Von einem Pult aus lässt sich die Münchner S-Bahn rangieren.

Von einem Pult aus lässt sich die Münchner S-Bahn rangieren.

Bild: © Deutsche Bahn/Thomas Kiewning

Im Münchner S‑Bahn‑Werk Steinhausen ist erstmals eine S‑Bahn vollständig ferngesteuert rangiert worden. Das Fahrzeug der Baureihe 423 wird über ein Bedienpult in einem Gebäude gesteuert. Die Deutsche Bahn erprobt so, wie sich Rangierabläufe künftig beschleunigen und Betriebsvorlaufzeiten deutlich reduzieren lassen. Gerade in den Werkstätten, in denen täglich zahlreiche Fahrzeugbewegungen stattfinden, können digitalisierte Abläufe die Einsatzbereitschaft der Flotte erhöhen und die Mitarbeitenden entlasten.

Die Testfahrten sollen wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des Systems und für die zukünftige Zulassung einer Remote Train Operation (RTO) im regulären Rangierbetrieb liefern. Rund 400 Fahrzeuge der Baureihe 423 sind deutschlandweit im Einsatz, sodass das Potenzial für eine technische Nachrüstung erheblich ist. Die Deutsche Bahn investierte rund eine Million Euro in die Ausrüstung des Testfahrzeugs inklusive innovativer Steuerungstechnik des Herstellers Alstom und in den Aufbau eines eigenen 5G‑Campus‑Netzes für die Echtzeitübertragung.

Steuerung auch per Tablet möglich

Die Mitarbeitenden können über das Pult nicht nur die Rangierbewegung auslösen, sondern auch Türen schließen, Beleuchtung schalten oder Warnsignale auslösen. Kameras liefern dafür Livebilder auf große Displays. Ergänzend wurde eine ortsunabhängige Steuerung per Tablet getestet. Für den bayerischen Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) verdeutlicht der Test, wie digitale Technologien den Bahnverkehr leistungsfähiger machen können.

Wenn die Finanzierung gesichert ist, könnte München in wenigen Jahren zum ersten Standort werden, an dem ferngesteuerte Rangierabläufe im Regelbetrieb stattfinden. Ob und wann die ferngesteuerte S‑Bahn in den breiten Einsatz geht, ist jedoch noch abhängig von Finanzierung, Zulassung und möglichen Fördermitteln. Technisch wäre eine Nachrüstung relativ schnell umsetzbar – ein Rollout in München könnte 2028 beginnen.

Parallel dazu zeigt ein Blick auf andere Projekte, dass ferngesteuerte und automatisierte Zugbewegungen nicht mehr im experimentellen Stadium stecken. Nürnberg betreibt mit den Linien U2 und U3 seit 2008 Deutschlands erste und einzige fahrerlose U-Bahnen. Im Erzgebirge werden Züge per 5G ferngesteuert, unterstützt durch den Smart Rail Connectivity Campus als Forschungsumgebung. Auch Digitalisierungsvorhaben wie der Ausbau der Funknetze der Münchner U‑Bahn oder autonome Shuttleprojekte zeigen den technologischen Wandel im öffentlichen Verkehr.

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