Es ist offiziell: Die Förderung erneuerbarer Energien im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) kostete in den traditionell sonnenstarken Monaten Mai, Juni und Juli rund sechs Milliarden Euro. Das sind 1,3 Milliarden Euro mehr als im Vorjahreszeitraum.
Üppige monatliche Bundeszuschüsse verhinderten, dass das EEG-Konto ins Minus rutschte. Insgesamt wurden von Mai bis Juli 6,2 Milliarden Euro zugeschossen. Ende Juli lag der EEG-Kontostand bei knapp 800 Millionen Euro.
Zuschüsse fast verdoppelt
Die hohen EEG-Förderkosten waren in den vergangenen Monaten zum Politikum geworden. Der vom Bundestag bewilligte Zuschuss von insgesamt 10,6 Milliarden für das ganze Jahr reichte gerade einmal ein halbes Jahr. Per Nachtragshaushalt soll nun zusätzlich Geld zur Verfügung gestellt werden, sodass sich der Zuschuss nahezu verdoppelt.
Wie erwartet machten insbesondere die sonnenreichen Monate dem EEG-Konto zu schaffen. Dann produzieren Photovoltaikanlagen gerade zur Mittagszeit übermäßig viel Strom und ziehen die Börsenpreise nach unten. Allein im Juni betrug das Defizit ohne Berücksichtigung der Bundesfinanzspritze mehr als zwei Milliarden Euro. Im Mai und Juli kam das Minus jeweils knapp unter zwei Milliarden Euro zu stehen.
Knapp 50 Millionen Euro an untertägigen Ausgleichskosten
Der mit Abstand größte Ausgabeposten sind die Zahlungen von Marktprämien und Einspeisevergütungen. Stark gestiegen sind allerdings auch Kosten für den untertägigen Ausgleich, sprich für die Beschaffung von externer Energie, wenn zugesicherter EEG-Strom beispielsweise wegen fehlerhafter Prognosen nicht erzeugt werden kann.
Allein im Juni wurden dafür knapp 50 Millionen Euro fällig. Zum Vergleich: Im kompletten Jahr 2021 betrugen die Ausgleichskosten 77 Millionen Euro. Im kompletten Jahr 2023 waren es 91 Millionen Euro.
Ausnahmetag 3. Juni
Dass der Juniwert diesmal so hoch ist, könnte auch damit zusammen, dass für den 3. Juni deutschlandweite Prognosen ein sonnigeres Wetter vorhergesagt hatten, als dann der Fall war.
"Das hat allen Photovoltaik-Vermarktern im Portfolio sehr weh getan, denn der nicht erzeugte Strom musste zu deutlich höheren Preisen nachgekauft werden", sagte ein Stromhändler der ZfK.
Professor aus Darmstadt warnt
Im Zuge der Wachstumsinitiative will die Ampel-Bundesregierung die EEG-Förderkosten perspektivisch eindämmen. Ab dem kommenden Jahr soll die Förderung bei negativen Preisen für Neuanlagen grundsätzlich ausgesetzt werden. Zudem soll die Direktvermarktungspflicht ausgeweitet werden.
Im Interview mit dem "Handelsblatt" warnte Christof Bauer, Professor an der Technischen Universität Darmstadt nun aber vor zu hohen Erwartungen. Es bedürfe zusätzlicher Schritte, um die Kosten der Erneuerbaren-Förderung spürbar zu senken.
Umstellung auf Investitionskostenförderung
Tatsächlich plant die Ampel noch mehr. Perspektivisch soll der Ausbau erneuerbarer Energien nämlich auf eine Investitionskostenförderung umgestellt werden. Wann genau dies kommen soll, blieb jedoch offen. Im politischen Berlin gibt es Zweifel, dass sich die Koalition vor der Bundestagswahl noch zu solch einem Schritt durchringt. (aba)
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