Viele Stadtwerke bieten einen Mix aus nachhaltigen Vertriebsformen an - vom Ökostrom bis zum E-Bike-Sharing. (Symbolbild)

Viele Stadtwerke bieten einen Mix aus nachhaltigen Vertriebsformen an - vom Ökostrom bis zum E-Bike-Sharing. (Symbolbild)

Bild: © Tierney/AdobeStock

Die Vorschläge umfassen die Bereiche Energie, Verkehr, Industrie, Gebäude und Landwirtschaft und wollen aufzeigen, wie Deutschland sein Klimaziel, bis 2030 den CO2-Ausstoß um mindestens 65 Prozent zu senken, tatsächlich erreichen kann.

Empfohlen wird hierzu ein Instrumentenmix. "Wir sind der Auffassung, dass nur ein solcher Instrumentenmix am Ende in der Gesellschaft akzeptiert werden wird", betonte Rainer Baake, Direktor der Stiftung Klimaneutralität am Donnerstag in der Bundespressekonferenz. Nötig sei ein Mix aus CO2-Bepreisung, aus klarem Ordnungsrecht, aus staatlicher Förderung und aus steuerlichen Anreizen.

Fehlinvestitionen vermeiden – soziale Gerechtigkeit und Innovationen fördern

Es gehe hierbei auch darum, "Fehlinvestitionen zu vermeiden" und "eine Innovationswelle in Deutschland auszulösen", unterstrich Baake. Im Mittelpunkt stehe dabei auch, die Klimaschutzziele sozial gerecht zu erreichen.

Zentrale Punkte seien, den Kohleausstieg schon bis 2030 umzusetzen und den Erneuerbaren-Anteil am Strommix bis dahin auf 70 Prozent zu steigern und die Verwendung fossiler Energieträger in allen Bereichen auf den 1. Januar 2045 gesetzlich zu befristen. An der Dekarbonisierung des Stromsektors führe kein Weg vorbei, wobei für die nicht direkt elektrifizierbaren Anwendungen sowie als Speicher grüner Wasserstoff erforderlich sei, so Baake.

"Investitionen, Investitionen, Investitionen"

"In Energie und Industrie geht es um Investitionen, Investitionen, Investitionen", betonte Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Hierzu müssten alle Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, beispielsweise die Vereinfachung der Naturschutzregelungen beim Ausbau der Windkraft. Für die Sektoren Verkehr und Gebäude, wo es um die Entscheidungen der Bürgerinnen und Bürger geht, ist das Motto "die Zukunft ist grün und günstig", so Graichen. Denn dann würden auch die Investitionen in Richtung Klimaneutralität erfolgen.

Das E-Auto muss günstiger als ein Verbrenner sein, eine Wärmepumpe günstiger als ein Gasheizkessel, so lautet die Zielmarke. Nötig hierfür sind laut Graichen: Zuschüsse, Strompreissenkung, Verteuerung der fossilen Energien und der Abbau klimaschädlicher Subventionen sowie die Unterstützung des Markthochlaufs in diesen neuen Technologien.

Nicht nur auf Emissionshandel setzen – CO2-Preise von 300 Euro/Tonne verhindern

Graichen warnte davor, wie die FDP, beim Weg zur Klimaneutralität nur auf den CO2-Preis und den Emissionshandel zu setzen und einen freien Markt beim Thema CO2 zu fordern. Denn dann lande man bei Verkehr und Gebäuden bei CO2-Preisen von 250 bis 300 Euro pro Tonne.

"Wir haben explizit einen anderen Weg gewählt", betonte Graichen. Es brauche einen CO2-Preis, aber er sollte bis zum Jahr 2025 auf 100 Euro pro Tonne gedeckelt werden und danach langsam ansteigen. Denn es sei komplett unrealistisch, dass die Politik 300 Euro pro Tonne C02 durchhalte. Dies heiße dann 1 Euro zusätzlich für den Liter Sprit. "Wer schwört, der Emissionshandel wird alles immer leisten, der schwört einen Meineid", sagte Graichen. Deshalb sei ein moderater CO2-Preis in Kombination mit Ordnungsrecht das richtige Instrument. Das Ordnungsrecht sei dazu da, neue Investitionen in die richtige Richtung zu lenken.

Gegen Verbot des Verbrennungsmotors

Gerade auch im Verkehr sei eine "neue Klimaarchitektur" nötig, betonte Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende. Ziel sei, den Bestand an Elektro-PKW bis 2030 auf mindestens 14 Millionen zu steigern. Erreicht werden soll dies unter anderem mit einer Umgestaltung der Kfz-Steuer und einer Reform der Dienstwagenbesteuerung. Entlastungen emissionsfreier Fahrzeuge sowie Belastungen für Verbrenner-Lkw bei der Maut, die Beschleunigung des bedarfsgerechten Ausbaus der Ladeinfrastruktur und eine Verschärfung der CO2-Flottengrenzwerte in der EU sollen die Elektrifizierung von Lkw voranbringen.

Auch müsse das Eisenbahnnetz ausgebaut und der ÖPNV gestärkt werden. Ziel ist die Verdoppelung der Fahrgastzahlen bis 2030. Doch spricht sich Hochfeld gegen ein gesetzliches Verbot der Neuzulassung von Fahrzeugen mit konventionellen Verbrennungsmotoren bis 2030 aus, wie er auf Nachfrage der ZfK erläuterte. Es müsse darum gehen, die ökonomischen Rahmenbedingungen so zu setzen, dass die Mehrheit der Autofahrer beim Umsteigen auf emissionsfreie Fahrzeuge mitmache. Verbote führten nur zu einer Abwehrhaltung.

EEG-Umlage bis spätestens 2025 abschaffen

Um Strom günstiger zu machen, plädieren die drei Thinktanks dafür, die EEG-Umlage frühestens Anfang 2023, spätestens 2025 abzuschaffen. Zur Gegenfinanzierung sollen die Einnahmen aus dem EU-Emissionshandel und aus der höheren CO2-Bepreisung dienen. Weitere Mittel versprechen sich die Experten von dem Abbau umweltschädlicher Subventionen. (hcn)

Die Vorschläge für ein klimaneutrales Deutschland gibt es hier.

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