Von Andreas Baumer
Seit 1996 lässt das Umweltbundesamt alle zwei Jahre untersuchen, wie umweltbewusst die deutsche Bevölkerung ist. Die neuesten Erkenntnisse, die sich auf das Jahr 2024 beziehen, stellte Präsident Dirk Messner am Montag vor. Hier die aus ZfK-Sicht wichtigsten Schlüsse für die Energiewirtschaft:
1. Umwelt- und Klimaschutz hat an Bedeutung verloren
Weiterhin hält eine breite Mehrheit der deutschen Bevölkerung Umwelt- und Klimaschutz für wichtig. Für 54 Prozent der Befragten waren die Themen sehr wichtig, für weitere 34 Prozent eher wichtig.
Der Anteil derer, die Umwelt- und Klimaschutz für sehr wichtig halten, hat allerdings im Vergleich zu den Vorjahren abgenommen. 2022 waren es noch 57 Prozent, die so empfanden, 2019 sogar 68 Prozent.
2. Umwelt- und Klimaschutz hinter Kriminalität, aber vor Zuwanderung
Auch im Vergleich zu anderen Themenfeldern haben Umwelt- und Klimaschutz an Boden verloren. Die Themenfelder "Kriminalität, öffentliche Sicherheit" sowie "wirtschaftliche Entwicklung" zogen vorbei. Insgesamt belegt Umwelt- und Klimaschutz im Ranking der wichtigen politischen Themen nun Platz acht.
3. Umwelt- und Klimaschutz bei jungen Menschen weniger wichtig
Interessante Erkenntnisse lassen sich bei der Wichtigkeit von Umwelt- und Klimaschutz zudem ziehen, wenn man tiefer in die Daten blickt. 55 Prozent der Befragten aus Westdeutschland halten Umwelt- und Klimaschutz für sehr wichtig. In Ostdeutschland sind es 46 Prozent. Bei der Gruppe, die Umwelt- und Klimaschutz für eher wichtig halten, dreht sich das Verhältnis um: In Ostdeutschland sind 41 Prozent der Befragten dieser Meinung, in Westdeutschland 32 Prozent.
Auffälliger sind die Unterschiede bei den Alterskohorten: Unter den 18- bis 29-Jährigen halten lediglich 44 Prozent Umwelt- und Klimaschutz für ein sehr wichtiges politisches Thema. Mehr als jeder Fünfte findet, dass dies eher nicht wichtig oder überhaupt nicht wichtig ist. Auf der anderen Seite sind Befragte, die 65 Jahre alt oder älter sind. Hier gaben 63 Prozent an, dass Umwelt- und Klimaschutz ein sehr wichtiges politisches Thema seien. Für lediglich sechs Prozent trifft das eher nicht oder überhaupt nicht zu.
Groß sind auch die Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Während 65 Prozent der befragten Frauen Umwelt- und Klimaschutz für ein sehr wichtiges Thema halten, sind es bei den Männern lediglich 42 Prozent.
4. Industrie und Wirtschaft mit Aufwärtstrend
Das Umweltbundesamt hat abfragen lassen, welche Akteure aus Sicht der Befragten genug für den Umwelt- und Klimaschutz getan haben. Ganz vorn landen dabei die Umweltverbände. Eine absolute Mehrheit der Befragten findet, dass sie eher genug oder genug getan haben. Keine andere Akteursgruppe kommt über die 50 Prozent – auch die Wissenschaft nicht (49 Prozent).
Deutlich schlechter kommen politische Institutionen weg. Lediglich 28 Prozent der Befragten waren der Ansicht, dass die Bundesregierung genug oder eher genug getan hat (2022: 30 Prozent). Historisch gab es seit 2012 in dieser Frage für die Bundesregierung eine Spannweite von 14 bis 41 Prozent.
Zulegen konnten die Städte und Gemeinden. Gut ein Drittel der Befragten fand, dass diese genug oder eher genug für den Umwelt- und Klimaschutz tun. Tatsächlich ist Umwelt- und Klimaschutz oft kommunale Angelegenheit. Das gilt auch für die Wärmewende, bei der den Kommunen durch die Erstellung eigener Wärmepläne eine besondere Verantwortung zufällt.
Bei Industrie und Wirtschaft waren 22 Prozent der Befragten der Ansicht, dass diese genug oder eher genug getan haben. Nur die Vereinten Nationen (18 Prozent) schnitten noch schlechter ab. Allerdings hat sich der Eindruck über die Klima- und Umweltanstrengungen bei Industrie und Wirtschaft im Laufe der Jahre verbessert. In den 2010er-Jahren waren 16 Prozent das Höchste der Gefühle. Im Jahr 2018 fanden sogar lediglich acht Prozent der Befragten, dass Industrie und Wirtschaft genug oder eher genug für Klima- und Umweltschutz getan hätten.
5. Weniger als die Hälfte hält Umstieg auf Erneuerbare für sehr wichtig
Einer der größten Hebel der Dekarbonisierung Deutschlands liegt in der Umstellung der Energieversorgung weg von fossilen Energieträgern wie Kohle und Gas hin zu erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarenergie. Diesen Umstieg halten allerdings nur 45 Prozent der Befragten für sehr wichtig. Für weitere 33 Prozent ist er eher wichtig.
Große Unterschiede gibt es hier zwischen Ost- und Westdeutschland. Während in Westdeutschland 47 Prozent den Umstieg auf erneuerbare Energien für sehr wichtig halten, sind es in Ostdeutschland 30 Prozent. Ein Drittel der befragten Ostdeutschen hält den Wechsel sogar für "eher unwichtig" beziehungsweise "überhaupt nicht wichtig". In Westdeutschland sind 18 Prozent dieser Auffassung.
Bei den Alterskohorten ergibt sich folgendes Bild: Der stärkste Zuspruch für einen Umstieg auf erneuerbare Energien wurde bei Menschen gemessen, die 65 Jahre alt oder älter sind. 51 Prozent unter ihnen halten das für sehr wichtig. Am anderen Ende befinden sich die 30- bis 39-Jährigen. Unter ihnen halten dies lediglich 40 Prozent für sehr sinnvoll.
Hier ist auch der Vergleich zum Untersuchungszeitraum 2022 bemerkenswert. Damals gab eine Mehrheit von 54 Prozent an, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien sehr wichtig sei.
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