Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grüne) posiert während seines Besuchs beim Wärmepumpenhersteller Stiebel Eltron für die Kameras.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grüne) posiert während seines Besuchs beim Wärmepumpenhersteller Stiebel Eltron für die Kameras.

Bild: © Swen Pförtner/dpa

Diesen Besuch hatte sich Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sicher anders vorgestellt. Am Montag war der Grünen-Politiker zu Gast bei Stiebel Eltron in Holzminden (Niedersachsen), einem der größten Hersteller für Wärmepumpen in Deutschland. Einen Tag zuvor hatte das "Handelsblatt" einen Bericht veröffentlicht, wonach das Unternehmen bis zu 1000 Mitarbeiter entlassen muss.

Ein Teil der Belegschaft empfing Habeck daher mit einem Protestzug. "Ich will, dass die Unsicherheit aus dem Markt geht", rief der Vizekanzler den Demonstrierenden zu. Die Wärmepumpe sei "schlecht geredet" worden. Dabei sei das Produkt mit speziellen Stromtarifen schon heute vielfach günstiger als Gasheizungen - auch, dank üppiger Forderung.

Wärmepumpenabsatz rückläufig

Dennoch steckt die Wärmepumpen-Branche seit Monaten in der Krise. Im ersten Halbjahr 2024 wurden rund 90.000 Geräte verkauft, deutlich weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Förderbank KfW hat 2024 bislang rund 85.000 Anträge in der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bewilligt – wobei hier auch beispielsweise Solarthermieanlagen und wasserstofffähige Heizungen dazugezählt werden. Die deutschen Hersteller Vaillant, Viessmann und Stiebel Eltron müssen sparen.

Auch Bosch hadert mit der Marktlage. Stiebel-Chef Kai Schiefelbein bestätigte Personaleinsparungen bei dem Pressetermin in der Holzmindener Zentrale (Niedersachsen) zwar. Er sagte aber, dass weniger Stellen betroffen sein sollen. Vaillant hat bereits einen Stelllenabbau angekündigt, Viessmann schickt Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Habeck zu Haushaltslage

"Dass Sie in Kurzarbeit sind, betrübt mich", sagte Habeck vor den protestierenden Werksangehörigen. "Warum haben Sie dann die Förderung für Energieberatung gekürzt?", entgegnete eine Betriebsrätin. Dabei wissen auch die Stiebel-Mitarbeiter: Habeck würde gerne mehr tun, allein die Haushaltslage lässt es nicht zu.

"Ich habe die Energieberatung gekürzt, um die Wärmepumpenförderung weiter durchzuhalten zu können", so Habeck. Es seien schlicht nicht mehr Reserven da, um das Programm für Wärmeberatung aufzustocken. Allerdings gab er auch ein Versprechen ab: "So lange ich Minister bin, wird es die Wärmepumpenförderung weiter geben."

Wenig Neubau

Als Gründe für die Krise der Branche nannte Habeck drei Gründe: der schleppende Neubau, wo das Produkt mittlerweile Standard ist und bei knapp 80 Prozent der neuen Häuser eingebaut wird, die allgemein schlechte konjunkturelle Lage und der schlechte Ruf der Wärmepumpen inklusive zahlreicher Desinformationen, die über die Technologie im Umlauf sind. "In den skandinavischen Ländern funktioniert die Wärmepumpe, obwohl die Winter länger dauern und kälter sind", sagte Habeck.

In Norwegen würden 60 Prozent der Häuser mit Wärmepumpe versorgt, obwohl der Gebäudebestand mit Deutschland vergleichbar sei. "Das sind keinesfalls nur Effizienzhäuser."
Dass auch 2024 einer großer Teil der eingebauten Heizungen fossil war, sei ein Problem. "Der Preis für Erdgas und Öl wird steigen. Aus meiner Sicht ist das für Verbraucher gefährlich, ja, eine Falle, dass im ersten Halbjahr so viele fossile Heizungen eingebaut worden sind."

Einsatz im Bestand

Ähnlich sah das Stiebel-Chef Schiefelbein."Die Wärmepumpe ist jetzt die richtige Investition. Der Emissionshandel kommt, die Pflichteinspeisung für Biogas kommt." Der Bericht des "Handelsblatts" hatte im Vorfeld auch deshalb für Ärger gesorgt, weil es dort hieß, die Geräte von Stiebel Eltron seien für Bestandsgebäude weniger gut geeignet.

"Unsere Wärmepumpen schaffen auch Vorlauftemperaturen für Bestandsgebäude", entgegnete der Geschäftsführer. Über die Berichterstattung habe man sich "nicht gefreut". Zudem seien die ganz großen Entwicklungssprünge bei der Wärmepumpe mittlerweile abgeschlossen. "Die Geräte werden noch besser, aber nicht mehr so viel.

Förderung aus Strukturfonds

Ein Geschenk hatte Habeck dann doch für Stiebel Eltron im Gepäck. Das Traditionsunternehmen, das bereits seit der Ölrise in den Siebzigern Wärmepumpen baut, erhält für das Werk in Holzminden wohl einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag aus dem Förderprogramm Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW).

Damit verbunden ist die Schaffung 1000 neuer Arbeitsstellen. Auf die Frage, ob das auch die bestehenden Arbeitsplätze sichert, antwortete Stiebel-CEO Schiefelbein ausweichend. "Sagen wir, es hilft." (jk)

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