen vor, obwohl sie maßgeblich beeinflussen, wie sich Mobilität in Städten entwickeln kann.

Ebenfalls auffällig sei die geringe Berücksichtigung der Finanzierungsfrage. Viele Konzepte enthalten weder eine realistische Kostenschätzung noch Angaben zu langfristigen Finanzierungswegen – ein Problem angesichts knapper kommunaler Haushalte.

PwC identifiziert mehrere Faktoren, die für eine erfolgreiche Mobilitätswende entscheidend sind. Dazu gehören eine veränderte Stadtgestaltung und Verkehrsplanung mit dem Ziel, die Autos durch attraktive Alternativen zurückzudrängen. Als wesentlich wird der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs genannt, der immer stärker durch digitale On‑Demand‑Formate ergänzt wird. Eine zentrale Rolle spielt zudem die Antriebswende. Besonders im ÖPNV schreitet die Elektrifizierung voran: Laut "PwC E‑Bus‑Radar 2025" waren Ende 2024 bereits 3375 Busse emissionsfrei unterwegs, weitere 9140 E‑Busse sollen in den kommenden Jahren folgen.

Neben den technischen und infrastrukturellen Aspekten rücken auch organisatorische und digitale Entwicklungen in den Vordergrund. Förderprogramme und betriebliches Mobilitätsmanagement – etwa Mobilitätsbudgets oder Fahrradleasing – gewinnen an Bedeutung, ebenso wie die digitale Vernetzung unterschiedlicher Verkehrsträger. Bereits heute bieten alle 30 größten deutschen Städte Mobilitäts‑Apps an, die Mehrheit davon zusätzlich ein Sharing-Angebot. Die Analyse zeigt, dass digitale Lösungen zunehmend als integrale Bestandteile einer modernen Verkehrspolitik verstanden werden.

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